2 1. Kapitel.
metrie herausgewachsen sind und eine völlige Umgestaltung derselbenbervorriefen.
Zwei Männer sind es, welche fast gleichzeitig, wenn auch in sehrverschiedener Weise denselben genialen Gedanken zur Ausführungbrachten. Der eine ist der uns durch seine mathematische undmechanische Begabung längst bekannte Jobst Bürgi, der andere derSchotte John Neper, welchem das Prioritätsrecht der Veröffent-lichung zukommt. Bürgis bekannte Scheu, seine Geistesprodukte inDruck zu geben, sein Zaudern und seine Geheimniskrämerei, vielleichtauch Geldmangel, haben die Veröffentlichung seiner Schrift verzögertund ihn, wie um so manches andere, auch um den Ruhm der erstenErfindung der Logarithmen gebracht. Seine „Arithmetische und Geo-metrische Progreßtabulen, sambt gründlichem unterricht, wie solchenützlich in allerley Rechnungen zu gebrauchen, und verstanden wer-den sol“ sind nach den Untersuchungen von Gieswald, Cantor undanderen 1 ) zwischen den Jahren 1603 und 1611 entstanden, aber erst1620 im Druck erschienen. 2 ) Nepers Werk dagegen kam bereits1614 unter dem Titel „Mirifiei Logarithmornm canonis descriptio“ zuEdinburg in 4°. heraus, dürfte also ungefähr um dieselbe Zeit ent-standen sein.
Bürgi geht bei Herstellung seiner Logarithmen von dem Ge-
1) Cantor II, 2, 725 und 729, wo auch ein Zeugnis Keplers angeführtwird. •— 2) „Gedruckt, In der Alten Stadt Prag, bey Paul Sessen, der LöblichenUniversität Buchdruckern, im Jahr 1620. in 4°.“ Yon dieser Schrift fand R.Wolf, nachdem er sie lange vergebens gesucht hatte, endlich 1847 ein Exemplar
auf der Münchner Hof- und Staatsbibliothek. Dasselbe ist mit Math. P. 55ausgezeichnet und liegt uns vor. Es besteht aus 30 Quartblättern, trägt nur dieAnfangsbuchstaben J. B. des Namens von Jobst Bürgi und enthält den imTitel angeführten gründlichen Unterricht nicht. Dieser scheint überhaupt nichtgedruckt worden zu sein, indem Benjamin Bramer, Bürgis Schwager, inder Vorrede zu seiner Schrift: „Beschreibung Eines sehr leichten Perspektivund grundreissenden Instrumentes auff einem Stande“, Cassel 1630 sagt:„Auss diesem Fundament hat mein lieber Schwager vnd Praeceptor JobstBürgi vor zwantzig vnd mehr Jahren eine schöne progress tabul mit ihrenDifferentzen von 10 zu 10 in 9 Ziffern calculirt vnd zu Prag ohne Bericht,Anno 1620 drucken lassen. Vnd ist also die Invention der Logarith. nicht desNeperi, sondern.von gedachtem Bürgi (wie solches viele wissend vnd ihmauch Herr Keplerus zeugniss gibt) lange zuvor erfunden.“ Den hier erwähntenBericht hat Gieswald auf der Danziger Stadtbibliothek handschriftlich einemExemplar der Progreßtafeln angeheftet vorgefunden und im Drucke veröffent-licht. Gieswald „Justus Byrg als Mathematiker und dessen Einleitung inseine Logarithmen“. Danzig 1866. Schulprogramm. Ein Auszug hiervon imArchiv für Math, und Phys. XXVI, 316—334. Vgl. über die Erfindung derLogarithmen auch Wilhelm Matzkas interessante Ausführungen, ebenda XXXIV,1860, 341-354.