Vom Auftreten Vieta’s bis zur Erfindung der Logarithmen.
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zwei Tafeln für die Radien 10 6 und IO 7 zu privatem Gebrauch, weildes Rkaeticus’ Kanon zu grofs war, und Daniel Schwendter(1585 —1636), 1608 Professor der orientalischen Sprachen und dannder Mathematik in Altdorf, Praetorius’ Freund, gab noch 1628Stevin’s Sinustafel mit deutscher Einleitung heraus.
Auch in den Niederlanden, wo der Einflufs von Stevin’s Werkenfortwirkte, erschienen noch vielfach Schriften, welche der älterenRichtung angehörten. Namentlich waren es zwei Männer, die sich,trotzdem sie einen hervorragenden Platz in der Geschichte unsererWissenschaft einnehmen, mit den Logarithmen nicht mehr vertrautmachten. Es sind dies Albert Girard und Willebrord Snellius,von denen der erstere eine französische Ausgabe von Stevin’s Werkenbesorgte, der letztere einige Schriften desselben in’s Lateinische über-setzte. Auf ihre Leistungen müssen wir etwas näher eingehen.
Albert Girard war französischer Abstammung * 1 ), lebte abervon 1625 bis 1633 in den Niederlanden, in welchem Jahre er da-selbst starb. Zwei Schriften von ihm sind für uns von Interesse;die erste führt den Titel „Tables des sinus, tangents, secants selonle raid de 100000 parties. Avec un traite succinct de la Trigono-metrie.“ A la Haye 1626. 8° und erschien 1629 in einer 2. Auflagein holländischer Sprache. Hier sind die trigonometrischen Linienfür alle Winkelminuten auf 5 Dezimalen berechnet. In der An-leitung zur Trigonometrie ist die Schreibweise seiner Sätze be-merkenswert; er führt nämlich ähnlich, wie es schon Stevin gethanhatte, abkürzende Bezeichnungen für die Seiten eines Dreiecks ein,indem er die Hypotenuse eines rechtwinkligen mit H, die senkrechteKathete mit P, die Basis mit B, den Winkel an der Spitze mit A,den zwischen Basis und Hypotenuse mit V bezeichnet. Hieran an-schliefsend stellt er dann die 6 Fälle des rechtwinkligen sphärischenDreiecks tabellarisch zusammen, z. B. wenn H und A gegeben ist:
gemeinen Kanons, wobei die Erfinder angegeben werden. Wir heben nur die
tga + tg (45° —
sec a
hervor, welche benützt wird, um die
Formel
Hypotenusen der zweiten Serie, welche zu Winkeln 45° gehören und die derdritten Serie für Winkel >45° zu berechnen. Dieses Theorem, das Praetoriusgeometrisch beweist, stammt von Schüler. — Auch führt Praetorius indieser Abhandlung die sämtlichen prosthaphäretischen Sätze an und leitet sieauf die gewöhnliche Weise ab.
1) Girard’s Geburtsjahr ist unbekannt, doch hat P. Tannery (Bulletindes Sciences mathömatiques et astronomiques. Serie II. VII. 1883. 358 — 360)nachgewiesen, dafs er in San-Michiel in Lothringen geboren ist. Wahr-scheinlich hat er sich infolge der Hugenottenverfolgung nach den Niederlandengeflüchtet.