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Buitenzorg.
ganzen Welt auf dieses Kleinod des Gartenbaues aufmerksam ge-macht bat. Es ist jetzt mit einem physiologischen Laboratorium ver-bunden, wohin jährlich europäische Pflanzenphysiologen aus allenTheilen der Welt ziehen, um ihren Forschungen und Studien unterLeitung und Mithülfe des Prof. Treub obzuliegen. Im Jahre 1819von dem damaligen Director des Departements »für Landbau,Kunst und Wissenschaft«, dem Prof. Reiuwardt, errichtet, um ganzpraktische Zwecke zu verfolgen, und zwar den Nutzen der grossenund üppigen Flora der inländischen Colonien zu erforschen, tratdieses Ziel bald in den Hintergrund, und die Botaniker Hass-karl, Teysmann und Treub schufen einen botanischen Garten,welcher seines Gleichen in der ganzen Welt nicht findet. Er wurdenicht nur der Sammelplatz aller tropischen Gewächse, welchesystematisch gepflanzt sind und dennoch den strengsten Anforderungender Aesthetik Rechnung tragen, sondern auch aller subtropischenGewächse und zahlreicher Bäume des kalten Klimas. Es wurdennämlich vor 30 Jahren fünf Berge als Adnexe dieses Gartens er-wählt, welche mit europäischen Gewächsen bepflanzt wurden, umein ganzes Bild der Weltflora bieten zu können. Diese Berggärtenheissen: Tji 1 ) Panas (1050 Meter hoch), Tji 1 ) Bodas (1290 Meter),Tji 1 ) Berem (1460 Meter), Kandang Badak (2370 Meter) und derBerg Pangerango (3020 Meter).
Wie gewöhnlich des Morgens fanden wir am andern Tageden Salak wolkenfrei. Unsere Zimmer mündeten in die hintereVeranda, und die kühle Morgenluft entlockte uns, die wir dieserTemperatur zwei Jahre lang entwöhnt waren, ein leichtes Frösteln;nachdem wir uns durch Unterkleider gegen diese kühle, feuchteLuft geschützt hatten, gaben wir uns bei einer Schale heissemKaffee ganz dem Genüsse dieses wunderschönen Panoramas hin.An seinem Fuss sieht man das tief gefurchte Thal von dem TjiDani = Danifluss, mit einer hölzernen Brücke. Das braune Wasserist von allen Seiten von grünen Laufewänden eingeschlossen; voruns eine kleine Landzunge, wo Hütten der Eingeborenen im Ge-büsch verborgen sind; zu unserer Rechten ein Hügel mit einerGruppe von Palmen gekrönt, und links eine Reihe von mächtigenCocospalmen. Der Hintergrund wird eingenommen von der unge-
') Genannt nach dem gleichnamigen Flusse, welcher auf diesem Berge ent-springt oder wenigstens in seiner Nähe fliesst.