Broglio
198
Brombeeren
Gegenstände des Importes find: Schafwolle, Talg,Brennöle, Rohhäute, Leder, Pelzwerk und Hafen-bälge.
Rechnungsart. Im Großhandel rechnet manbei der Nähe der russischen Grenze nach Silberrubelnzu 100 Kopeken wie in Rußland. Die Behörden je-doch rechnen nach österreichischer Währung.
Course, nach Wien; der Wechselverkehr mit Wien,Leipzig, Breslau, Berlin, Paris, London, Odessa undBerdyczew ist bedeutend.
Wechselrecht. Es gilt hier wie in Oesterreich dieallgemeine deutsche Wechselordnung.
Platzgebräuche. Safran, Cochenille, Vanille,Indigo, Rhabarber, Bleiweiß, Arsenik, Zinnober wer-den zu 1 Wiener Pfund; Wachs, Honig, Hanf, Oel,Talg; Wolle pr. Pud, der Pud zu 40 russischen —2972 Wiener Pfund gerechnet; Rohhäute pr. Paar,Hasenbälge pr. 100 Stück verkauft.
Handelsanstalten. Brody hat eine im Jahre1850 gegründete Handels- und Gewerbekammer undist in Handels- und Wechselsachen dem Kreisgerichtein Zloczow zuständig.
Münzen, Maße und Gewichte wie in Oester-reich und Rußland.
Broglio, ein guter leichter weißer Wein aus Tos-cana, der dem Muskateller ähnlich ist.
Brogne sind kleine buntfarbige Muscheln, die ander Nordküste von Sicilien gefunden und zu aller-hand zierlichen Dingen, wie Ringsteinen, Knöpfen,Kämmen und dgl. verarbeitet werden.
Brovmkapern, s. Ginster, großer.
Brorhan heißt ein weißes, süßes Bier, das be-sonders in Braunschweig und Hannover sehr beliebtist und aus Weizen- und Gerstenlnftmalz gebrautwird. Es hat seinen Namen nach dem Erfinder,einem Braumeister aus Stöcken bei Hannover, er-halten.
Brokat oder Gold- und Silberstoff, Drapd’or und Drap d’argent, nennt man starke,schwere seidene Stoffe mit eingewirkten goldnen undsilbernen Blumen, Figuren rc., die früher zu Hau-be», Frauenkleidern, Westen gebraucht wurden unddie jetzt noch besonders zu Meßgewändern und an-deren Kirchenornaten verwendet werden. Bei diesenist oft der ganze Grund von Gold und die eingewirk-ten Figuren von Lahn, Silber, farbiger Seide rc.Dergleichen besonders reiche Stosse werden auch Fondd’or genannt. Man verfertigt sie in Lyon, Tours,Paris, Venedig, Genua, Wien, Baireuth rc., und esgeht auch viel davon nach Amerika.
Brokatell oder Brocadell, ein dicker Stoffaus Seide und Baumwolle und zuweilen auch ausBaumwolle allein, mit eingewebten Blumen undFiguren, den man besonders früher zu Tapeten,Vorhängen und Draperien verwendete. Er wurdevorzüglich in Mailand, Genua, Neapel rc. ver-fertigt.
Brokatellmarmor nennt man zuweilen einenMarmor mit rothen, gelben und blauen Flecken undZeichnungen.
Brom, Bromium, Bromum oder Broma, ein ein-facher Stoff, nahestehend dem Jod, der sich mit die-sem besonders im Meerwasser, im Tang und ande-ren Seegewächsen, in den Badeschwämmen und invielen Salzquellen findet und daraus dargestellt wird.Er ist bei gewöhnlicher Temperatur flüssig, braun-roth von Farbe, in dünnen Lagen aber schön feuer-roth durchscheinend, von widrigem Geschmack, durch-dringendem, chlorähnlichem Geruch, sehr flüchtig und
einen gelbbraunen Dampf verbreitend, in dem eineFlamme verlöscht; sein specifisches Gewicht ist 2,oo;
Es siedet schon bei + 36° Rsaum. und erstarrt bei— 16° zu einer krystallinischen blätterigen, metallisch jglänzenden Masse. Es greift organische Körper heftig ian, indem es sie erst gelb, später braun färbt, undzerstört die Haut unter heftiger Entzündung, daher ses wie ein zerstörendes Gift wirkt. Die Verbindungmit Phosphor und einigen Metallen geschieht unterFeuererscheinung. Man bereitet es besonders aus derKreuznacher Mutterlauge und bewahrt es wegen sei-ner großen Flüchtigkeit unter Wasser aus. Es hatöftere Anwendung in der Medizin gefunden, auchals desinficirendes Mittel zur Zerstörung von Mias-men hat man es empfohlen. Bon den verschiedenenVerbindungen, die es mit anderen Körpern eingeht,wird jetzt das Bromkalium, Bromnatriumund Bromquecksilber zuweilen in der Medizin,die beiden ersteren auch bei der Photographie benutzt.Dort wendet man auch das Bromkadnium an,feine, weiße, zerfließliche Krystallblättchen, die sich inAlkohol leicht lösen; eben so das Bromammonium,Bromlithium, Brommagnesium, Bromzink, Brom-calcium, Brom-Jod. Mit dem Ammonium geht dasBrom eine doppelte Verbindung ein, als bromsaures !und hydrobromsanres Ammoniak. Das Brom-Ba- !rium bildet glänzende Krystalltafeln, leicht löslich inWasser und Alkohol. (Wir verweisen auf die ArtikelKali, Natron und Quecksilber). Die Brom-metalle, welche durch Verbindung der Bromwasser-stoffsäure mit den Metalloxyden entstehen, bilden sichmeist unter Entzündung. Durch Einwirkung von ;Weingeist, Phosphor auf Brom entsteht Brom- 1wasserstosfäther; es ist sehr flüchtig, wafferhellund riecht nach Aether. >
Bromammonium, s. Ammoniak, bromwasser-stoffsaures.
Bromarsen, Arsenbromür, Arsenicum bra-matam , bildet feste, weiße Krystalle, die flüchtig sindund sich schmelzen lassen, in Wasser sich sehr leichtmit rother Färbung lösen. Wird Brom und Ar-senik mit einander destillirt, so bekommt man eineäußerst giftige Flüßigkeit, die wafferhell ist, in Aether,Alkohol und Oelen sich löst und an der Luft raucht,Bromarsenik. Beide Präparate werden, jedochselten, in der Medizin angewendet.
Brombeeren oder Kratzbeeren, die glänzendschwarzen, süßsäuerlichen Beersrüchte von Bnbusfructieosus , eines bekannten, fast in ganz Europain trocknen Wäldern, auf sonnigen Hügeln und inHecken waäffenden Strauchs. Die Beeren, Bndinigri , werden roh und zuweilen auch gesotten ge-gessen und können auch zur Verfertigung von Wem,Essig und Branntwein benutzt werden; in Frank-reich werden sie zuweilen zum Färben des Weinesverwendet. Früher wurden sie, sowie auch die jun-gen Triebe, Blätter, Blüthen und Wurzeln in derMedizin gebraucht. Aus den Beeren wird noch jetztein Sirup bereitet, welcher als Zusatz zu Arzneiengenommen wird. Die ganze Pflanze enthält vielGerbstoff und man hat sie auch schon zum Gerbenverwendet, indem mau die getrockneten Blätter,Stengel, Aeste und Wurzeln auf der Lohmühle ge-mahlen und wie Eichenrinde angewendet hat. DerStrauch hat ein zähes Holz, das sich auch zur Schisß-pulverfabrikation verwenden läßt. Es gibt vieleArten davon, unter denen die norwegische BroM-beerein England, Norwegen, Schweden ErwähnrMgverdient. Sie wird gegen den Skorbut gebraucht,