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4 (1839) Vierter Band. Gab-Hyp / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Hausenblase,

ist die schlechtere, indessen doch noch besser, als die vorn Wels und einigenandern Fischen, von denen sie wohl auch erhalten wird. Die Hausenblasekommt aus Rußland, Ungarn und jetzt auch aus Amerika; die russischewird gewöhnlich am höchsten geschätzt; sie ist in kleinen Bügeln oder Bläl-lern, dabei schön weiß und klar; die ungarische dagegen ist noch einmal sogroß und dick, auch gelb und bräunlich gefärbt und gar nicht klar. GuteHausenblase ist immer gelbweiß, halbdurchsichtig, trocken, faserig, hornartig,von schwachem Geruch, ohne Geschmack, wahrend schlechte schmuzig undtrübe aussieht. Die beste Sorte ist hufeisenförmig zusammengeflochten, odergleicht einer aufgerollten Blase, deren Ueberschlag eben und glatt ist, wäh-rend er bei schlechten Sorten gewöhnlich kraus erscheint. Aber auch inmehreren Lagen buchsörmig oder in Blättern kommt die Hausenblase vor.Wenn man ein stfjc dünnes Blatt Hausenblase zwischen das Auge und dasSonnenlicht hält, so bemerkt man ein Farbcnschillern; in kaltem Wassereingeweicht schwillt sie auf und wird weich; durch Kochen in Wasser mußsie sich, wenn-sie acht sein soll, fast ohne Rückstand zu einer Flüssigkeitauflösen, die beim Abkühlen eine halbdurchsichtige Gallerte bildet. Manmacht jetzt in Rußland auch gekochte Hausenblase, die, wenn sie gut ist,klar wie Bernstein aussieht, in Tafeln zum Handel kommt, und stattMundleims dienen kann, wahrend dagegen zum Klären der Getränke diegewöhnliche ungckochte Hausenblase bester ist. Zur Bereitung der Hausen-blase schneidet man die frischen Schwimmblasen der oben genannten Fischeein, wascht sie ab, und setzt sie dann der Luft aus, so daß die innere silber-glänzende Haut nach oben gekehrt ist. Alsdann wird diese durch Reibenabgesondert, in befeuchtete Tücher gelegt oder in der äußern Haut gelassen,gepreßt, hierauf aus den Tüchern genommen, und entweder schlangenförmiggewunden zwischen 3 Klötzchen, Hufeisen-, herz- oder leicrförmig, oder inmehrern Lagen buchsörmig gelegt, oder bloß getrocknet. Die Hausenblasedient zum Klären (s. d.) von Flüssigkeiten, zu feinen Leimfarben, zur Her-vocbringung von Steifigkeit und Glanz der Gewebe, zu Pflastern und Leim,zu Abdrücken von Münzen, in der Kochkunst vornehmlich zu Gelees.Der hohe Preis der Hausenblase hat zur Verfertigung einer großen Mengeunächter Hausenblase veranlaßt, deren meiste Sorten sich aber durch ihreunvollkommene Auslöslichkeit in Wasser charakterisiren. Eine solche Sorte,wahrscheinlich aus einer Darmhaut des Kalbes oder Schafes bestehend,kommt mitunter in dünnen, regelmäßigen, biegsamen Blättern vor, ist vonweißer Farbe, halbdurchstchtig, aber nicht schillernd, geruchlos und von sal-zigem Geschmacke. Die 8 bis 10 Z. langen und 2 bis 3 Z. breiten Blatterzerreißen, wenn sie gezerrt werden, in jeder Richtung, wahrend die ächteHauseiiblase bloß in der Richtung der Fasern reißt. Sie ist auch wenigerdurchsichtig als die achte Hausenblase, selbst wenn die Stücken dünner sind.Ein Stück in Wasser gelegt, erweicht sich zwar und schwillt ebenfalls auf,aber anstatt seine Form gleich der ächten Hausenblase zu bewahren, zerfälltes in Stücken und steht wie Molken und Gerinnsel aus. Mit heißemWasser behandelt, hinterläßt sie einen Rückstand von ungefähr ^ ihres Ge-wichts und bildet eine nicht zu Gallerte gerinnende Flüssigkeit, während ächteHausenblase durch dies Verfahren sich beinahe vollständig auflöst und jedes-mal eine Gallerte bildet. Außer dieser nicht ganz löslichen Hausenblase auSDärmen. bereiten jetzt mehrere deutsche Fabriken auch gut lösliche Hausen-blase aus Schafdarmen, welche die russische recht wohl zu ersetzen scheint