Bordeauxweine
Bordeaux 169
ergebt sich halbmondförmig um den Fluß, welcher«neu Hafen bildet, in dem mehr als tausend SchiffeRaum haben. Es gibt mehrere schöne Plätze, öffent-nche Spaziergänge, Kirchen, Spitäler, Theater undandere öffentliche Gebäude, auch ist hier eine wissen-schaftliche und theologische Fakultät, ein theologischesSeminar, eine medizinische Secondarfchule, einMuseum, eine Nationalschule für Taubstumme, eineElementarnormalschnle, eine Malerei- und Zeichnen-schule, Gymnasien, eine öffentliche Bibliothek vonli5,000 Bänden, eine Börse, Handelskammer undHandelsgericht, viele Versicherungsanstalten, Schiffs-werfte ic. Bordeaux besitzt Woll- und Banmwoll-spinnereien, Zuckerrasfinerien, Korkjchneidereien,Salpetersiedereien, Eisengießereien, Metall- undSchriftgießereien, Stahlmanufakturen, Essigbraue-reien, viele Destillirkammern, 13 Typographien,Töpfereien, Ziegeleien, Gerbereien, «Seilereien,zahlreiche Fabriken von Branntwein, Likören (na-mentlich der berühmte und in Frankreich sehr be-liebte Anisette de Bordeaux), gedruckten Jndiennes,Pergament, Glas, Fayence, Maschinen, Jagd- undRollenblei, Handschuhen, Toiles mätalliques, Con-serven, chemischen Produkten, Tabak und Seezwie-back. Einer besonderen Erwähnung verdient dieprachtvolle Teppichmanufaktur von Larroque undJaquemet, ebenso die englische Porzellan- und Tops-waarenfabrik, gegründet von David Johnston. DerHandel von Bordeaux ist, wenngleich in neuererZeit von Havre und Marseille überflügelt, von gro-ßer Bedeutung und für Colonialwaaren ist seinHandelshafen der erste im Süden des Reiches.Bordeaux ist der Mittelpunkt des Wein- undBranntweinhandels von ganz Westsrankreich undvon einem großen Theil des südlichen und mittlernFrankreichs. Von Wein wurden im Jahre 186259,744,480 Litres, von Branntwein, Spiritus undLikör (reiner Alkoholgehalt) 4,904,574 Litresexportirt; die stärksten Versendungen gehen meistnach Großbritannien, nach den Hansestädten, nachHolland, Belgien, den Vereinigten Staaten vonNordamerika, Preußen, den russischen Ostseehäsen,nach Mauritius, Reunion und Madagaskar, Riode la Plata, Uruguay und Brasilien. Außerdemwerden ausgeführt: Maschinen, Steinkohlen,frische, eingemachte und getrocknete Früchte, Leder-waaren, Glas- und Porzellanwaaren, Oele undOelkuchen, Sämereien, Gummi, Garance, Mann-facte re. Die wichtigsten Artikel der Einfuhr sind:Colonialwaaren, Steinkohlen, Farbhölzer, Stab-und Bauholz, Metalle, rohes Eisen, Gußeisen undSchienen, Guano, gesalzene Fische, frische und ge-trocknete Häute, Käse, Spiritus und Rum. DerGesammtwerth der Ein- und Ausfuhr betrug 1860277^ Mill. Franken, 1861 eine ähnliche Summe,1862 sogar 318V- Mill. Franken. Von fremdenSchissen liefen im letztgenannten Jahre in denHafen von Bordeaux 912 von 239,344 Tonnen-gehall ein, worunter 512 englische, 72 norwegische,43 Nordamerikanische, 73 holländische, 60 preußische,45 spanische, 18 schwedische, 23 russische und 20österreichische. Französische Schiffe kamen 1032tnel. Küstenfahrer an; eine ähnliche Anzahl ist ab-gegangen. Die regelmäßigen Dampsschiffsahrtennach England, Holland, Belgien, Hamburg undselbst Rußland, bereiten den Segelschiffen, welchesonst diese bedeutendsten Verbindungen allein unter-hielten, sehr erheblichen Abbruch. Der Dampf-schiffsdienst zwischen Bordeaux und Brasilien erfreut
sich des günstigsten Gedeihens und wird der eng-lischen Linie in jeder Beziehung von den Reisendenvorgezogen. Je am 25. des Monats gehen Dampfernach Brasilien und den Laplatastaaten ab. Durchdiese Verbindung gewinnt der Waarenverkehr eineerhebliche Ausdehnung. — Es werden jährlich am1. März und 15. October zwei Messen gehalten,welche 15 Tage dauern.
Wechselcourse im Wesentlichen wie Paris.
Banken. 1) Die im Jahre 1818 als selbststän-diges Institut gegründete Bank wurde 1849 durcheine Filiale der Pariser Bank von Frankreich ersetzt;2) ein Discompte-Comptoir.
Platzgebräuche. Die Verkäufe geschehen inder Regel entweder gegen baar oder auf 2 bis 3 Mo-nate Zeit; in letzterem Falle kann mit 5% pr. annodiscontirt werden. Wein und Branntwein werdenin jeder Quantität gegen baar ohne Disconto ver-kauft und zwar: Wein pr. Tonueau (Faß) zu4 Barriques (Oxhoft) ä 228 Liters; Branntweinpr. Hektoliter. Der Preis des Spiritus versteht sichimmer für die Stärke von irois sixiemes ( s /b)i was86 Grad nach Gay-Lüssac oder (für die Praxis demgleich anzunehmen) 86 °/ 0 nach Tralles beträgt.Die holländische Probe bedeutet 19", die Londoner23", die amerikanische 24" Cartier. Der Weizenwird sehr ost nach dem Psunde (Livre) mit 1%Escompte gegen baar verkauft; 1 % erhält Der-jenige, welcher die Waare verschafft, und 1"/o Der-jenige, welcher den Verkauf besorgt. Bei Terpentinversteht sich der Preis für 4 Barriques, bei Terpen-tinöl für 70 Kilogr., bei Leberthran für 55 Kilogr.,bei Rübsamen pr. Hektoliter von 62 Kilogr., beiLeinsamen pr. Heltol. von. 67 Kilogr., bei Mehl inFässern pr. Faß von 88 Kilogr. Bei mehrerenWaaren ist ein abweichendes Gutgewicht (Don, Trait)üblich. — Platzwechsel, welche in weniger als 30 Ta-gen zahlbar sind, gelten allgemein für baares Geld,wenn beim Abschluß des Geschäfts nicht ausdrücklichMünze ausbedungen ist. — Wechsel - CommissionV 2 °/o. Provisionsgebühr wird bei Geschäften mitFranzosen 2 %, mit Ausländern 2V 2 °/o berechnet.Die Courtage beträgt auf Wein und Spiritussen2 % vom Verkäufer, auf die andern Waaren y s %vom Käufer; auf Wechsel Vb %, aus Platzwechselaber V»"/» von jeder Seite.
Rechnung, Münzen, Maße und Gewichtes. Frankreich.
Bordeauxweine nennt man im Allgemeinen diein dem französischen Departement der Gironde undauch zuweilen noch die in einigen nahegelegenenGegenden erzeugten rothen und weißen Weine.Dieser kleine Theil Frankreichs liesert verhältniß-mäßig den meisten Wein, denn die Quantität dessel-ben macht fast den 12. Theil der Gesammtproduktiondes ganzen Landes aus. Die Bordeauxweine stehenzwar im Allgemeinen denen aus mehreren anderenGegenden Frankreichs, namentlich den Burgunder,nach; demohngeachtet gehören die besseren Sortenmit zu den vorzüglichsten Weinen des Landes.Besonders haben sie meist den Vorzug, daß fw leyrgut die weite Versendung vertragen und der s -transport sie sogar verbessert, weshalb -n-n s-e zu-weilen eine weite Seereise bis zenieits de g ,machen und wieder zurückkommen laßt. H P
sind si? sehr baltbar weil der dann enthaltene Älko-kol mit ÄuWm Theilen sehr innig verbundenist und daher nicht so leicht verfingt, ^^^lenanderen Weinen. Die gewohnlrchen rothen Weine