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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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552
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552 Mitleid und Theilnahme

Zeit, sie ist der Führer zu jener Lebensklugheit, ohne welche selbst die Tugend nicht zu bestehen vermag. ,

Schreiten wir nun zu der Frage, wie das Gemüth, und insbesondere das kindliche ® em *behandelt werden müsse, damit in ihm das Mitleid und die Theilnahme in einem stets warmStrome das Herz durchziehe, so stoßen wir gleich auf eine Schwierigkeit. Es fragt sich näm > ^wie ist es der in das Innere eines Menschen eingeschlossenen Empfindung möglich, wiederum in ^Innere eines andern Menschen zu dringen? Man wird sich hier erinnern müssen, daß, stä"der Empfindung nicht ein Weg in die sinnliche Welt zu Gebote, Mitleid und Theilnahme gerade;unmöglich wären. Dies ist jedoch der Fall. Die Empfindung hat nicht nur eine Sprache,was noch mehr sagen will, sie hat — wenigstens bis zu einer gewissen Grenze — eine ® e .'spräche. Wenn z. B. der Samojede die Hände über den Kopf zusammenschlägt, so weiß gewsder Chinese, daß dies Erstaunen ausdrücken soll, und wenn der Lappländer die Faust ballt, we>sicherlich der Deutsche, daß in dieser Geste eine Drohung enthalten ist. Daß es der ßultur j 1hier und da gelungen ist, diese Sprache zu verfälschen, daß die Convenienz ein freundliches 'ficht bei gehässiger Gesinnung vorschreibt, kann nur die Erlernung dieser Sprache erschweren, W ■aber die ausgesprochene Behauptung umstoßen. ,- t

Fassen wir nun die Elemente dieser stummen Sprache näher ins Auge, so tritt uns zunacoder Gesichtsausdruck entgegen. Was liegt nicht z. B. in den Augen einer zärtlichen Mutn'heißt es nicht unter allgemeiner Beistimmung:

In die Augen mußt du schauen,

In den Augen liegt das Herz!

Aber nicht blos dies. Der ganze äußere Mensch, die Bewegung und Haltung des Kopfes,Hände und Arme, der Gang sprechen ohne Worte eine so laute Sprache der Empfindung,wir sie selten misverstehen. Hierzu kommt noch der besondere Ausdruck, den wir der Lautsprn^verleihen, wollen wir in unsere Worte eine bestimmte Empfindung hineinlegen (s. AccenbEndlich ist es die Sprache selbst und zwar ohne Rücksicht auf die Modulation der Stimme, die a ’Ausdruck der Empfindung sich repräsentirt, wie wir auch hierbei nicht gleich die Interjectiones'diese Champagnerkorke des Herzens, besonders hervorheben wollen. Wie wäre das auch andersdenkbar, da ja die Sprache nicht blos Zeichen für das äußere Geschehene, sondern auch fürinnere ist. Wie aber die Sprache nie, selbst nicht durch die ausführlichste Beschreibung e ^ csinnlichen Gegenstand in seiner Wirklichkeit getreu wiedergeben kann, so auch keine wirkn"!Empfindung, vielmehr wird sie ihrer abstracten Natur nach auch aus dem Reiche der Empfind^immer nur abstracte, niemals concrete darbieten. Darum die verschiedenartige Deutung, ®das geschriebene, weniger schon das gesprochene Wort erfahrt, darum auf der andern Seite & 0leichte Verständniß des declamatorischen, die packeikde Gewalt des mimischen Worts. Verlagsomit die eigentliche Sprache, sofern sie als Ausdruck der Empfindung figuriren will, daßaus dem Gemüthe dessen, der sie verstehen soll, schon viele concrete Empfindungen, die den § ^streuten Worten Inhalt und Bedeutung geben können, entgegenkommen müssen, so erhellthieraus von selbst, daß nicht die Lautsprache es ist, welche die ersten Empfindungen undVerständniß dem Gemüthe des Kindes darbietet. Wir müßten ja auch sonst annehmen,bevor das Kind sprechen lernt, kein Nachbilden der Empfindung möglich wäre. Dies aber wid^spricht der Erfahrung. Oder wer hat nicht schon gesehen, daß Kinder, die noch getragen werdmüssen, mitten in ihrem heitern Plaudern plötzlich ernst werden, wenn jemand in ihrer Nähe iweinen anfängt, ja daß sie wol selbst anfangen zu weinen? Liegt hier die erwachte Theilnaheines sprachlosen Kindes offen vor, so muß dem Kinde auf anderm Wege das Verstandsfremder Empfindung zu Theil geworden sein. Versuchen wir's, diesen Umstand näher *untersuchen. . t

Eine Mutter habe ihr 2— 3 Monate altes Kind aus dem Arme und schaue es ^einem jener zärtlichen Blicke an, an denen unsere Mütter so reich sind. Was fordert die The'nähme? Das Kind soll die Liebe, welche aus dem Mutterauge spricht, verstehen und i' fl 'empfinden. Aber das Auge der Mutter ist dem Kinde anfangs viel gleichgültiger als die r» ^Schleife an ihrem Häubchen. Das Bunte und Glänzende möge jedoch nach und nach zu^ ^treten und das zärtliche Mutterauge ein Gegenstand der Aufmerksamkeit werden. Was nustdas Kind wahr? Immer nur das Auge, nichts weiter. Aber die Zärtlichkeit hatreichere Sprache. Das ganze Gesicht verändert sich. Die Mutter spricht, sie beugt den Kherab und spendet Küsse in Unzahl dem Lieblinge ihrer Seele. Wird das Kind jetzt die 2«*welche aus dem allen spricht, verstehen? Gewiß so wenig, als dasselbe nicht eins von den v>e

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