Prophylaxis der Cholera in Indien.
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Die Prophylaxis der Cholera fällt mit der gegen die Malariazusammen, weil beide nicht nur theoretisch in die Klasse der mias-matischen Krankheiten gehören, sondern auch factisch gleichzeitig Vor-kommen. Da auch die dritte Geissei der Tropen, die Beri-Beri, einerein miasmatische Krankheit ist, so müssen alle prophylaktischen Maass-regeln des Staates gegen das Entstehen und Ausbreiten der einenKrankheit auch den übrigen miasmatischen Krankheiten (worunter wirauch in den Tropen den Typhus und die Dysenterie rechnen) zu Stattenkommen. Um also nicht in "Wiederholungen zu verfallen, wird in demweiteren Capitel, welches die übrigen Krankheiten besprechen wird, diestaatliche Prophylaxis derselben nur angedeutet werden.
Dieselbe erstreckt sich natürlich auf alle bekannten Quellen derMiasmen und muss — Erreichbares anstreben, denn, wer das Höchsteanstrebt, wird das Hohe erreichen.
Dazu gehören: Sümpfe, Reisfelder, Irrigation, Wasser, Abfuhrvon Fäcalien und Abattoirs.
Sümpfe kommen nicht allein auf der Küste, sondern auch imGebirge vor, wo sie vulcanischen Ursprungs sind; darum sind auchnicht alle Berg-Garnisonen frei von Malaria-Epidemien. Ein sprechendesBeispiel hierfür ist z. B. die Stadt Ambarawa mit dem Fort Willem I.Ausgedehnte Sümpfe (rawah) kommen auf Java in grosser Anzahl vor;der berüchtigtste ist im Süden Javas bei Tjilatjap, wo ich im Jahre1890 in Garnison lag und von der Malaria stark heimgesucht wurde.Dazu kommen die zahlreichen nassen Reisfelder (sawah), welche wieem Mosaikbild die ganze Oberfläche Javas mit Farbennuancen vomHellgelb bis zum Dunkelgrün bedecken.
Das Austrocknen der Sümpfe und die Beseitigung der nassenReisfelder wäre sicher eine radicale Maassregel; aber — beide sindunausführbar. Im Jahre 1747 musste in Nordbrabant bei Steinbergenein solches Unternehmen unterbrochen und das Land wieder unterWasser gesetzt werden, weil die damit entstandene Exacerbation derMalaria-Epidemie Tausende hinweggerafft hatte. Wie viel Opfer habender Bau des Hafens Tandjong Priok bei Batavia und von Tjilatjapgekostet, weil die Arbeit in Sümpfen stattfinden musste. Die Sümpfeauf Java sind zu gross, um vorläufig nur daran denken zu lassen, siegleichzeitig und in kurzer Zeit trocken legen zu lassen. So viel Geldund so viel Menschenleben würde dieses kosten, dass »de remedie ergerdan de kwaal« = das Heilmittel ärger als die Calamität wäre. Wirhaben ja noch andere Mittel, um den schädlichen Einfluss der Sümpfe