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Kork
Kork. Der Kork ist eine Wucherung der äußersten Rindenschicht verschiedener Bäume,welche sich namentlich ant Stamme und an den ältern Zweigen entwickelt. Auch manche der beiuns wachsenden Bäume erzeugen eigentlichen Kork, so namentlich die Gattungen Acer und Ulmus;Loch ist er bei ihnen in der Regel hart und holzartig und tritt nie in solcher Ausbildung auf,daß er zu praktischer Verwendung geeignet wäre. Aller im Handel vorkommende Kork wird vonder Korkeiche, Quercus Suber, einem im südlichen Europa und nördlichen Afrika wachsenden,etwa 30—40 Fuß hohen Baume erhalten, an dem diese Substanz zu einer außerordentlichenEntwickelung gelangt, sodaß sie schon in natürlichem Zustande eine dicke, zerriffenc, 1 — 1V -2 3°llstarke scheinbare Rinde bildet. Diese sich selbst überlasten gebliebene Korkbilduug ist indcsten,eben ihrer Zerrissenheit und Rauheit wegen, nicht zu technischer Anwendung geeignet; um einbrauchbares Product zu erkalten, muß man die Bäume einer eigenen Behandlung unterwerfen.Bis zum fuufzehnteu Jahre überläßt man die zur Korkgewinnung bestimmten wilden oder ange-pflanzten Stämme sich selbst; dann schält man vorsichtig und ohne die eigentliche Rinde zu ver-letzen, den zu dieser Zeit bereits gebildeten Kork ab; es tritt eine neue Korkbildung ein, die mandrei oder vier Jahre zunehmen läßt, worauf man sie wiederum abschält. Nach drei solchen vor-läufigen Schälungen beginnt endlich eine brauchbare Korkschicht zu entstehen. Man läßt dieselbe,je nach der Ueppigkeit der Entwickelung, 6 — 10 Jahre ruhig wachsen und schält sie dann mitderselben Vorsicht wie früher ab. Der abgeschälte Kork wird in Wasser aufgeweicht, bis er voll-ständig von demselben durchdrungen ist, dann schars gepreßt, sodaß er ebene horizontale Plattenbildet, und endlich in starker Wärme entweder auf heißen Eisenplatten oder einer erdigen Unter-lage getrocknet. Diesem letzten Umstände ist es zuzuschreiben, daß die im Handel vorkommendenKorkplatten stets an einer Seite geschwärzt und mit vielen kleinen flachen Rissen durchzogen sind.
Die Güte und Brauchbarkeit eines Korks ist je nach Standort und Pflege und der Sorg-falt der obigen Behandlung verschieden. Sie beruht auf seiner Weichheit, Leichtigkeit, Elastici-tät und Zusammendrückbarkeit, Eigenschaften, die dem Kork hauptsächlich durch seine Structurertheilt werden, die zum Theil aber auch von seiner chemischen Zusammensetzung abhängen.Ein feiner Schnitt von Kork erscheint unter dem Mikroskop als eine fast regelmäßige Anordnungvon tafelförmigen, mit Luft gefüllten Zellen, die sich von Hvlzbildungen sehr scharf dadurchunterscheiden, daß bei Behandlung des Korks mit chlorsaurem Kali und Salpetersäure stetseine wachsähnliche, in Kalilauge lösliche Substanz auftritt, während die Jntercellularsubstanz desHolzes sehr rasch und auch der eigentliche Zellstoff allmählich sich in dem Reagens löst. Diesewachsähnliche Masse ist übrigens wol nur ein Umbildungsproduct eines eigenthümlichen imKork enthaltenen Wachses, des Cerins, nicht der Korksubstanz selbst. Es scheint vielmehr^ daßdie eigentliche Zellensubstanz des Korks sich von der gewöhnlichen Cellulose nicht chemisch unter-scheidet. Was man früher unter dem Namen Suberin, Korkstoff, als einen besondern Körperbezeichnen wollte, war eben noch nicht völlig von fremdartigen Bestandtheilen befreit, wie schonder darin gefundene bedeutende Stickstoffgehalt bewies. Die beim Behandeln von fein geraspeltemKork mit Salpetersäure zurückbleibenden unlöslichen Flocken verhalten sich ihren Eigenschaftenwie ihrer Zusammensetzung nach wie gewöhnlicher Zellstoff. Die beim Kochen des Korks mitSalpetersäure außer Kohlensäure und Klecsäure noch entstehende Korksäure ist ohne Zweifelebenfalls nur ein Zersetzungsproduct des Korkwachses, wie sie bei der Oxydation aller Fettedurch Salpetersäure regelmäßig auftritt. Dieses Korkwachs ist zu etwa 2 —2*/ 2 Proc. im Korkenthalten; es trügt jedenfalls bedeutend zu den guten Eigenschaften des Korks bei, und namentlichseine verhältnißmäßige Undurchdringlichkcit für Wasser und Luft beruht wol großenthcils aufdiesem natürlichen Wachsüberzuge. Man kann diese Eigenschaft bedeutend dadurch erhöhen, daßman den Kork einige Zeit mit geschmolzenem Biencnwachs erhitzt und den Ueberschuß des letztemdurch Pressen und Abtrocknen entfernt; dadurch wird er zugleich weniger angreifbar für Säuren.
Die wichtigste Anwendung des Korks ist unstreitig die zu Stöpseln. Seiner Weichheit,Elasticität uud Dichtigkeit wegen bildet er dazu ein vortreffliches Material, das namentlich zumVerschließen von Glasgesäßen sich in den meisten Fällen besser eignet als irgendein anderes.In dieser Beziehung ist er namentlich auch für chemische Arbeiten ein unschätzbares Hülfsmittel; jabis in die neueste Zeit, wo der Kork zum Theil durch Kautsckukapparate ersetzt und selbst verdrängtworden ist, war er geradezu unersetzlich, so daß man fast behaupten könnte, daß ohne den Korkdie Chemie nicht auf ihren jetzigen Standpunkt hätte gelangen können. Bei längerm Auf-bewahren verkorkter Flaschen ist zu berücksichtigen, daß der Kork, besonders im ausgetrocknetenZustande, nicht absolut luftdicht ist; man pflegt daher, wo es angeht, derartige Flaschen, z. B.Flaschen mit Wein, Bier u. s. w., nicht aufrecht hinzustellen sondern sie hinzulegen, sodaß die