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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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388
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388 Maikäfer

Abenden fliegt er vorzugsweise gern umher; morgens hängt er halb erstarrt in den Zweigsund läßt sich dann am leichtesten abschütteln. Es sind Beispiele bekannt, wo die Maikäfer inungeheuerer Anzahl vorhanden waren, daß ihr Fressen im Walde tönte wie ein Gewitterregen,und daß vierspännige Diligencen sich keinen Weg bahnen konnten durch die Mäste der schwär-menden Käfer; so bei Giscon 1832 und bei Mäcon 1841. Die Weibchen suchen vorzugswefleeinen leichten, sandhaltigen, nackten Boden, um darin ein Loch von 4 — 8 Zoll Tiefe zu grabenund ihre ovalen weißen Eier, 30 — 40 an der Zahl, im Grunde dieses Loches abzulegen,sie dann wieder zuscharren. Nach 4 — 6 Wochen schlüpfen die jungen Larven aus.

Diese heißen Engerlinge (Fig. 2), Tücker. Sie sind weißgelblich, stets halbkreissörnnggebogen, haben einen flachen, braungelben Kopf mit dunkelbraunen, scharfen, hervorstehendenKiefern, ziemlich lange, dünne, behaarte Beine und einen angeschwollenen, keulenförmigenterleib, durch welchen man den dunkelgrünen oder schwärzlichen Darminhalt durchschimmern sieh -Im ersten Jahre bleiben die noch dünnen, kaum 9 Linien langen Engerlinge noch in der Nä ^des Nestes zusammen; im zweiten und dritten graben sie, sich zerstreuend, überall umher u>werreichen endlich im dritten Jahre, nach mehrmaliger Häutung, die Dicke eines kleinen Fingeu-und die entsprechende Länge. Während dieser langen Larvenzeit fressen sie unbändig vu^namentlich Wurzeln aller Art von unten auf bis zu dem Wurzelstock, sodaß die Pflanzen ver-dorren. Unter den Gartengewächsen ziehen sie Salat, Kohl und Rüben, Erdbeeren, unter denBlumen Vcrbenen vor, verschonen aber gar keine Wurzeln, weder starkriechende, wie Zwieblnund Knoblauch, noch faserige, wie Getreide und Gras, noch holzige, wie Rosen- und jungBaumwurzeln. Sie zerschneiden Fichtenwurzeln bis zur Dicke eines Fingers, und manche Ban>n-schule, Rosenhecke und Forstpflanzung ist gänzlich von ihnen zerstört worden. Etwa im Augnides dritten Jahres gehen die ausgewachsenen Engerlinge tiefer, 2 — 4 Fuß tief, und ve^puppen sich in einem Erdklumpen (Fig. 3). Nach 4 — 8 Wochen kommt der Käfer ausdePuppe, ist anfangs noch ganz weich, blaßgelblich und bleibt unter dem Boden bis zumjähr, wo er sich allmählich hervorarbeitet. .

Der Maikäfer lebt also drei Jahre und bringt von diesen sechsnnddreißig Monaten nur ennüber der Erde, etwa sechs als Käfer unter der Erde, einen als Ei und etwa achtundzwanMals gefräßiger, wurzelfressender Engerling unter der Erde zu. Die Zerstörungen, die er ^Larve und als Käfer verursacht, sind ungeheuer. Da unter gewöhnlichen Verhältnissen sein Lebenscyklus drei Jähre dauert, so ist es auch natürlich, daß große Mengen periodisch von drei ^drei Jahren wiederkehren. In der That folgen sich die Maikäferjahre in dieser Weise, und nw>kann sicher sein, daß, wenn 1863 ein Maikäferjahr ist, 1866 wieder eins sein wird, es nrüß^denn ganz besondere Umstände eingetreten sein, welche die Brüt vernichtet hätten. In soM'Maikäferjahren ist allerdings die Verheerung, welche die Käfer anrichten, ungeheuer, und niüsi^Gegenmittel ergriffen werden. Begreiflicherweise haben nicht alle Gegenden dasselbe Maikäserjad^da dessen erstes Auftreten und periodische Wiederkehr von örtlichen Ursachen abhängt. So hat tl1 'südliche Deutschland mit der Ostschweiz ein anderes Maikäferjahr als die Westschweiz.

Im Mittelalter machte man Processe. Einer der bekanntesten wurde im JähreLausanne in der Schweiz vor dem bischöflichen Stuhle geführt. Den Maikäfern wurde eintheidiger von Freiburg bestellt, die Käfer aber trotz einer glänzenden Rede desselben inBann gethan. .

Man hat vieles versucht, um die Maikäfer abzuhalten, ihre Eier in den Boden zu ieg jdie Engerlinge im Boden durch Ueberschwcmmungen oder Frost zu ersäufen oder zu tödte». ^ 'ist alles verlorene Zeit, Mühe und Geld. Der Engerling ersäuft in den Wiesen nicht, und wusie zwei Monate unter Wasser stehen; cr lebt wieder auf, wenn er auch so steif gefroren war, jsman ihn in Stücke zerbrechen kann, und der Maikäfer läßt sich durch Jauche, Asche,Straßenstaub nicht abhalten, in den Boden zu graben und seine Eier darin abzulegen. 9 ^nur zwei Mittel der Vertilgung: Beförderung der Feinde des Maikäfers, Schonung und H"s" "derselben zu diesem Zwecke und Selbstthätigkeit des Menschen am richtigen Orte und zur re>0Zeit. Hauptfeind der Engerlinge ist der Maulwurf. Wer den Maulwurf ruhig gewähren ® ”ist bald von Engerlingen in seinem Territorium befreit. Raben, Krähen, Elstern, Hühner,Schweine fressen gern die Engerlinge, welche die Pflugschar oder das Grabscheit an die Oben n ^bringt. Wo man also großen Engerlingsfraß hat und die Erde umpflügen kann, thue bsogleich und lasse Vogel und Thiere ungeschoren, die dem Pfluge folgen. Feinde der Maikäferferner Eulen, Nachtschwalben, Fledermäuse, Würger, kleine Falken, Krähen, Raben,

Hühner, kurz alle kleinen Naubvögel und Insektenfresser. Man lasse sie gewähren.

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