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Morgen- und Abendstern
Morphium
Morgen- und Abendstern (Lucifer und Hesperus). Diese beiden Benennungen sühr^der Planet Venus im Alterthum, da man zwei verschiedene Weltkörper darunter vermuthete. ßtdie alexandrinische Schule gelangte dahin, beide vermeintliche Sterne als einen und denselben 3erkennen. Auch bildete sich schon damals die Vermuthung, daß er nicht um die Erde, sonderum die Sonne laufe. Auch muthmaßte man schon damals, daß er zuweilen Durchgänge vor dSonnenscheibe machen müsse, die nur für unsern Anblick zu unscheinbar wären; eine ganz r> ■tige Erklärung. ,
Als Morgenstern kann Venus 3—4 Stunden vor der Sonne aufgehen, als Abendstern ebenilange nach der Sonne untergehen, also auch in voller Nacht noch sichtbar sein. Ein Weltkörpi,der an Größe unserer Erde fast ganz gleichkommt und doppelt so stark als diese von der Sonmerleuchtet wird, muß an unserm Nachthimmel sehr lebhaft strahlen, und in der That bildet VenU;den glänzendsten Stern des gesammten Firmaments, wie schon Homer bemerkt. Zur Zeitstärksten Glanzes ist er von scharfen unbewaffneten Augen auch am hellen Tage wahrzunelMlOim Fernrohre wird er selten anders als am Tage beobachtet, da sein Glanz in der NachtAuge zu stark angreift. Als Morgenstern bildet er eine gegen die Sonnenseite convexe Sichel (&/'deren Breite fortwährend zunimmt, während der Umfangsbogen sich fortwährend verkleinertdabei für unsern Anblick der Sonne näher rückt. Eine kurze Zeit ist er dann unsichtbar underst als Abendstern an der Ostseite der Sonne wieder sichtbar. Venus leuchtet anfangs schwach, amählich aber immer stärker, indem sie sich von der Sonne bis zu einem gewissen Punkte entf cvlund dabei eine gegen die Sonnenseite convexe Sichel Q)) bildet, deren Breite abnimmt, wäMder Umfangskreis an Größe zunimmt. So eilt sie ihrer untern Conjunction zu, während wel«sie unsichtbar wird, wenn sie nicht, was selten (in 1000 Jahren nur sechzehnmal) geschieht, fll "schwarze Scheibe vor der Sonne steht. Bald ist sie wieder als Morgenstern sichtbar. -
Im Mai 1849 konnte im dorpater Refractor Venus am Conjunctionstage selbst morg^als Abendstern und an demselben Abend als Morgenstern gesehen werden, und während der totalSonnenfinsternis; am 18. Juli 1860, der gleichzeitig Conjunctionstag der VenuS war, ist sie 11bloßen Augen hellstrahlend gesehen worden, sogar eine volle Viertelstunde vorBeginn derTotal»^Auch Mercur macht dieselben Phasen durch, ist also ebenso gut als Venus Morgen- undAbei'
bei
ster». Nur ist er viel kleiner, entfernter von unserer Erde und nur kurze Zeit in Heller Dämmensichtbar, deshalb auch wenig augenfällig. Wie Venus wird er von den Astronomen fast nurTage beobachtet.
Bei Venus hat man nach je 584 Tagen diese Aufeinanderfolge: Obere ConjunctivVenus hinter der Sonne, unsichtbar. Venus Abendstern. Sie rückt uns näher. Größte ^ ,lichc Ausweichung (45 — 48° von der Sonne). Beste Sichtbarkeit, größter Glanz. 11«Conjunction. Venus vor der Sonne, zuweilen Durchgang, unsichtbar. Venus Morgensts^Sie entfernt sich allmählich von uns. Beste Sichtbarkeit, größter Glanz. Größte westl^!,Elongation (45—48°). Abnehmender Glanz. Obere Conjunction. Dieselben Ersw°nungen macht Mercur innerhalb 117 Tagen durch, also fünfmal öfter als Venus. .
Nur ein zwischen Erde und Sonne umlaufender Planet kann Morgen-und Abendstern in 6 ,hier bezeichneten Sinne sein, und außer Venus und Mercur ist uns kein anderer bekannt. 2» >Lescarbault's Entdeckung sich einst bestätigen, so hätten wir dann einen dritten, aber wol nurFernrohre noch erreichbaren Morgen- und Abendstern. .. £
Morphium. Das Morphium ist der wichtigste Bestandtheil des Opiums, von . dem j e, \narkotische Wirksamkeit hauptsächlich abhängt. Es gehört zu der Klasse der Alkaloide ()•und ist das erste derselben, das als solches 1817 von Sertürner erkannt wurde. Der Gel)^des Opiums an diesem Stoffe ist sehr verschieden. In gutem smyrnaer Opium findet es 1'zu 10—15 Proc. Zu seiner Darstellung gab Sertürner ursprünglich die Vorschrift, esdem wässerigen oder essigsauren Auszug des Opiums durch Ammoniak zu fällen undUmkrystallisiren aus Weingeist zu reinigen, ein Verfahren, welches noch jetzt die wesenmGrundlage der meisten Methoden bildet. Außerdem benutzt man auch die leichte Krystnm"^barkeit seiner Verbindung mit Salzsäure, sowie seine Eigenschaft, sich in überschüssigem j»lösen und daraus durch Salmiak gefällt zu werden. Das Morphium krystallisirt aus Weist^in weißen, glänzenden, durchsichtigen vierseitigen Säulen oder auch in Oktaedern; ausSalzen durch Ammoniak gefällt, zeigt es unter dem Mikroskop rhomboedrische Krystallfornn ^ist luftbeständig, nicht flüchtig, geruchlos, von stark bitterm Geschmack. Beim Erwärmenes trübe und undurchsichtig, schmilzt in höherer Temperatur unter Verlust von Wasser, zerisich dann und brennt an der Luft mit Heller Flamme. Es löst sich in 1000 Thln. kaltem