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Zweiter Teil. Von der Erfindung der Logarithmen bis auf die Gegenwart / von Dr. A. von Braunmühl
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2. Kapitel.

mal sagt,die Erfindung der Logarithmen verdoppelt durch Kürzungdas Leben der Astronomen, wurde namentlich von diesen und darunterin erster Linie von dem großen Kepler sofort erkannt und gewürdigt.Wir sehen, wie durch ihn und seine Freunde die Erfindung desschottischen Edelmannes zuerst in Deutschland Wurzel faßte, sichschnell verbreitete und verbessert wurde, während die übrigen Kultur-staaten mehr oder minder rasch nachfolgten. Zugleich untersuchtenwir die Einwirkung des neuen Rechnungsverfahrens auf die Methodender Trigonometrie selbst und sahen, daß schon Neper die Notwendig-keit einer Umgestaltung der alten Trigonometrie erkannt und in ihrenGrundzügen durchgeführt hatte, und daß namentlich Briggs undGellibrand seine Gedanken weiter ausbauten.

2. Kapitel.

Die Trigonometrie bis zum Beginne des 18. Jahrhunderts.

§ 1. Rein-trigonometrische Schriften.

Nachdem die Berechnung der Logarithmen durch Briggs be-wunderungswürdige Arbeitskraft auf eine feste Basis gestellt undwesentlich vereinfacht worden war, und Ylack seine Werke geschaffenhatte, die für alle Zeiten fundamental für die Herstellung loga-rithmischer Tabellenwerke blieben, verbreitete sich auch die Über-zeugung von dem enormen Nutzen, den die neue Methode namentlichbei trigonometrischen Rechnungen bot, allgemein, so daß von dendreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts ab dieses Rechnungsverfahren,wenn auch nicht ausschließlich, so doch hauptsächlich in fast alleneinschlägigen besseren Schriften gelehrt wurde die uns hiervonbekannt gewordenen Ausnahmen haben wir bereits im ersten Teileunseres Werkes angeführt.

Von solchen Schriften nennen wir zunächst:Trigonometriaecanonicae libri tres etc. Adjungitur über quartus pro calculi tabulislogarithmorum, Paris 1633. Das Werk, von welchem noch 1657eine französische Ausgabe erschien, hatte zum Verfasser Jean Bap-tiste Morin (15831656), Professor der Mathematik und VorgängerRohervals am College de France, hauptsächlich durch seine neue,vielumstrittene Methode der Längenhestimmung bekannt. 1 ) SeineSchrift, in welcher er sich viel darauf zu gute tut, die trigonometrischenSätze auf die absolut notwendige Zahl reduziert zu haben, bringt

1) Vgl. hierüber Montucla, Histoire IV, 543 ff.