Buch 
5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
Entstehung
Seite
442
JPEG-Download
 

442 Maß und Gewicht

fernung zwischen dem Aequator und dem Nordpol, zu Grunde legte und dessen zchnmillionste«Theil unter dein Namen Meter (Llstrs) zur Einheit des neuen metrischen Systems FrankrEmachte, welches gegenwärtig vorzugsweise den Namen des metrischen führt. Mit großer M ^und Sorgfalt wurde zu diesem Zwecke seit 1791 durch Möchain und Delambre ein hinreiche^langer MeriLianbogen (von Dünkirchen nach Barcelona, 9 % Grade, also mehr als ein Zehn^desjenigen Bogens, um dessen Länge es sich handelte; es liegen davon ungefähr 6 Grad nordn3 2 / s Grad südlich vom 45. Breitengrade) gemessen und durch Biot und Arago die Operatw'bis zur Insel Formentera fortgeführt. Man ermittelte endlich, mit Rücksicht auf die Polaraplattuug (welche zu */334 des Aequatordurchmessers angenommen wurde), das Meter zu 443,ASB»alten pariser Linien; durch ein Decret vom 19. Frimaire des Jahres VIII (10. Dec. 1799)es endgültig auf 443,290 pariser Linien festgesetzt. (S. Meter.) Aus dem letztem Umstände sw^ergibt sich, daß das Meter nicht im strengsten Sinne ein Naturmaß ist, es ist ein solches uw >weniger, als mau nicht das Unmögliche thun und den ganzen Quadranten messen konnte, vielmcseine Länge aus den einzelnen Graden durch Rechnung finden mußte, wobei die Abplattung ll 'nothwendiges Element bildete, deren Größe die Wissenschaft gegenwärtig als anders erkennt a ^vor siebzig Jahren, sodaß eine neue Feststellung des Zehnmillionstels vom Erdquadranten c *wenn auch nur wenig abweichendes Maß ergeben.würde, was auch aus dem zweiten Gr»»der Fall sein könnte, daß die Krümmung des elliptischen Erdsphäroids nicht überall gleich zuscheint. Es kann diese Ungewißheit des Maßes kein Vorwurf gegen die Begründer des Syst"^sein; es ist eben eine Unzulänglichkeit, welche die Herstellung jedes Naturmaßes zeigen wird, idessen Ermittelung man sich zunächst eines bereits vorhandenen Maßes bedienen muh. ® c 9 tdie Wahl des Secundenpendels läßt sich einwerfen, daß dasselbe eine relativ kleine Einheit ist ""ein geringer Fehler in seiner Feststellung durch Vervielfältigung sich beträchtlich vergrößert, K 10 '.gegen eine wenngleich merkliche Ungeuauigkeit in der Bestimmung eines Erdquadranten ^dessen zehnmillionsten Theil keinen bedeutenden Einfluß hat. Dagegen ist die Messung des ^cundenpendels eine verhältnißmäßig leichte Operation im Vergleich zu der langdauernden "'stkostspieligen Gradmessung. Ein Einwurf, welcher beide Wege gemeinsam trifft, ist die Ungleich^

der Pendellänge unter verschiedenen Breitengraden, und wenn sich dieselbe auch corrigiren

laß«'

so ist doch keine einzelne Messung sicher vor der Einwirkung lokaler, von der geognostischcuschaffenheit abhängiger Einflüsse. Um eine von der möglicherweise veränderlichen Gestalt *Erde unabhängige Grundlage zu gewinnen, hat man als solche auch die Weite eines näherstimmten Haarröhrchens sowie die Länge einer Lichtwelle vorgeschlagen, anderer, wenigerneter oder ganz unzweckmäßiger Vorschläge nicht zu gedenken. Uebrigens wird sowol die ® ra 'messung als die Messung der Pendellänge so lange eine brauchbare Grundlage der Maßreguliru"^sein, als die Erde selbst nicht ihre Form, Anziehungskraft und Rotation verändert, und e""'derartige Veränderung würde Revolutionen zur Ursache haben, welche die Bemühung, e ' nunveränderliches Naturmaß herzustellen, zu sehr vergeblichen machen, ihre Ergebnisse begrasmüßten. Die Nothwendigkeit, die heute bestehenden Maße von Grund aus wiederherzustc»^und auf die natürliche Basis eines Systems zurückzugehen, möchte aber sehr fern liegen, ta ^bei der Sorgfalt, mit welcher jetzt die in mehrfachen Exemplaren hergestellten, an verschiede"Orten niedergelegten Etalons bewahrt werden, den Untergang aller Cultur voraussetzt. ,Auch den bestehenden conventionellen Maßen kann man die den natürlichen Maßen eilst"thümlichen Vorzüge mittheilen, wenn man ihr Verhältniß zu einem natürlichen Maße g e " a ,ermittelt und feststellt. Mit Rücksicht auf dieses Verhältniß kann man das betreffende, ursprluE^nur conventionelle Maß aus dem zu jenem Ende gewählten natürlichen Maße, welches letzte)nun die eigentliche Grundlage bildet, immer wieder ableiten und herstellen. In dieser Weist ^man in Preußen verfahren, wo die Einheit des Systems der Fuß bildet, dessen Länge dad"^,bestimmt ist, daß das einfache Secundenpendel in Berlin — 456 ,1026 preußische Linien ® L3 preußische Fuß 2 Zoll 0,1626 Linien. Auf Grund der Bessel'schen Messungen der Pendellä"^ist im Jahre 1837 der preußische Fuß, welcher seine vorherige gesetzliche Länge behalten h"t-dem gedachten Verhältniß festgestellt worden, nachdem man ihn vorher aufs neue aus dem V" 11 '

Fuße, einem conventionellen Maße, abgeleitet hatte. (Er beträgt

13913

pariser Fuß oder

139,'

14400 __

pariser Linien.) Den gleichen Weg hat man (1824) in England eingeschlagen, desseneinheit, das Darb, sich zur Länge des Secundenpendels in London wie 36 : 39,1393 verh^)iuvem das gedachte Pendel — 39,1393 englische Zoll; dann in Schweden (1826) und H"bürg (1841, auf Grund der Schumacher'schen Untersuchung vom Jahre 1830).