536 Milchcur mit Milchdiät
daß die Aufnahme des Nahrungsstosss aus der Milch nicht mehr mit derselben Leichtigkeit vorsich geht als zu jener Zeit, und endlich gibt es gerade bei Erwachsenen so verschiedene Störungein den Verdauungsorganen (Magenkatarrhe, Säurebildung im Magen, Neigung zur Verstopfungzu Blähungen u. s. w.) oder Eigenthümlichkeiten der Lebensweise (sitzende Lebensweise, Geilte '*anstrengungen u. s. w.), welche eine überwiegende Milchdiät schon deshalb verbieten, weil sie UMvertragen wird. Es stellen sich unter solchen Verhältnißen Verdauungsstörungen (Säurebildungim Magen, Verschleimung, Verstopfung, seltener Durchfälle) ein oder bereits vorhandene werdestärker, die ganze Ernährung leidet, die Betreffenden magern ab und werden kraftlos. Es da"daher eine Milchcur nur mit besonders sorgfältiger Auswahl des Falls und unter steter Ueber-wachung des Patienten vorgenommen werden. Eine solche kann im allgemeinen, abgesehen veden speciellen Behinderungen, empfohlen werden bei solchen,-welche durch große Säftcverlul(starke Blutungen, überstandene schwere Krankheiten) geschwächt oder an chronischen Zehrkra"'heilen (Tuberkulose, Krebs, Skrofulöse, Rhachitis, Gicht, Syphilis, Hautausschläge u. s. W-) ddgan besonderer Reizbarkeit des Nerven- (Hysterie, Epilepsie, Veitstanz u. s. w.) und Gefä^systems (Herzkrankheiten) leiden. Jedoch können wir nicht die großen Hoffnungen auf diesessetzen, als früher wol geschah, und man z. B. glaubte, selbst hochgradige Tuberkulose durch Estl^und Frauenmilch vollkommen heilen zu können. Immerhin bietet aber unter bestimmten Verhänisten eine Milchdiät, zumal wenn sie mit all den nothwendigen Requisiten durchgeführt werbtkann, ein schätzenswerthes Curmittel. In welchem Grade und in welcher Weise nun eine selo!diätetische Behandlung eines Kranken zu geschehen habe, richtet sich sehr nach dem einzelnen 5 a "'Im allgemeinen kann hierüber nur Folgendes bemerkt werden. Es ist gut, wenn die Milch wemlbstens des Tags zweimal (am Morgen und Abend) frisch, d. h. unmittelbar nach dem Mcill"'getrunken wird. Daß hierzu ein Landaufenthalt, der auch noch in anderweiter Weise unter solch" _Umständen zu empfehlen ist, die günstigste Gelegenheit bietet, ist einleuchtend. Obwol in der u"
mittelbaren Nähe der meisten Städte Milchgärten, wo ebenfalls frisch gemolkene Kuhmilch
haben ist, eingerichtet sind, so werden sich dieselben für die meisten unserer Kranken, die,
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oder weniger geschwächt, einen nur einigermaßen längern Weg (und besonders nüchtern) zu iA* uC ,haben, nicht empfehlen. In vielen Fällen ist es ja nöthig, daß dem Patienten die warme $'''milch aus Bett gebracht werde und er theils noch in demselben, theils während des Anklcid)'''seine Portion verzehre. Man trinke im Anfang nicht zu viel auf einmal (höchstens 1 J. i Nbst^um die Verdauungsorgane allmählich an diese neue Ernährungsweise zu gewöhnen. Stellt )'Säurebildung ein, so kann der Milch etwas gebrannte Magnesia, kohlensaures Natron zugrl"'werden; erzeugt sie Magendrücken, ein lästiges Gefühl von Fülle in der Magengrube oder NciguEzu Blähungen, so kann man dieselbe mit (V 4 , 7 3 , 7 «) Selterser, kohlensaurem, Biliner SßflP'mit Aufgüssen von Lindenblüten, Anis, Fenchel u. s. w. vermischt trinken; macht sie Obstructio"" l
so wird, wenn fleißigere Leibesbewegung, Kneten des Unterleibs u. s. w. nicht ausreichen, -Uebel zu heben, ein reichlicherer Zusatz von kohlensaurem Natron, kohlensaurer oder gebra""Magnesia u. s. w. meist hinreichend sein, diese Functionen zu ordnen. Nicht selten jedoch werldiese verschiedenen Verdauungsbeschwerdcn so anhaltend und stark, daß eine Störung der 0lammten Ernährung zu fürchten ist, dann muß selbstverständlich die Milchdiät ausgesetzt wcrd"^Als Beikost werden bei strenger Milchdiät nur Weißbrot, Suppen aus mehlhastigen Gemb)(Reis, Gerste, Gries, Sago, Arrowroot u. s. w.), bei weniger strenger auch leichte Ae>! .(Geflügel, Kalbfleisch) und Eierspeisen gewährt. Zu vermeiden sind bei reichlichem Milchg")" ^unter allen Umständen saure Speisen und Getränke, Obst, grüne Gemüse, starkgewürzte Spc'1sowie geistige und narkotische Getränke (Wein, Bier, gebrannte Wäffer, Kaffee, Thee u. s.Gleichzeitig ist bei einer eigentlichen Milchcur möglichst reichlicher Genuß der frischen Lust^,,eine den Kräften und besondern Verhältnissen entsprechende körperliche Bewegung sowie die ^meidung geistiger Anstrengung nothwendig. Selbstverständlich werben Milchcuren nur i" jwarmen Jahreszeit, namentlich im Frühjahr und Sommer, vorgenommen, und man wählt b»am liebsten die Milch von Thieren, welche auf guter, besonders in gebirgigen Gegenden gef"9'jjjWeide sich ihr Futter selbst suchen. Daß dieselben am besten aus dem Lande auszuführen si""^,bereits bemerkt worden; mitunter macht die Besonderheit des Leidens, bei welchem sie in An""düng kommen, die Wahl eines besondern Ortes nothwendig, so für Brustleidende eine vor r"" ^Winden geschützte und sonnige Lage des Curortes, bei nervösen, reizbaren, bei rhachitischen 3''^viduen anregende, kräftige Bergluft u. s. f. Die Wahl der Milch, ob von Kühen, Ziegen, ^u. s. w., ist nicht so entscheidend für den Erfolg der Cur, als man früher glaubte; wenigstes .sitzen wir zur Zeit noch keine wissenschaftlichen Anhalte, welche eine solche strenge Untersche'