598
Mund- und Rachenhöhlenkrankheiten
wird begrenzt nach vorn und seitlich von der innern Seite der Zähne und des Zahnfleische-,oben vom harten, weiter nach hinten vom weichen Gaumen, nach unten von dem an- Muskelsgebildeten Boden der Mundhöhle, nach hinten zunächst vom Gaumenvorhange mit seinem Zäp>'chen in der Mitte und seinen zu beiden Seiten nach nnten laufenden Bogen, welche den EingauTzur sogenannten Rachenhöhle bilden, die man jedoch auch als den hintersten Theil der Mundhöh eansehen kann. Dann wäre erst die von der Halswirbelsäule gebildete hintere Rachenwand dtthintere Grenze der Mundhöhle. Hinter dem letzten obern Backzahne bleibt noch ein kleinerRaum, durch welchen die hintere Mundhöhle mit der vordern in Verbindung steht, und durch welw^man eine kleine Röhre einbringen kann, wenn es bei krankhaftem festen Schlüsse der beiden Zah>^reihen infolge von Verwachsungen oder von Krampf der Kaumuskeln unmöglich wird, auf andersWege nährende Flüssigkeiten in die Mundhöhle gelangen zu lassen. Vom Hintern Theile dc-Bodens der Hintern Mundhöhle ragt die Zunge nach vorn und oben. Unter derselben mündedicht am Zungenbändchen, d. i. der vorspringenden Falte, welche die Schleimhaut des Mund-höhlenbodens beim Uebergange auf die untere Zungenfläche bildet, jederseits mit einer fein^Oeffnung ein Speichelgang, der den Speichel aus der Unterzungen- und der Unterkieferspeich^'drüse der Mundhöhle zuführt. Zahlreiche kleinere Drüsen ergießen außerdem ihre abgesondertFlüssigkeit in die Mundhöhle; theils sind eS kleine Schleimdrüsen, die besonders zahlreich an desZungenwurzel und am weichen Gaumen liegen, theils kleine Balgdrüsen, die einzeln, aber zähstesan der Zungenwurzel unv außerdem jederseits in einem dichtgedrängten Haufen als sogenanmMandeln im Zwischenraumc zwischen den beiden seitlichen Gaumenbogen gelegen sind. Dieder Hintern Mundhöhle scheidet dieselbe von der Nasenhöhle. Ist diese Decke infolge einerwundung oder Knochenverciterung durchbrochen, so dringt beim Sprechen Lust in die Nasenhöh^wodurch die Sprache sehr entstellt und ein künstlicher Verschluß durch eine Metall- oder Kautschs'platte nöthig wird. Ein angeborener mittler Spalt zwischen den beiden Hälften des knöchern^Gaumens ist als sogenannter Wolfsrachen bekannt und ist gewissermaßen ein höherer Grad i> elangeborenen Hasenscharte.
Da die Nachenhöhle mit der Nasenhöhle in offener Verbindung steht, so können SpeisenGetränke aus der Mundhöhle unter den Gaumenbogcn hinweg in die Nase gelangen, wennder Weg nach unten in die Speiseröhre zufällig verschlossen wird. Für gewöhnlich schließt I 1 ®beim Schlingen die Nasenhöhle von der Nachenhöhle und also auch von der Mundhöhle daduüab, daß die Hintern Gaumenbogen sich aneinander legen und so eine quere Scheidewand bilden.Bissen wird dann durch das Andrücken der Zunge an den harten Gaumen nach hinten und dur^die vordern Gaumenbogen hindurch in den Rachen geschoben, wo jene schräg gelegene Scheidendihm sodann die Richtung nach der Speiseröhre gibt.
Die gesammte Mundhöhle in allen ihren Theilen ist ausgekleidet von einer aus Bindegewe^und elastischen Fasern gewebten Schleimhaut, welche ihrerseits wieder überzogen ist von ein^ziemlich festen Oberhäutchcn oder Epithel. Dasselbe besteht aus übereinander gelagerten Schichtvon Zellen, welche unten bläschenförmig sind, näher der Oberfläche aber immer platter werv^und zu oberst sich darstellen als vieleckige Platten, die gleich dem Tafelwerk eines Parquets ^'einander gefügt sind. Infolge der vielen Angriffe, die dieses Epithel von den genossenen Speisi"zu erleiden hat, wird es fortwährend in feinen obersten Schichten abgestoßen, während von u" tel 'neue Fettschichten nachwachsen, wobei die anfangs bläschenförmigen Zellen allmählich die Plattsform annehmen. Nach Genuß zu heißer oder ätzender Stoffe löst sich das Epithel im ganzenein weißes Hautchen ab. Die Durchsichtigkeit des Epithels und der Schleimhaut überhaupt I®die Farbe des Haargefäßnetzes der Schleimhaut durchschimmern und gibt der letztern ihre Röthuüthwelche je nach deni Füllungsgrade der Gefäße Heller oder dunkler ist. Ueber einzelne Theile d^Mundhöhle vergleiche noch die Artikel Zunge, Gaumen, Zahnfleisch, Zähne, Schmecken, Spei^und Speicheldrüsen, Schleim und Schleimdrüsen, Mandeln. .
Mund- und Rachenhöhlenkrankheiteu. Die Mundhöhle (nach vorn von den Lippen,den Seiten von den Wangen, nach hinten durch den weichen Gaumen und das Zäpfchen) ^die Rachenhöhle (nach vorn bis zum weichen Gaumen und Zäpfchen, nach unten bis zum 'decke! und Sen Anfang der Speiseröhre, nach hinten bis zur Hintern Rachenwand reichend) könne'der Sitz verschiedener Krankheiten werden, welche sich häufig ganz oder doch theilweise gleichz^auf beide Höhlen erstrecken und daher hier auch gemeinschaftlich abgehandelt werden. Es ^diese Krankheiten entweder selbständige Störungen (primäre Affectionen) oder Theilerscheinungs^von Krankheiten anderer in diesem Raume gelegener oder nahe angrenzender und mit ikM 1anatomischer Verbindung stehender Organe und Gewebe (secundäre Affectionen). So sind