Band 
[Fünfter und sechster Band.]
Seite
125
JPEG-Download
 

125

Die meine weise Stirne rieht,

Und die Prinzeß sich stärker fächelt,

Je näher sie mich kommen steht,

Belebter nun der Hof mir neuen MüßiggängernSich ohne mich um feine Axe dreht,

Um mich herum die Schatten steh verlängern,

Und mein Gestirn, das jept im Mittag steht,

Den Kreis verlaßt und untergeht —

Wenn Wielands ausgespielte Flöte

Nun auch nicht mehr die schlaffe Seele rührt,

Und mich nicht mehr die Abeudröthe' Nach Amathunt in unsers Gothe

Geheime Myrthenwäldchen führt —

Und wenn auch dir, der mir um eine StufeDes Lebens dem vertrauten RufeDes TodeSengelö näher steht,

Manch Lüftchen schon aus Platons HaineDie Wettgesänge der Gemeine,

Die deiner harrt, entgegeuweht;

Wenn auch nun du, mein Leukon, * in den FriedenDer Seligen hinübereilst,

Die Nebel, die den LebensmüdenVom Aether der Verklärten schieden,

Mir deiner Rechten schon zertheilst,

Nur mir der Linken noch hieniedenAn deines Freundes Vrusi verweilst;

Wenn dir schon lächelnd auf der SchwelleDer Ewigkeit das neue Licht,

Wie deine Tugend, rein und helle

* Herr Kr. St. C. Weiße, dessen Hochzeitfest Hr. Pros. Rammletu der schonen Ode: Au Hymen, unter diesem griechischen Namen feierte