522 Meteorologie
als daß es den Vögeln in ihren südlichen Winterquartieren zu warm geworden ist und ste ver-lassen, dem Dränge ihrer Natur folgend, um nach Norden und dort an ihre gewohnten © e tcWzu gehen. Me oft ist es eingetreten, das; solche frühzeitige Frühlingsboten arg getäuschtsind und ein sehr hartes Los in ihrer nördlichen Heimat durchzumachen hatten. Ebenso un 'gründet ist es, daß, wenn der Storch oder die Schwalbe oder irgendein anderer Zugvogel zuzweiten mal brütet, dadurch ein später Eintritt des Winters angekündigt werden solle. Es g'schießt dies von den Thieren nicht von dem Vorgefühl des kommenden, sondern unter den; Eindrudes bestehenden Wetters; sie folgen eben nur ihrer Natur, welche unter gewissen Verhältnißedie Thiere dazu treibt, dies oder das zu thun. Nicht selten kommt es vor, daß einzelne Schwalbe -welche zum zweiten mal gebrütet haben, spät im Jahre ihre Jungen noch füttern, während *übrige Gesellschaft sich bereits zur Abfahrt rüstet. Sie müssen dann ihre eigene Abreise über dkgewöhnlichen Termin hinaus verschieben, in Abwartung der Zeit, daß die Jungen flugkräMgeworden sind. Gelingt es, diese vor Eintritt des Winters zu vollenden, gut für diemeistens aber gehen solche Nachzügler infolge der darauf eintretenden Matte zu Grunde. Dbuns hier weiter auf die Besprechung anderer derartiger Regeln einzulassen, verlassen wir dwlGegenstand unter nochmaliger Hervorhebung der gänzlichen Zusammenhanglosigkeit zwischen dcErscheinen der Thierwelt und jener der zukünftigen Wittcrungsverhältnisse. ,
Gegenüber diesen negativen Resultaten gibt es doch aber auch einige positive Anhaltepum ,welche wohl im Stande sind, uns einigen Aufschluß über die Zukunft des Wetters zu bicte^Vor allen Dingen aber muß hier hervorgehoben werden, daß diese unsere lüenntniß sich iw^nur auf das nächstbevorstehende Wetter beschränken kann. Ein zukünftiges Wetter und '
welches schon in seinem Anfang in die Gegenwart hercinragt, gibt sich dem aufmerksamen $'vbachter nicht selten durch hinreichend zuverlässige Anzeichen zu erkennen, sodaß es ihm möw^wird, aus diesen Anzeichen auf die Folge zu schließen. Hierher gehört vor allem eine ausmerkso"^Beschauung des Himmels. Der Himmel ist uns gewissermaßen ein Gesicht, aus dessen Zügenseine Stimmung zu erkennen vermögen. Wie wir einem menschlichen Gesichte ansehen, obzürnt oder freundlich ist, so wird unter Umständen auch der weniger kundige Meteorolog mit zw"'licher Zuversicht aus den Witterungsverhältuissen des Vormittags auf die des Nachmittags owzutreffenden Schluß ziehen können. Für den Wetterkundigen dagegen gibt es gewisse Anzeiw 'welche dem Unkundigen entgehen und die dennoch in den allermeisten Fällen ziemlich zuverläß'sind. Solche Anzeichen ruhen dann aber auch iminer auf wohlbegründeten physikalischen JEs gilt z. B. eine reichliche Thaubildnng als ein Vorzeichen schönen Wetters. Die Physik^uns nun, daß Thaubildung nur dann eintritt, wenn heiterer Himmel und windstille Luft ist, "
da diese beiden Umstände wiederum die nothwendigen Erfordernisse für schönes Wetter sind
steht die Thaubildnng im dirccten Zusammenhang mit dem Witterungszustande. Hierber g« 1auch die Erscheinung des Morgen- und Abendroths. Letzteres soll bekanntlich für den folgen^Tag schönes Wetter ankündigen. Das Abeudroth selbst aber rührt, soviel man weiß, daher, ddsich unmittelbar nach Sonnenuntergang in den Schichten der Wolken, welche einige hundert üüber dem Erdboden liegen, Wasserdrrnst in einer gewissen Form ansammelt, welcher, indem er oden Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet wird, das Licht derselben roth reflectirt. 2»*nun bei heiterm Abendhimmel und bei ruhiger Luft die Thaubildung bereits vor SonnenuW^gang kräfiig eingeleitet wird, so sammelt sich infolge der Wärmeausstrahlung des Bodens Tu ^in einiger Höhe an, und dieser ist es, welcher das Abendroth veranlaßt. Er verschwindet währe,der Nacht, indem er sich als Thau zur Erde senkt. Dann erscheint uns am andern Morgen ^Sonnenlicht rein und weiß; wenn sich aber die Thaubildung nicht vollenden konnte, d. h.^w'die Dunstbildung in der Atmosphäre fortdauert, so müssen die Strahlen der aufgehenden > 2 ^durch eine mit Dunst beladene Atmosphäre gehen und geben abermals ein rothes Licht.entsprechend deutet Morgenroth auf trübes regnerisches Wetter. Alle diese Zeichen sind gtei® 1 )’.nicht immer zuverlässig. Ist z. B. die Thaubildung reichlich, ohne daß der Himmel absolut l’ fl • .und die Luft besonders ruhig ist, so deutet sie im Gegentheil auf eine übermäßig feuchtefehlt sie trotz des heitern Himmels und der ruhigen Luft, so ist dies ein Anzeichen, daß die ^auffallend trocken ist. Im erstem Falle müßte man dann aus der Thaubildung auf bevorstehe"Regen, im lehtern aus der mangelnden Thaubildung auf heiteres Wetter schließen.
Der Morgennebel dient ebenfalls als ein Mittel zur Erforschung des Tageswetters. ^sich infolge eines reichen Wassergehalts der Luft und höher hinaufreichender Abkühlungdurch Wärmeausstrahlung. Senkt sich der Nebel, so ist dies ein Zeichen, daß der Dunstest-
,'öl>