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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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583
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Moral 583

!g]' ,e ^ ei; statten der Andacht. Aber er findet auch hier nicht die rechte Ruhe. Gnade und Ver-^ Un 9 zwar für das Vergangene weiß er sich zu erflehen, aber warum ist gerade diejenige^ral die rechte, die gegenwärtig von den Kanzeln gepredigt wird, oder ist die der Juden und^.ohaninredaner dieselbe, und wo ist die gemeinsame Quelle aller der Ge- und Verbote, die iny^npeln, Moscheen und Kirchen alltäglich gepredigt werden? Es steigen also neue Zweifelden stütztet sich endlich das Gemüth zur Philosophie, um hier das Ende der Drangsale,lange gesuchten Grund der Moral zu suchen. Allein nur neue Verirrungen treten ihm ent-Es wird von den Philosophen viel von einem Moralprincip gesprochen, aber jeder hatanderes, das er das seinige nennt. Die antiken Philosophen seit Sokrates bezeichneten immerselbe ^oralprincip als höchstes Ziel des Strebeus oder höchstes Gut. Aber das höchste Gut£us be ^ am bald verschiedene Bedeutung. Die Epikuräer bezeichneten es als ein Princip der,, und des Wohlbefindens, die Stoiker als das Princip eines naturgemäßen Handelns. Kant, wiederum leugnet überhaupt ein Moralprincip in materiellem Sinne, indem er nur jenen be-J nten moralischen Imperativ aufstellte: Handle so, daß die Maxime deines Handelns alsgemeines Gesetz gelten kann, d. h. populär ausgedrückt, andern dasselbe zu thun, was wir unst " ^uen gethan wünschen. Andere Wege wieder haben Schleiermacher, Fichte und Hegel be-. wn, und es will den in diesen Philosophien herumirrenden Menschen bedünken, als wäre bei allem"Ern Dränge nach feststehenden Moralprincipien keins derselben zu finden.

. Gleichwol besteht ein unabänderliches Fundament der Sittlichkeit, und mitten in der Bran-^ üg dxz Lebens gibt es einen Ankergrund für das moralische Handeln. Plato, von seinen Zeit-sjjMl'eit der Göttliche genannt, und mit ihm, in engem Anschlüsse an denselben, Herbart, der^chfolger Kant's auf dem königsberger Lehrstuhle, haben der Moral eine sichere Stätte bereitet,quc " bie Sophisten der Sokratischen Periode den absoluten Unterschied zwischen schön und häßlich,UUb ä u verwischen gesucht, hatten sie den. Geschmack als verschieden, das Gewissen als^ ^ Anerzogenes bezeichnet, so stellte zuerst Plato Ideale 'des Schönen und Guten auf mitn et bestimmten Hinweisung darauf, daß an dem, was man im gemeinen Lebeü schön und gutimmer noch ein Mangel hafte, ja das; oft wirklich Widersprechendes mit diesen Namen be-^Met werde. Gleichwol war es erst Herbart beschieden, eine wissenschaftliche Erkenntniß des^usönen und Guten zu gestalten. Herbart trennte nämlich die ethische, nur auf das Wollen undder Menschen Bezug habende Beurtheilung von der auf Kunst und Natur gerichteten^ .^Eischeu Werthschätzung, und wenn bei Plato das Schöne und Gute schlechthin in eine Einheit^^vrenfloß, so stellte Herbart einzelne Musterbilder des Wollens auf, bei deren ungetrübtemi.Ki Uen und bei deren reiner Befolgung die Stimme unsers Gewissens unverfälschbaren Bei-

z°llt.

item"'"“ 5'ud dies die sogenannten Herbart'schen Ideen der innern Freiheit, der Vollkom-^it, des Wohlwollens, des Rechts und der Billigkeit oder Vergeltung, die jene Mustcrverhält-led^A zu sich oder zu andern enthalten, wie wir sie bereits im Art. Gewissen auf-

^»blchnet haben. Es sind dies zugleich sittliche Ideale, die, welcher Religionspartei, welcher"on oder Rasse, welcher Zeit man auch angehören möge, unbedingt anerkannt werden müssen,m Hiermit hat denn die Moral einen festen Anhaltepunkt gefunden in einer wissenschaftlichena yt, und es handelt sich nun blos noch darum, das Verhältniß beider ins Auge zu fassen. Der^halt der ethischen Forderungen kann offenbar in zweifacher Weise aufgefaßt und dargestelltxj Einmal kann ein blos theoretisches Bewußtsein der gegebenen Moralprincipien, ja sogarSto Hos instinctartiges, den ethischen Ideen entsprechendes Gutsein angenommen werden. Einem^ Äschen solcher Art werden wir vielleicht einen sittlichen Lebenswandel zuschreiben und dies auchC" nod) ' wenn er sich selbst nur äußerlich legal in seinen Handlungen verhielte. Aber zu einemhj„Mischen Menschen gehört mehr. Die Moralität verlangt ein volles und klares Bewußtsein überig Und Unrecht, verbunden mit der Gesinnung, das erste zu wählen und das letzte zu verwerfen,setz» moralischen Menschen müssen die ethischen Ideale in Grundsätze übergegangen sein, undNm viuß in der Absicht unternommen und ausgeführt werden, sie mit jenen in Ueberein-wvng zu wissen. Zur Moralität gehört also ethische Einsicht, verbunden mit einer rüstigen undeine C,Uenten Befolgung derselben, und ein unmoralischer Mensch ist ein solcher, dem sowol dasNät bsl§ andere gebricht. Handelt es sich also darum, sich selbst oder die Jugend zur Mora-ah - U pichen, so muß auf der einen Seite die Stimme des Gewissens geweckt, vor allen Dingenbes ^vcksicht auf die oben angegebenen ethischen Ideen geschärft werden. Denn die StimmeGefm sistens offenbart sich sonst nur als ein unbestimmtes, zuweilen sogar in Zweifel lassendes' während die Moral bestimmte und scharf markirte Anhaltepunkte zum praktischen Handelnund wenn auch die der mosaischen Gesetzgebung entlehnten und in das christliche Glaubens-