Hebel.
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als Last wirkende Bündel den Stock nach entgegengesetzter Seite als dieHand, mit welcher der Stock gehalten wird, zu drehen strebt. Man nenntdie Punkte, an welchen Kraft und Last (Kraft und Widerstand) wirken,die Angriffspunkte der Kraft und Last (des Widerstandes) und dieEntfernungen dieser Angriffspunkte von dem Drehpunkte, die Hebelarme.Die beiden Kräfte oder die Kraft und der Widerstand, welche an einemHebel wirken, sind nicht immer auf den entgegengesetzten Seiten des Dreh-punktes angebracht, sondern auch öfters an derselben Seite derselben, wiedies z. B. der Fall sein würde, wenn man eine umgefallene Stange, anderen obern Ende sich ein schwerer Körper befände, so durch Ergreifung ih-rer Mitte mit der Hand aufrichten wollte, daß ihr unbelastetes Ende dabeiseine Stelle am Boden nicht veränderte, sondern den Drehpunkt abgäbe.Hebel, bei welchen die Gegenwirkung auf beide Seiten des Drehpunktsvertheilt ist, nennt man zweiarmige Hebel (Hebel der ersten Art), zumUnterschiede von deni einarmigen (Hebel der andern Art), wo sie aufderselben Seite des Drehpunkts geschieht, wiewohl auch bei dem einarmigenHebel die Kraft sowohl als der Widerstand (Last) jedes seinen besondern He-belarm (von ungleicher Lange) hat- die nur hier auf dieselbe Seite fallen.Liegt, wie dies gewöhnlich der Fall ist, der Drehpunkt mit den Angriffs-punkten der Kraft und des Widerstandes in derselben geraden Linie, so hatman einen geradlinigen Hebel, im Gegenfalle einen W in kel Hebel.—■In der Anwendung des Hebelö gewinnt man ein Mittel, wodurch verhält-nismäßig schwache Kräfte große Lasten zu heben oder große Widerstände zuüderwältigen sind, nach dem Gesetze, daß eine Kraft um so mehr Gewaltäußert, je langer der Hebelarm ist, an dem sie wirkt, indem man es nehm-lich nur so einzurichten haben wird, daß die Kraft an einem viel län-ger» Hebelarme wirke, als der zu überwältigende Widerstand. Wollte manumgekehrt den Hebelarm des Widerstandes langer einrichten, als den derKraft, so würde eine stärkere Kraft dazu gehören, um einen kleinenWiderstand zu überwältigen. Die genauen Gesetze für die am Hebelwirkenden 'Kräfte sind überhaupt folgende, bei denen der Widerstand(oder die Last) selbst mit unter dem Namen Kraft begriffen ist, insoferner wirklich als eine Kraft, die der thätigen Kraft entgegenwirkt, angesehenwerden kann. Diese Gesetze gelten zunächst für einen Hebel, der für sichallein im Gleichgewicht ist, d. h. dessen Drehpunkt mit seinem Schwer-punkte zusammenfällt oder doch in derselben Vertikale liegt, indem sonstdas eigene Gewicht des Hebels als eine, am Hebel nach einer Seite zie-hende Kraft auch in Rücksicht zu nehmen ist. ») Gesetze des geradli-nigen Hebels für den Fall, daß alle Kräfte senkrecht gegenden Hebel und in dessen Drehungsebene wirken, l) Zwei sicham Hebel entgegenwirkende Kräfte sind im Gleichgewichte, wenn sie sich um-gekehrt verhalten, wie ihre Hebelarme, oder wenn, mit andern Worten,das Product der einen Kraft in die Länge ihres Hebelarmes gleich ist demProduct der andern in die Lange ihres Hebelarmes. Da man nun einsolches Product für die senkrecht wirkende Kraft das statische Momentoder schlechthin Moment derselben nennt, so laßt sich dieser Satz auch soausdrücken. Das Gleichgewicht zweier, senkrecht am Hebel und in dessenDrehungsebene wirkenden, Kräfte besteht, wenn ihre statischen Momentegleich sind. Ist das statische Moment der einen Kraft größer, als das derandern, so wird der Hebel mit einer Gewalt, welche dem Ueberschusse des