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Erster Band.
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Briefwechsrl

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Briefwechsel

aller Weitschweifigkeiten und nicht zur Sache gehö-renden Dinge, ohne darin jedoch zu weit zu gehenund in unverständlichen oder unbestimmten Lakonis-mus auszuarten; 4) Klarheit und Bestimmt-heit aller Angaben, Erwähnung alles dessen,was der Empfänger des Brieses wissen muß, undgeordnete, übersichtliche Darstellung; 5) Vorsichtin der Wahl der Ausdrücke und Vermeidungalles dessen, was zu Zweideutigkeiten oder Mißver-ständnissen Anlaß geben, oder in einem beleidigendenSinne ansgelegt werden kann;6)Anwendungdergebräuchlichen kaufmännischen und ausfremden Sprachen aufgenommenen Aus-drücke, jedoch mit Beschränkung auf die noth-wendigen und wirklich allgemein üblichen.— Das erste und wichtigste Erforderniß, um einenrichtigen und guten Br'res zu schreiben, ist immereine genaue Bekanntschaft mit dem Gegenstände,über den man schreibt, und man wird daher nurdann jener Anforderung mit Leichtigkeit und Sicher-heit entsprechen können, wenn man das Geschäft,das der Brief betrifft, in allen seinen Theilen hin-länglich kennt. Ein junger Mann, der in ein neues,ihm mehr oder weniger fremdes Geschäft kommt,wird daher in der Regel nicht sogleich im Standefein, alle vorkommenden Briese gut und zur Zufrie-denheit des Prinzipals zu schreiben, unj er mußsich daher vor Allem bemühen, die nöthige Einsichtrn das Geschäft und in die Art seiner Führung zuerlangen. Aber es ist auch in vielen Fällen nöthig,daß man einigermaßen mit der Persönlichkeit undden Eigenthümlichkeiten der Personen, an die manzu schreiben hat, sowie mit dem Verhältnisse, in demdas Haus mit ihnen steht, bekannt ist. Besondersnothwendig ist diese Bekanntschaft, wenn man überverwickelte oder streitige Angelegenheiten zu corre-spondiren hat, und Briefe dieser Art können daherauch eigentlich nur von dem Prinzipal selbst odervon einem längere Zeit im Geschäft angestelltenCommis, der besonders den Ursprung und den Her-gang der Angelegenheit kennt, geschrieben werden. —Nächst der Bekanntschaft mit dem Gegenstände istdie richtige, deutliche, verständliche und unzweideu-tige Darstellung das Wichtigste. Sie ist zum Theilauf jene gegründet; aber der Brief muß auch so ge-schrieben sein, daß Derjenige, an den er gerichtet ist,nicht den geringsten Zweifel über das haben kaun,was der Schreiber sagen will, und daß er sogleichnach nur einmaligem aufmerksamem Durchleseudarüber unterrichtet ist. Der Schreiber muß dabeiimmer bedenken, daß der Leser eine Menge Dingenicht weiß, die ihm bekannt sind, und er muß seineDarstellung danach einrichten. Auch ist es in vielenFällen nöthig, daß er den Bildungsgrad des Adres-saten einigermaßen kennt, damit er Ausdrücke undWendungen vermeidet, welche diesem unverständlichsein könnten, und manche Dinge, um Mißverständ-stlsfe zu vermeiden, etwas ausführlicher und deut-licher bespricht, als es sonst vielleicht nöthig wäre.Zur Richtigkeit der Darstellung gehört auch, daß sieerschöpfend ist und daß in dem Briefe Alles gesagtfst, was der Adressat zu wissen nöthig hat, damit erüber Nichts in Zweisel bleibt und Nichts zu errathenbraucht. Um allen diesen Erfordernissen in Bezugauf die Darstellung genügen zu können, muß der^riefschreiber, wie schon erwähnt, die Gabe besitzen,seine Gedanken in den richtigen, treffenden WortenAuszudrücken und sie auch in der gehörigen logischenOrdnung und Reihenfolge niederzuschreiben, zu wel-

chem Ende er sie immer, schon ehe er den Brief an-sängt, im Geiste in die nöthige Ordnung bringenmuß. Er muß dies aber auch mit einer gewissenLeichtigkeit zu thun im Stande sein, damit er Allesrichtig und fließend niederschreiben kann, ohne sichlange zu besinnen. Diese Fertigkeit erwirbt man sich ambesten durch Uebung, durch aufmerksames Lesen gut-geschriebener Briefe und Bücher, durch den Umgangmit wahrhaft gebildeten Personen, und sie wirdunterstützt durch natürliche Anlage und einen offe-nen Kops und durch guten Schulunterricht. Zweck-mäßige Kürze und Bündigkeit trägt in der Regeldazu bei, die Darstellung auch klarer und verständ-licher zu machen, denn überflüssige Weitschweifig-keiten erschweren oft das Verstehen und können über-dies leicht einen sreulden Sinn in die Sätze bringen,den mau ihnen nicht hat geben wollen. Auch um sichselbst beim Schreiben, sowie dem Adressaten beim LesenZeit zu ersparen, welche im Laufe der Geschäfte meistsehr karg zugemessen ist, ist möglichste Kürze beimBriesschreiben zu empfehlen. Natürlich muß aberdamit das richtige Maß eingehalten werden, damitman nicht unverständlich wird. — Zur Klarheit derDarstellung gehört ferner die Vorsicht in der Wahlder Worte und Ausdrücke insofern, als man dadurchalle Zweideutigkeiten und Mißverständnisse vermei-det. Aber diese Vorsicht ist besonders auch nöthig,um sich vor Nachtheilen zu bewahren, welche dieUnterlassung derselben leicht zur Folge haben kaun.Schon beim Sprechen muß der Kaufmann die größteUmsicht beobachten, um nichts zu sagen, was ihmnachtheilig werden kann; noch viel nothwendigeraber ist dies beim Schreiben, denn jedes geschriebeneWort ist festgestellt, es kann nicht zurückgenommenwerden und der Schreiber oder Derjenige, in dessenNamen es geschrieben worden ist und der es unter-zeichnet hat, muß es zu jeder Zeit vertreten. Mandarf überhaupt nichts schreiben, wodurch man etwasanerkennt, was noch nicht ganz gewiß oder wirklicheingetreten ist, oder wodurch man eine Verpflichtungübernimmt, die man nicht übernehmen will odernicht zu übernehmen nöthig hat, und für viele Fällegibt es sogar gewisse allgemein gebräuchliche Redens-arten, durch welche der nöthige Vorbehalt ausge-drückt wird. So sagt man immer, wenn manJemandem den Empfang eines noch nicht fälligenWechsels oder einer Anweisung anzeigt, man habeihm den Betrag „unter Vorbehalt des Eingangs"oder „des unbezweifelten Eingangs" oder auch nur„unter üblichem Vorbehalt" gutgeschrieben; ebensoversichert man die Gutschrift einer berechneten abernoch nicht eingegangenen Waarensendung ebenfallsnur „unter Vorbehalt des Richtigfindens", oder„nach richtigem Empfang", „nach Richtigfinden" rc.Wenn man Jemandem Waarenpreise anzeigt, setztman in der Regel hinzu: „ohne Verbindlichkeit",d. h. ohne daß man die Verpflichtung übernimmt,die Preise bei Empfang der Antwort noch zu bewil-ligen; oder was damit gleichbedeutend ist: „wasfrei", d. h. man wird nur das abgeben, was beiEmpfang der Antwort noch vorhanden, noch nichtanderweit verkauft oder versagt ist, oder was manzu dem gemeldeten Preise dann noch geben kann undwill. Gibt man Jemandem in Folge seiner AnfrageAuskunft über die Umstände oder die Solidität einesDritten, so fügt man die Bemerkung : „ohne meineVerbindlichkeit", oder: „ohne meine PräMiz" hin-zu, oder man bittet, die Auskunft ,whne Nachtheilfür mich" zu benutzen u. s. f. Die Vorsicht rn der