Band 
Erster Band.
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196
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Brillen

Briefwechsel 196

und ebenso einen Agenten auf einem auswärtigenPlatze muß man immer von den eintretenden Ver-änderungen in den Preisen der Waaren, auf die erBestellungen aufnehmen soll, und überhaupt vondem Gange des Geschäfts, sowie auch von den Quan-titäten , die man von den Waaren besitzt und die erfest verkaufen kann, unterrichten; desgleichen mußman ihm von neuen Waarenartikeln, die man erhal-ten hat, Proben übersenden, wenn das Geschäft vonder Art ist, daß er danach verkauft. Ferner mußder Reisende davon benachrichtigt werden, wenn dieGeschäftssrennde, die er zu besuchen hat, seit seinerAbreise Waaren erhalten oder Zahlungen geleistethaben, damit er über das Schuldverhältniß mit ihnenimmer genau unterrichtet ist. Die Briese undMusterpackete schickt man ihm gewöhnlich postrestantnach einem Orte, nachdem er in Kurzem kommt,oder unter Adresse eines dasigen Geschäftsfreundes,den er besucht. Die Hauptsache dabei ist, daß er dieBriese so bald als möglich erhält, daß sie ihn aberauch nicht verfehlen, und man muß daher so genauals möglich berechnen, an welchem Tage er nach die-sem oder jenem Orte kommen wird. Der Reisendemuß in jedem seiner Briese angeben, wann er anmehreren später zu berührenden Orten eintreffenwird; an diesen muß er jedenfalls sogleich nach seinerAnkunft aus der Post nach Briefen fragen und wennkeine angekommen sind, es bestellen, wohin ihm späteretwa noch eintreffende nachgeschickt werden sollen.Er muß seinem Hanse von den Geschäften, die erabgeschlossen, und von den Zahlungen, die er erhaltenhat, rechtzeitig und ausführlich Nachricht geben, auchihm über Alles Bericht erstatten, was er über denGang des Geschäfts, über die Verhältnisse der Ge-schäftsfreunde erfährt und was sonst Interesse fürdas Haus hat. Er muß deshalb wenigstens einmal,oft aber auch mehrere Btale in der Woche nach Hansschreiben, je nachdem es die Geschäftsangelegenheitenund die Berichte, die er zu geben hat, erfordern. Inseinen Briefen sei er zwar stets höflich und artig,vermeide aber alle überflüssigen Weitschweifigkeitenund leere Worte, und wenn Meinungsverschieden-heiten stattfinden sollten, hüte er sich vor einem ab-sprechenden , anmaßenden Tone und überhaupt vorAllem, was zu Streit oder anderen Unannehmlich-keiten führen könnte. —Ueber das was ein Reisendersonst noch zu beobachten hat, wird in dem ArtikelReisender ausführlich die Rede sein.

12) Bewerbungen um Anstellung. Wennein Commis an ein Haus schreibt, um sich bei dem-selben um eine Anstellung zu bewerben, hat er inseinem Briefe besonders anzugeben, bei wem und inwelcher Eigenschaft er bisher angestellt gewesen ist,wo er gelernt hat und was er zu leisten vermag. Ermuß dies zwar mit der nöthigen Ausführlichkeit thun,sich aber dabei vor unnöthiger Weitschweifigkeit hütenund überhaupt nicht zu viel schreiben, denn dasDurchlesen eines zu langen Briefes wird manchemPrinzipal schon lästig. Auch muß man zwar Allesanführen was man leisten kann, aber dabei dasSelbstlob vermeiden, welches den Leser des Briefeseher ungünstig als günstig stimmen wird. Man be-ziehe sich besonders auf die Zeugnisse, die man vonseinen früheren Prinzipalen erhalten hat und vondenen man Abschriften beilegt; kann man sich ausein Handlungshaus am Wohnorte des Adressatenberufen, bei welchem dieser sich erkundigen kann, so.wird man dadurch gewöhnlich seinen Zweck nochbesser erreichen. Es versteht sich von selbst, daß Alles

was man von sich sagt, vollkommen der Wahrheitgemäß sein muß, sowie auch, daß solche Briese imTone der größten Artigkeit und überhaupt mit dernöthigen Sorgfalt abgefaßt werden müssen, damitsie in keiner Hinsicht einen ungünstigen Eindruck ma-chen ; besonders muß man darin einen bescheidenenund anspruchlosen Ton beobachten. Von großerWichtigkeit ist auch die Handschrift, denn sie ist dasErste was der Leser des Briefes sieht und wonach ersich oft schon ein Urtheil über den Schreiber desselbenbildet. Dieser darf aber mit der Handschrift nichtkünsteln, was man ihr sogleich ansehen und was da-her seinen Zweck verfehlen würde.

Briegsche Leinwand nennt man eine gute,dauerhafte Hausleinwand, die von den Landleutenin der Gegend zwischen Brieg und Oppeln gewebtund meist nach Breslau zum Verlauf gebracht wird-Sie ist gewöhnlich in Stücken von 12—15 Ellen und% Ellen Breite und ist in Rollen gelegt.

Brienzlinge, eine Art kleiner Fische, die imBrienzer See in der Schweiz gefangen und an Fä-den gereiht und getrocknet verkauft werden.

Brigadis nennt man in Frankreich Schaffelle,die nach Art des Rehleders zubereitet sind und be-sonders zu Handschuhen verarbeitet werden.

Brigg oder Brigg schiff wird ein Handelsschiffmit 2 Masten und einem Bugspriet genannt, dasnur ein Verdeck und keine Hütte hat und gewöhnlichhinten breit gebaut ist. Es wird auch zuweilen alsKriegsschiff verwendet und erhält dann 10—20 undauch mehr Kanonen. Auf dem Mittelmeere werdenauch dreimastige Briggs angewendet, welche Ruthen-segel, 10—15 Ruderbänke an jeder Seite haben undeine Art kleiner Galeeren bilden.

Brillanett,j s

Brillant, j ß Diamant.

Brillants nannte man früher eine Art glänzendappretirte wollene Zeuge, die zu Beinkleidern ge-braucht wurden.

Brillanttafft hieß ein Tafft mit kleinen vier-eckigen eingewebten Mustern, der früher verfertigtwurde.

Brillen oder Augengläser sind runde geschlif-fene Gläser mit einer Einfassung oder einem Gestellevon Gold, Silber, Neusilber, Stahl, Messing,Schildkrot, Horn, Fischbein und dgl., welche denZweck haben, die Sehkraft der Augen zu unterstützenund auch selbst zu verbessern. Sie zerfallen beson-ders in 2 Arten: mit erhaben geschliffenen (con-vexen) und mit hohl geschliffenen (concaven)Gläsern. Die ersteren vergrößern die Gegenständeeigentlich und dienen für solche Augen, besondersbejahrter Personen, welche in der Nähe schlechtersehen als in der Ferne (weitsichtige), wogegendie letztere Art, welche die Gegenstände verkleinert,aber die Umrisse schärfer und deutlicher macht, vonkurzsichtigen Personen gebraucht wird, die in derNähe besser sehen als in der Ferne. Der Grad derConcavität und Convexität der Gläser muß sich'wenn eine Brille passen soll, immer nach dem Augerichten, für das sie bestimmt ist, und eigentlich mußsie die Gegenstände weder verkleinern noch vergib'ßern, sondern nur deutlicher erscheinen lassen. IWeine gute Brille für den eigenen Gebrauch zu er-halten, muß man sich daher an einen geschickten undwissenschaftlich gebildeten Mechaniker oder Optikerwenden, welcher das Auge gehörig zu prüfen unvdanach die passenden Gläser auszuwählen versteht.Zuweilen sind auch die beiden Augen eines Menschen