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Berlin
Berill
Bezogenen nicht schon vorher ein für allemal zurZahlung beauftragt hat. Steht im Wechsel die Be-merkung „laut Bericht," so darf man es auch nichtunterlassen, Avis zu geben, denn es wäre dann ganzin der Ordnung, wenn der Bezogene, was auch inder Regel geschieht, schon deshalb den Accept oderdie Zahlung verweigerte, gleichviel in welchem Ver-hältnisse er mit dem Aussteller steht, und obgleich erweder in dessen Solidität noch in die Aechtheit desPapiers den geringsten Zweifel setzt. Dagegen gibtder Bezogene, wenn er den Accept oder die Ein-lösung verweigert, gewöhnlich aus Schonung fürden Kredit des Ausstellers den Mangel des Avisesals Grund an und dieser wird dann auch in demProteste bemerkt. — S. übrigens den Art. Wechsel.
Berill nannte man früher einen gesärbten oderauch bunt gedruckten leichten wollenen Zeug, eineArt glatten, dünnen Flanell, der an mehreren Ortenin Deutschland verfertigt wurde. — S. Beryll.
Berkan oder Perkan, ein dichter, festgeschla-gener Wollenzeng, der ursprünglich aus bloßemKameelgarn gewebt wurde, jetzt aber meist aus starkgedrehtem, hartem, gewöhnlich dreidrähtigem Garneversertigt wird. Man hat ihn schwarz oder couleurt,in der Wolle oder im Stück gefärbt und von ver-schiedener Feinheit; doch wird er jetzt wenig mehrverfertigt, da er durch andere leichtere und wohlfeilereStoffe von schönerem Ansehen, besonders durch diemaunichfaltigen gemischten Zeuge, meist verdrängt ist;nur schwarzer zu Priesterröcken ist noch ein gang-barer Artikel. Früher verfertigte man auch, nament-lich in Brüssel und Antwerpen, halbseidene Berkane.
Berkowez, Gewicht in Rußland, s. d.
Berlin, die Hauptstadt des preußischen Staatsin der Provinz Brandenburg an der Spree in einersandigen Ebene, mit 508,000 Einw. (Ende Dezem-ber 1861 ohne Garnison), daher nach Wien diegrößte Stadt Deutschlands. Zugleich ist es eineder schönsten europäischen Städte mit fast durch-gängig regelmäßigen geraden und breiten Straßen,zahlreichen Palästen und vielen prächtigen öffent-lichen Gebäuden. Fünf wichtige Eisenbahnen mündenhier aus: die niederschlesisch-märkische, über Frank-furt an der Oder nach Breslau, die Stettiner, welchein zwei Theile, und zwar in die alte Bahn, Berlin-Stettin-Stargard und in die hinterpommer'sche undvorpommer'sche Bahn zerfällt, die Hamburger, diePotsdam - Magdeburger und die anhalt'sche über
Köthen nach Leipzig und von Jüterbogk aus nachRiesa, Dresden und Leipzig; diese Bahnen sinddurch eine um die Stadt führende Kreisbahn in un-mittelbare Verbindung mit einander gesetzt. Ver-mittelst der elektrischen Telegraphen kann man jetztvon hier aus fast nach allen an Eisenbahnen liegen-den Orten Deutschlands, der Niederlande, Belgiens,Frankreichs und Englands correspondiren. Beson-ders wichtig ist aber Berlin in neuerer Zeit durchseine Industrie geworden, denn es ist derConcentrati-onspunkt des höheren Gewerbswesens eines großenTheils der Monarchie. Es gibt hier zahlreiche Fa-briken, namentlich von Seiden-, Baumwollen-,Wollen- und gemischten Zeugen aller Art, Shawls,Fußteppichen, Leinwand, Tapeten, Leder, Papier,lackirten Blechwaaren, Maschinen (darunter dieBorsig'sche Maschinenfabrik, welche besonders vielLokomotiven verfertigt), Gold-, Silber-, Bronce-,Bijouterie- und plattirten Waaren, Porzellan (diekönigliche Fabrik, deren Erzeugniß nur durch dieMasse von der Meißner übertreffen wird, die über400 Arbeiter beschäftigt und jährlich allein 600Mark Gold verbraucht; auch verfertigt sie weißesGesundheitsgeschirr), Steingut, Oefen, Lampen,Holzbronze, Stahlfedern, Spiegelrahmen, Regen-schirme, Hüte, Tabak, Wachstuch, Wagen und Pfer-degeschirre, Instrumente aller Art, besonders Piano-fortes, Chemikalien in mehreren bedeutenden Fabriken,von Gegenständen der Photographie, Posamentir-waaren, Farbewaaren, Stärke, Liqueurs, Seife,Möbeln, Garnsärbereien, Kattundrnckereien, Wol-len- und Streichgarnspinnereien, Wachsbleichen,Zuckerraffinerien, Bierbrauereien, Branntweinbren-nereien rc. Selbst viele Handwerkswaaren werdensabriksmäßig versertigt, namentlich Manns- undFrauenkleider, Stiefeln und Schuhe, Kammwaaren,Bürsten, Pinsel, Riemer-, Tapezierer- und Täschner-waaren u. a. Noch ist zu bemerken die königlicheEisengießerei, welche jährlich gegen 30,000 Ctr. Eisenverarbeitet, und die königliche Salpeterrasfinerie,sowie die Münze; ferner als Beförderungsmittel derIndustrie: der Verein zur Beförderung der Ge-werbe in Preußen, der Seidenbauverein, der Vereinzur Beförderung des Gartenbaues, welche hier ihrenSitz haben, und die alle zwei Jahre stattfindendengroßen Gewerbeausstellungen.
Wechselpreise. Man notirt hier folgendeCourse:
auf Amsterdam.für 250 Fl. nieder!. Cour. auf 10 Tage und 2 Mt.
„ Augsburg und Frankfurt a. M. „ 100 Fl. slldd. Währung aus 2 Mt. u. darunter nach Convenienz.
„ Bremen.„ 100 Thlr. Louisd'or auf 8 Tage.
„ Hamburg. 300 Mk. Banco auf 8 Tage und 2 Mt.
„ London. 1 Pfd. Sterl. aus 3 Mt. und darunter nach Convenienz.
„ Leipzig.. 100 Thlr. im 30 Thlr.- F. auf 8 Tage und 2 Mt.
„ Pans und Lyon.„ 300 Francs auf 2 Monate.
„ Petersburg ...... „ 100 S. Rubel auf 3 Wochen und 3 Mt.
„ Warschau ....... „ 90 S. Rubel auf 8 Tage.
„ Wien ........ „ 150 Fl. Lsterr. Wahrung auf 8 Tage und 2 Mt.
Diejenigen Devisen, bei welchen zwei Sichtennotirt sind, werden unter der Bezeichnung „kurz"und „lang" gehandelt.
Von Geldsorten werden amtlich nur die Courseder Friedrichsd'or und der Louisd'or pr. 20 Stückund der Goldkronen pr. Stück notirt; der Cours derDukaten , der jedoch in der Regel auf den Cours-zetteln nicht angegeben ist, bedeutet jetzt gewöhnlich,wie in Leipzig, das Agio auf 100 Thlr. in Dukaten
ä 3 Thlr. — Außeramtlich, d. h. in den Cours-zetteln der Zeitungen gelangen indeß noch folgendeComptanten zur täglichen Notirung: Sovereigns,Napoleonsd'or, Jmperials, Dollars pr. Stück, Goldund Silber pr. Zollpfund, ferner von Noten dierussischen, polnischen und österreichischen.
Die Börse ist mit Ausnahme der Sonn- undFesttage täglich von 12 bis 2 Uhr geöffnet. JedenTag werden die Fonds- und Geldcourse, die Wech-