556 Mittagessen
Kinder, die nur etwas verschenken, wenn sie Ueberfluß haben, während es auch manches Kindgibt, das sich etwas abdarbt, nur um andern „eine Freude zu machen". Was die gesellschns'liche Theilnahme anbelangt, so ist es selbstverständlich, daß dieselbe nur in größer» Kreisen fl e 'wonnen werden kann. Sie beruht in der Sympathie für ein gesellschaftliches Ganzes und be-kundet sich zunächst in einenl lebhaften corporativen Geiste. Sie macht die Empfindung^anderer, die mit ihm in gleiche Sphären gestellt sind, ohne weiteres zu den ihrigen und stresomit der Jsolirung und dem allzu eng begrenzten Egoismus auf das entschiedenste entgegen'Die gesellschaftliche Theilnahme bekundet sich zunächst bei Kindern in einem lebhaften Fannben-gesühl oder tritt innerhalb bestimmter Schulverhältnisse als Repräsentantin für eine Klasie, betdas Kind angehört, zu Tage. Ein solches corporatives Interesse muß unterstützt werden-Freilich muß der Blick dabei immer auf noch größere Verhältniffe offen bleiben, sonst verschruwVldas Gemüth leicht in dem enggezogenen Horizont, und Fanatismus und Intoleranz sind danndie Folgen eines nur um einige Stufen erweiterten egoistischen Gebarens. Deffenungeawtlernt der Knabe nur vermittelst gesellschaftlichen Interesses den Anschluß an ein größeres Ganze-Er ergreift mit Lebhaftigkeit Partei und zeichnet sich im Gegensatz zu dem ebenso schädlicheals häßlichen Jndifferentismus späterhin durch eine intensive Betheiligung an öffentlichengelegeuheiten aus. Hierbei kommt in Betracht, daß ein erweiterter Umgang, wie ihn die Thes'nähme für die Gesellschaft wach ruft, treffliche Zuchtmittel für die Charakterbildung enthältindem das Wohl eines gemeinsamen Ganzen nothwendig den einzelnen zur Selbstverleugnn"§bestimmt, eine Tugend, die nicht früh genug gelernt werden kann. Was endlich die TheilnatMkfür die Menschheit, oder wie Herbart sagt, das religiöse Interesse anbelangt, so ist dieselbe t,ehöchste Stufe der Gemüthsbildung. Sie kanw nothwendig erst-dann in vollem Maße pl^'greifen, wenn der Blick über die nächste Umgebung emporgehoben, wenn Familie, Vaterland,Religionsgemeinschaft und andere kleine gesellschaftliche Kreise als Theile eines großen Ganzesaufgefaßt werden können. Die Theilnahme für die Menschheit grenzt daher schon an einelosophische Reflexion an, insofern sich das Gemüth ganz aus sich heraushebt und die Schick!" ^des ganzen Menschengeschlechts zum Gegenstände seiner Sympathie macht. Dessenungeachtkann und muß schon bei Kindern darauf hingearbeitet werden. Am nächsten tritt hier die $ el '.gänglichkeit des menschlichen Lebens. Ein Todesfall in der Familie, noch mehr ein Gangden Gottesacker kann schon einen zehnjährigen Knaben auf den Unterschied aufmerksam mack>""'der zwischen dem schnell in den Staub sinkenden Menschen und dem immer sich gleichbleibende"göttlichen Wesen besteht. Der veränderliche Gang der Jahreszeiten, insbesondere der Herbst n»seinen faltenden Blättern dehnt den Wechsel der Begebenheiten leicht auf die ganze Natur n»-,während unveränderliche Naturgesetze das Sein dem Scheine, das Verharren dem Wechsel geg^über zur klaren Erkenntniß bringen. Endlich tritt auch der Gang der Geschichte mahnend an da"menschliche Gemüth heran. Von unzähligen Menschengeschlechtern, die früher gelebt haben undderen Thaten noch laut zu uns sprechen, ist auch nicht eine Spur mehr vorhanden.Männer, deren Leben uns zum Muster dient, deren Werke uns zur Nacheiferung auffordern,sind wie der Staub verweht.von der vergänglichen Erde, kaum daß ein Bild uns noch die kb"'risse ihres körperlichen Wesens aufbewahrt hat. So muß auch Glück und Unglück des einzelnstals ein schnell vergänglicher Factor des Menschenlebens im Gegensatze zu dem sich ewig gleEbleibenden unveränderlichen Wesen einer höhern Gewalt aufgefaßt und als Grundlagereligiösen Interesses benutzt werden. Liegt e-s nun auf der Hand, daß erst durch solche Reflexion^das Gemüth auf den Höhepunkt seiner Bildung gehoben werden kann, so würde es ihm doch 111den einzelnen Vorkommnissen des Lebens an Kraft fehlen, sich emporzuhalten, wenn nicht vorh^die Theilnahme für den einzelnen, die Sympathie für die Gesellschaft ihre tiefen Wurzeln Ü e 'schlagen hätte. Darum aber ist nun auch die Cultur der Theilnahme von hoher ethischer $ c 'deutung. Es handelt sich darum, jenes lebendige Feuer im Herzen der Jugend zu entzünde"'das bei allen Wechselfällen des Lebens nicht erlischt. Der Pulsschlag der Menschheit muß ineinzelnen laut widerklingen, damit es ihm zur Bekämpfung des Egoismus in und außer w"nicht so ergehe, wie den Sennen der Meglisalp am Säntisstocke, die, nachdem sie eine Zeitschonungslos mit ihren Waldungen verfahren sind, jetzt ihren Holzbcdarf stundenweit aus ^Seealpenthale auf dem Rücken herbeiholen müffen. ,
Mittagessen. Es ist in dem Art. Abendessen schon so vieles ausgesprochen worden,für alle Mahlzeiten gemeinsame Geltung hat, daß wir mit allem, was auf die äußere Ä" 'stattung der Tafel, das Verhalten der Wirthe und der Dienerschaft bei festlichen Gelegenheitn. dgl. Bezug hat, darauf verweisen können. Hervorzuheben ist nur, daß man an die Anordnn"