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4 (1839) Vierter Band. Gab-Hyp / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Harzen.

wo das Holz fast keinen Werth hat, oder keine vortheilhaftere Benutzungder Stamme als Bau- und Nutzholz möglich ist, kann eine unbeschrankteHarznutzung zulässig sein; in entgegengesetzten Verhältnissen aber muffen fol-gende Einschränkungen stattfinden. Es dürfen dann die zu Bau -und Nutz-holz bestimmten Stämme gar nicht und selbst die Brennholzstämme nur8 bis 12 Jahre vor ihrem Abtriebe geharzt werden; auch zu junge, unterII bis 12 Z. starke Bäume muffen verschont werden, indem diese durchzu frühzeitiges Harzen nicht nur in ihrem Wachsthums sehr zurückgesetztwerden, sondern überdies auch keine beträchtliche Harzausbeute gewähren.

Zu dem Ende werden denen mit dem Harzscharrcn beauftragten Arbeiternsogenannte Lachringe von bestimmtem Umfange ausgehändigt, um mit den-selben die Stämme nm untern Ende 4£ bis 6 g. über der Erde zu messen,ob sie die zum Harzreißcn erforderliche normalmäßige Stärke besitzen. I"Baden harzt man 24- bis 26jährige, in Südfrankreich 20 jährige, in Bor-deaux 30- bis 40jährige. Bei den zur Harznutzung bestimmten Stäm-men wird nun zuerst d«s sogenannte Lagen, Lachen oder Lachten(Anreißen) vorgenommen, welches darin besteht, daß man mittelst einerkleinen Axt am untern Ende des Stammes nach der Länge desselben her-unter einen 3 bis 4 Fuß (auch wohl 6 bis 7 g.) langen und 2 bis 3 3 *breiten Streifen Rinde sammt der Basthaut bis aufs Holz, das solcherge-stalt entblößt wird, himvegnimmt. Die so entstandene gurche oder Vertie-fung heißt eine Lache (Lacht); das untere Ende derselben muß noch etw"

2 g. von dem Wurzelstocke und der Erde entfernt bleiben. Zum ersten-male erhält ein Stamm in der Regel nicht mehr als 2 Lachen, dünnenStämmen giebt man auch wohl nur eine Lache; dickere und frei ste-hende Stämme dagegen, welche mehr Harzausbeute geben, können woh

3 bis 4 Lachten erhalten, grei stehende Stämme lachtet man nicht 9^an der nach Mittag gekehrten Seite, weil hier der austretende Saft ducwEinwirkung der Sonne zu flüssig wird, und vom Baume herab zur Erdläuft, welches jedoch in heißen Ländern überhaupt nicht zu vermeiden >>(weshalb man da am Fuße des Baumes gut mit Thon u. dergl. ausg^stampfte und mit Baumrinde ausgelegte Gruben anbringt, worin sichausfließende Saft sammeln kann. Die Lachten müssen auch, wo nwgü^ Iimmer so angelegt werden, daß dieselben nicht gerade oben an dem *Stammende zu Tage liegenden und anlaufenden starken Wurzeln firi* 1 *'weil sonst beim Harzscharren die Harzmeste nicht gut angelegt werden ka» 'und dann leicht viel Harz seitwärts auf die Erde springt. Die beste

reszeit zum Lachten ist das grühjahr von Mitte April bis Mai, woSaft in vorzüglich reichlicher Menge zufließt, und die Rinde sich amtesten vom Holze lösen läßt; doch unternimmt man daffelbe in nördl'ckGegenden auch !m Sommer und Herbst, da im Frühjahre die TLittet"oft zu kalt und feucht ist. Ein Arbeiter kann an einem schönen * g100, 160 bis 200 Bäume lachten oder anreißen. Stehen Wurzeln .der Erde hervor, so kann man sie auch lachten, da sie vielDer zwischen Holz und Rinde auslautende Harzsaft überzieht dieund schützt das Holz zugleich einigermaßen gegen schnelle Verderbnisaus dem gelochten Stamme ausfliesende Harz wird erst im 2 ten,darauf gesammelt oder gescharrt. Ein früheres Einsammeln, z. B-mer des folgenden Jahres, ist darum nicht rathsam, weil sichnicht eine hinreichende Menge Harz in den Lachten angesammelt, l,n