Band 
Erster Band.
Seite
142
JPEG-Download
 

Bibergeil

142 Bibern

Zoll breit und s / 4 —l'A Zoll dick; die meisten wiegen4—8 Loth, doch kommen sie auch bis zu 14 Loch undkleinere bis zu Loth Gewicht vor. Die äußereziemlich starke, feste Haut ist runzelig, dunkelbraunund lederartig von Farbe und läßt sich in mehrereHäute zerlegen ; im Innern befindet sich ein dichtes,schmutziggelbes Zellgewebe, in welchem das eigent-lich^ Bibergeil enthalten ist. In der Mitte istgewöhnlich eine, wahrscheinlich durch das Zusammen-trvcknen entstandene Höhle. Das Bibergeil hat imfrischen Zustande die Consistenz des Honigs; getrock-net ist es fest, brüchig, leicht zerreiblich und vonmatter, dunkelbrauner Farbe; der Geschmack istbitter, beißend und widerlich, der Geruch sehr stark,dem Schafmiste ähnlich und vielen Personen unan-genehm. Im Handel unterscheidet man 3 Sorten:russisches, moskowitisches oder polnisches,baierisches und kanadisch es oder englisches.Das russische oder moskowitische ist das besteund hat die eben erwähnten Eigenschaften; dasbaierische, welches mit besonderer Sorgfalt gesam-melt und behandelt wird und erst seit etwa 30 Jahrenin den Handel gekommen ist, steht dem russischenan Qualität selten nach; die Beutel desselben sindmehr birnförmig und der Geruch reiner und nichtso rauchig als bei letzterem. In einigen anderenLändern, namentlich in Preußen und Dänemark,wird zuweilen ebenfalls Bibergeil gewonnen, abernur in geringer Menge. Das kanadische oderenglische ist dagegen bedeutend geringer und kostetnur ohngefähr den achten Theil so viel als das rus-sische. Man hat es sogar durchgängig für nachge-macht gehalten, was jedoch nicht der Fall ist, obgleichsich häufig gefälschtes darunter befindet. Die Beutelsind kleiner und schmäler als bei dem russischen undfast birnensörmig; die Haut ist unebener, dünnerund loser und läßt sich nicht in einzelne Blätter thei-len. Die innere Masse ist orangengelb bis schwarz-bräunlich, harzartig, glänzend und nicht bröckelig,zuweilen auch talgartig; auch fehlt die Höhlung inder Mitte. Geruch und Geschmack sind wenigerstark als beim moskowitischen, aber meist etwasdumpfig und amoniakalisch. Uebrigens fällt derInhalt der einzelnen Beutel, zuweilen sogar von zweinoch zusammenhängenden, sehr verschieden aus. EineSorte in runden Beuteln, mit einer trocknen, brüchi-gen, zuweilen auch weichen Masse, welche durchsichtigund nicht mit Häuten vermischt ist, scheint ein Kunst-produkt zu sein. Die Verfälschungen des Bibergeilssind überhaupt häufig; die Beutel werden zuweilengeöffnet, Harze oder Bleistückchen hineingeschoben,oder das herausgenommene moskowitische mit kana-dischem vermischt. Man muß daher besonders dar-auf sehen, baß an den Beuteln keine Spur einerNaht ist Auch werden zuweilen die Hodensäckejunger Ziegenböcke mit einem Gemisch von Biber-geil, Ammoniakgummi und Galbanum gefüllt. —Da? Bibergeil wird vom Wasser wenig angegriffen;durch Digestion mit Weingeist aber wird eine kräf-tige, dunkelbraune Tinktur, Bibergeiltinktur,aus demselben gezogen, die in der Medizin gebrauchtwird; ätherisch nennt man sie, wenn sie mitSchwefelätherweingeist bereitet ist. Seine Bestand-theile sind hauptsächlich: ätherisches Biber-geilöl, gelblichweiß, schwerer als Wasser und mitdurchdringendem Bibergeilgernch;Bibergeilharz,von bräunlicher Farbe, schwach nach Bibergeil rie-chend und fast geschmacklos; Castorin, eine weiße,körnige, zuweilen krystallinische, zerreibliche, wachs-

artige Masse mit schwachem Bibergeilgeruch; C a st o -rinsäure, Cholesterin; außerdem Gallenstein-fett, viel kohlensaurer Kalk und mehrere andereorganische und unorganische Substanzen. Dasmoskowitische Bibergeil kommt aus Petersburg,Moskau und Archangel; das kanadische, welchesausschließlich durch die Hudsonsbaicompagnie in denHandel gebracht wird, über London, Amsterdam undHamburg. Man benutzt es in der Medizin alsnervenerrcgendes, das russische besonders als anti-hystensches Mittel; außerdem wird es zu manchenParsümerien und zuweilen auch als Köder beimFange wilder Thiere gebraucht.

Bibergeilfett, Axungia Castorei, dasweiße, geruchlose Fett, welches in zwei kleinen Beu-teln neben den Bibergeilbeuteln, an denen sie zuwei-len noch hängen, enthalten ist, wurde früher in derMedizin gebraucht.

Biberhaar oder Castorhaar, die abgeschnitte-nen Haare der als Pelzwerk nicht brauchbaren Biber-felle, welche zu feinen Mannshüten, zuweilen auchzu Mützen, Handschuhen re. verarbeitet werden.Das beste Haar ist das vom Rücken und Bauche desBibers. Das meiste kommt aus Kanada durch dieHudsonsbaicompagnie; das russische ist etwas kürzer,aber feiner. Man unterscheidet fettes geschnit-tenes und mageres gekämmtes, und bezieht esvon London und Amsterdam.

Bibernell, Pimpinell, weißer, gemeineroder Steinbibernell, Pimpinella saxifraga,eine auf trocknen Wiesen und Hügeln wachsendeDoldenpflanze, mit gefiederten, rundlichen, nach denEnden des Stengels schmäler werdenden Blätternund ausdauernder Wurzel, welche mehrere ohn-gefähr fußhohe, glatte oder wenig behaarte Stengeltreibt. Besonders die Wurzel, Radix Pimpinelkealbae, wird in der Medizin als kräftiges Reizmittelin mehreren Krankheiten gebraucht; sie ist spindel-förmig, dünn mit kleinen Fibern, lang, fingersdick,außen gelb, innen weiß, hat frisch einen schwach aro-matischen, dem des Ziegenbocks Ähnlichen Geruch,einen anfangs süßlichen, dann brennend scharfen Ge-schmack, derauchbeisorgfältigemTrocknen bleibt, undenthält ätherisches Oel, Gummi, Harz, Stärkemehl,Zucker, Eiweiß, Extractivstoffe, Säuren und Salze.Auch wird eine Tinktur, sowie ein weiniger und einwässeriger hellbrauner Extract, zweiter Consistenz. vonsüßlich stechendem Geschmack, der den Geruch der Wur-zel hat, daraus bereitet. Sie wird ferner zur Likör-fabrikation gebraucht, indem man den Branntweindamit blau färbt. Ehemals führte man in denApotheken auch Rad. Pimpinellae nigrae, von derPimpinella magna, die aber viel schwächer ist unddaher selten mehr gebraucht wird. Das Kraut,Herba Pimpinellae, wird ebenfalls zuweilen in derMedizin gebraucht.

Wichet, ehemaliges Getreidemaß in den Schwei-zerkantonen Genf und Freiburg, auch in Frankreichund Belgien.

Bickbeeren oder Bickelbeeren, s. Heidel-beeren.

Biconcia oder Bicongio, ehemaliges Wein-maß in Venedig, s. d.

Bidery ist eine Mischung von 117 Zink, 16 Ku-pfer, 4 Blei und 2 Zinn (n. Andern 123,« Zink,4,8 Kupfer, 4,,« Blei), aus der man in Ostindienschöne Geschirre, Vasen, Teller, Becher rc. verfertigtMan färbt sie schwarz, indem man sie in eine Auf-lösung von Salmiak, Salpeter, Kochsalz und blauem