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Erster Band.
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Baumwolle

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Baumwolle

gleich die dritte Ernte viel weniger Ertrag gibt, wes-halb auch häufig nach dem zweiten und selbst schonnach dem ersten Jahre eine neue Aussaat gemachtwird. Die gelbe Baumwollenstaude, G. re-ligiosum, wächst besonders in Ostindien und China,sowie hin und wieder in Aegypten, auf Malta rc.und liefert eine gelbe, bräunliche oder röthlicheBaumwolle, aus welcher der ächte ostindische Nankinversertigt wird. Die Barbadcnsische Baum-wollenstaude,». barbaäonso, welche am häufig-sten in Westindien und Südamerika wächst und einevortreffliche weiße Baumwolle liefert. Die kraut-artige Baumwollplanze, G. herbaceum, istdie am weitesten verbreitete und nützlichste Art. Siewird in der ganzen Levante und Ostindien, sowie imsüdlichen Europa, namentlich in der Türkei, in Si-cilien und Malta, erbaut. Es ist ein einjährigesGewächs mit 2—3 Fuß hohem und l / 4 Zoll dicken,runden Stengel, der sich oben in Zweige theilt undin den Blattwinteln die gelben, rothgestreiften Blü-then treibt; die daraus entstehende runde, dreisäche-rige Fruchtkapsel hat die Größe einer kleinen Wall-nuß und enthält längliche, etwas höckerige, erbsen-große Samenkerne. Sie werden ohngesähr imOktober reis und springen dann aus, worauf sie so-gleich eingesammelt und die Kerne von der Wollegetrennt werden. Scheint die Sonne auf die offenenKapseln, so wird die Baumwolle darin grau undschwärzlich. Zum Sondern der Kerne von der Baum-wolle hat man eigene Maschinen, die sogenanntenGotton-Gius, die von Ely Whitney erfunden sind.Die haarige oder zottige Baumwollen-pflanze, G. hirsutum , ebenfalls ein einjähriges,zuweilen aber auch^wci Jahre dauerndes Gewächs,wird besonders in «üdamerika und in Carolina an-gebaut. Sie trägt ovale, vierfächerige Samenkap-seln von der Größe eines mittelmäßigen Apfels undgibt einen sehr reichen Ertrag an Wolle. — DasAusnehmen der Baumwolle aus den Kapseln ge-schieht mit den Händen, das Trennen derselben vonden Samenkernen und Samenkapseln vor der Ver-packung die mühsamste Arbeit, aber jetzt allgemeinmit Maschinen, EgrenirMaschinen genannt,deren Hauptbestandtheil ein horizontaler, mit Säge-blättern besetzter Cylinder ist, durch dessen Umdreh-ung die auf einem Rost darunter liegende Baum-wolle von den Kernen abgerissen und dann voneinem Bürstencylinder wieder abgestreift wird. EinesolcheMaschine kann täglich 2—300 Pfd. Baumwollereinigen, während der fleißigste Arbeiter mit derHand nicht mehr als höchstens 8 Pfd. zu Standebringen könnte. Das Reinigen muß eigentlich un-mittelbar nach dem Einernten vorgenommen werden,indem es desto schwieriger ist, je trockner und daherfester zusammenhängend die Baumwolle wird. Esbleiben daher auch meist noch Samenkörner in derWolle zurück, wenn sie aus der Maschine kommt, undste wird deßhalb noch auf Binsenmatten geschlagen,wodurch die Körner zerbrechen und durch die Mattenfallen. Diese Körner dienen zum Viehfutter, auchwird Oel daraus gewonnen. Nachdem die Baum-wolle gereinigt und gehörig getrocknet ist, wird siefest in Ballen oder Säcke gepackts, damit sie so wenigals möglich Raum einnimmt und auch besser vordem Eindringen der Nässe geschützt ist. In Nord-amerika, in West- und Ostindien wird sie vermittelstPreßmaschinen in leinene Säcke so fest zusammen-gepreßt, daß sie einen harten Körper zu bilden scheintund 100 Pfd. nicht mehr als etwa 2 Kubikfnß Raum

einnehmen. In der Levante dagegen und in derTürkei packt man sie in Haarsäcke, die man aushängtund in welche die Wolle eingetreten und eingestampftwird, während man die Säcke anfeuchtet, damit sienachgiebiger werden. Auf den Schiffen werden danndie Säcke, um möglichst viel unterbringen zu können,gewöhnlich noch mehr zusammenpreßt. Die Art derVerpackung weicht übrigens in den einzelnen Län-dern noch mehr oder weniger von einander ab. —Die Güte der Baumwolle hängt hauptsächlich vonihrer Reinheit/ ihrer Länge, Feinheit und Weich-heit ab, obgleich zu den verschiedenen technischenZwecken die eine oder die andere dieser Eigenschaftenmehr oder weniger wichtig ist. Die Länge des Fa-dens ist bei den längsten Sorten nur ca. iy 2 Zoll,bei den kürzesten kaum 3 / 4 Zoll. Eine Länge von15—17 franz. Linien haben nur die Sorten vonJumel und Pernambuco; die von Bahia, Cayenne,Martinique und Guadeloupe sind 12—15,Domingo10—15, Motril 11—14, lange Georgia, Surinam,Barbados und Caraccas 11—13, Canouchi und Ma-ranon 10—13, Berbice 9—13, Lima, Demeraryund Orinocco 10—12, Bourbon, Esseqnebo, Kar-thagena, Curassao, Jamaica, St. Christoph, St. Lu-cia, Para und Castellamare 9—12, Apulien, Por-torico und Minas 9—11, New-Orleans, Carolinaund kurze Georgia 8—11, Louisiana, Senegal, Ma-nilla, Biancavilla, Subutscha 8—10, Kirkagadsch,Kinig, Smyrna und Mazedonien 7—9 franz. Linienlang. In einer anderen Reihenfolge stehen die Sor-ten in Bezug aus die ^Feinheit des Fadens; in denersten Rang gehören: lange Georgia, Bourbon, Mo-tril, Bahia; in den zweiten Rang: Maranon, Per-nambuco, Cayenne, Demerary, Domingo; in dendritten Rang : kurze Georgia, Subutscha, Mazedo-nische, Castellamare, Louisiana, Apulische, Cartha-gena, Guadeloupe, Carolina, Caraccas, Kirkagadsch,Smyrna. Außerdem fordert man auch von einerguten Baumwolle, daß ste frei von kleinen Knötchenist, die sich in der Gestalt weißer Pünktchen an denFasern zeigen und selbst durch das sorgfältigste Krem-peln nicht entfernt werden können. Die Baum-wollenfaier aller Sorten ist ein plattes, durchsichtiges,schraubenartig gewundenes Röhrchen mit glatterOberfläche, das an der Wurzel etwas stärker ist, alsan der Spitze. Durch sorgfältige mikroskopische Un-tersuchungen will man jedoch gefunden haben, daßsie scharfe, schneidende Kanten hat, was man als denGrund ansieht, daß baumwollene Zeuge auf der blo-ßen Haut getragen, ein unangenehmeres Gefühl er-zeugen, als leinene, weil die feine Flachsfaser einengeglätteten durchscheinenden Cylinder bildet. — DieSorten der Baumwolle unterscheidet man nach denErzengungsländern und im Allgemeinen nennt manvon jeder einzelnen Sorte die feinste, längste, weichsteund reinste, welche frei von Knötchen und nicht ge-kräuselt ist, Prima; die zweite Qualität wirdKaufmannsgut genannt, die dritte Mittel-sorte und die vierte 0 r d i n a i r e. Prima wirdhauptsächlich zu Kettengarn verarbeitet, die folgen-den Sorten zu Einschuß, die ordinaire nurzu grobenGespinnsten. Es ist natürlich, daß die Witterungs-verhältnisse Verschiedenheiten in der Qualität derJahrgänge einer und derselben Sorte erzeugen.Durch die Vermischung verschiedener Sorten beimVerspinnen erhält man oft Qualitäten, welche fürviele Zwecke vorthcilhaster find. -— Nach den Er-zeugungsländern kann man die Sorten der Baum-wolle in Hauptklaffen theilen, nämlich: nordameri.