8. Capitel.
Die Schiefertafel („Leitje 44 ) — Die Wege der Fama — Lese-gesellschaft — Ein humoristischer Landesgerichtsrath — Ah-reise von Ngawie — Ambarawa — Nepotismus in der Armee— In drei Tagen zweimal transferirt — Vorschuss auf denBehalt — Die Provinz Dagegen — Essbare Vogelnester — InTjilatjap — Polizeisoldaten — Beamte — Sehenswürdigkeitenvon Tjilatjap — Officiere in Civilkleidung — EingeboreneBeamte — Behalt eines Regimentsarztes — An Malaria er-krankt — Djocja — Der Tempel Prambänan — Die „TausendTempel 44 — Wieder nach Ngawie — Spitalbehandlung derOfficiere — Reibereien in kleinen Städten — Die ProvinzSurakarta — Der Kaffeebauin — Ein Roman auf dem Vul-cane „Lawu 44 .
m 10. Januar 1890 wurde meine Transferirung nach Willem I
beschlossen. Wie gewöhnlich erfuhr ich dies zunächst ausden telegraphischen Nachrichten in der »Locomotief«, der besten,täglich erscheinenden Zeitung von Indien. Ahnungslos sass ichNachmittags um vier Uhr beim Thee, als mich ein »Leitje« =»Schiefertafel« des Platz-Commandanten davon verständigte. Eswird nämlich in Indien zum geselligen schriftlichen Verkehr keinPapier, sondern das »Leitje« gebraucht, welches aus einer doppel-ten Schiefertafel besteht. Auf die eine schreibt man seine kurzeMittheilung, und auf die zweite kann der Empfänger sofort dieAntwort schreiben, weil sich der Griffel im hölzernen Rahmen be-findet. Dies ist eine sehr einfache und praktische Correspondenz,welche voraussetzt, dass der Ueberbringer, der Bediente oder dieBabu (Zofe), es nicht lesen können, und dass kein indiscreter Nach-bar sie atiffängt. Leider ist oft weder das Eine noch das Andereder Fall, und werden Priratgeheimnisse bekannt, ohne dass der Ver-räther eines solchen Geheimnisses geahnt wird.