Band 
Erster Band.
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Buchhaltung

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Buchhandel

Ordnungsmäßig geführte Handelsbücher liefern bei Streitigkeiten über Handelssachen unter Kauf-leuten in der Regel einen unvollständigen Beweis, welcher durch den Eid oder durch andere Beweismittelergänzt werden kann.

Die Eintragungen in die Handelsbücher können, unbeschadet ihrer Beweiskraft, durch Handlungs-gehülfen bewirkt werden.

Außer der gewöhnlichen einfachen und der eigentlichen doppelten italienischen Buchhaltung, die wirso ausführlich erklärt haben, als der Raum es uns gestattete, sind in der neueren Zeit mehrere Buchhal-tungsfhsteme erfunden und bekannt gemacht worden, von denen diejenigen, denen die doppelte Form zumGrunde gelegt ist, meist den Zweck haben, das Journal entbehrlich zu machen. Unter diesen ist besondersdie deutsche Buchhaltung von S. G. Meisner hervorzuheben, welche der Erfinder im Jahre 1803bekannt machte und die ziemlich häufige Anwendung gefunden hat. Nach derselben werden die einzelnenPosten unmittelbar aus dem Memorial, in welches auch die Cassenposten kommen, ins Hauptbuch über-tragen, auf dessen Conten daher die Vorfalle einzeln spezificirt sind, wodurch auch das Contocorrentbucherspart wird. Im Hauptbuch erhält jeder einzelne Waarenartikel, die Wechsel, die einzelnen Staatspapiereund Actien, die Zinsen, Agio, Handlungsunkosten rc., ein Conto, sowie auch die Lasse, obgleich auch einbesonderes Cassabuch gesührt werden kann, dessen Inhalt mit dem Cassaconto im Hauptbuche gleich-lautend sein würde, nur mit dem Unterschiede, daß es am Ende jedes Monats abgeschlossen werden konnte,was mit letzterem nicht geschieht. Das Hauptbuch erhält dadurch allerdings, besonders in großenGeschäften, eine bedeutende Menge Conten, durch welche es sehr voluminös wird; aber die einzelnen Contensollen zugleich das Waarenscontro und die übrigen Scontri, wenigstens zum Theil, ersetzen, denn wennnoch ein Waarenscontro geführt wird, soll dasselbe nur die Quantitäten, nicht die Preise enthalten. Mankann daher sehr leicht die vielen Conten ini Hauptbnche vermeiden, wenn man darin nur ein allgemeinesWaarenconto, ein Staatspapierconto, ein Actiencvnto rc. führt und dagegen im Waarenscontro die Preisebeifügt und auch ein Scontro über die Staatspapiere und Actien hat. Eine eigenthümliche Einrichtunghat das Meisnersche Memorial, indem auf der linken Seite alle Debetposten und aus der rechten alleCreditposten stehen, so daß immer jeder Debitor seinen Creditor und umgekehrt, gegenüber hat. BeideSeiten, welche natürlich immer gleiche Summen geben müssen, werden bis zum Schlüsse des Monatssnmmirt und transportirt. In das Hauptbuch kann zu jeder Zeit übertragen werden; am Schlüsse desMonats aber werden die sämmtlichen, während desselben übertragenen Posten in einer Monatsbilanz zu-sammengestellt, deren Debet- und Creditsumme auch sowohl unter sich, als mit den Summen des Memo-rials gleich sein müssen, wodurch man die Ueberzeugung erhält, daß kein Posten zu übertragen vergessenworden ist.

Eine andere veränderte Form der doppelten Buchhaltung ist die von I. M. Leuchs in Nürnbergerfundene neue doppelte Buch Haltung oder das Nürnberger Buch halten, von dessen Beschrei-bung im Jahre 1832 die dritte Auflage erschien. Sie hat besonders das Eigenthümliche, daß das Memo-rial in 5 verschiedene Bücher getheilt ist, nämlich vas Einkaufmemorial, für alle Posten, welche denEmpfang von Waaren betreffen; das Verkaufmemorial, für die Posten, welche den Verkauf vonWaaren aus Kredit betreffen; das Memorial sür Geldeinnahme; das Memorial für Geld-ausgabe, und das sogenannte Doppelcontobuch oder Ueberweisungsmemorial, in welchesalle Posten kommen, welche nicht in die übrigen 4 Bücher gehören. Diese Einrichtung hat den Zweck, daßin großen Geschäften jedes Memorial von einem besonderen Commis geführt werden kann; doch könnendas erste und zweite und das dritte und vierte auch in ein Buch vereinigt werden. In diesem Fallebraucht kein besonderes Cassabuch geführt zu werden, was außerdem nur wegen des Cassenabschlnssesnöthig wäre. Das Journal ist entbehrlich, kann aber auch beibehalten werden.

Eine von der gewöhnlichen Form vielfach abweichende ist die von E. T. Jenes in Bristol erfundeneenglische Buchhaltung, welche im Jahre 1832 durch eine Uebersetzung von A. Wagner auch inDeutschland bekannt wurde. Sie hat das Eigenthümliche, daß sie außerordentlich complicirt und ver-wickelt ist, daß sie viel mehr Arbeit verursacht, als jede andere, und daß dabei eine große Menge Zifferngeschrieben werden, also in dem nämlichen Verhältnisse auch die Möglichkeit der Fehler verniehrt wird.Sie besitzt mithin fast alle Eigenschaften, welche nöthig sind, um eine Buchhaltungsform nicht empfeh-lenswerth zu machen, und es ist daher nur zu verwundern, daß sie in England und Nordamerika dem-ohngeachtet noch ziemlich häufig angewendet wird. Eine Beschreibung, wie sie die Grenzen unsers Raumesgestatten, würde ohne Beisügung von Bncherschemas nicht verständlich werden; wir unterlassen sie daherum so mehr, als wir unseren Lesern die Versicherung geben können, daß sie nichts verlieren, wenn sie dieseBnchhaltungsform, welche aus dem Kontinent nur sehr selten angewendet wird, nicht erlernen.

Buchhandel. Obgleich dieser Geschäftszweigeigentlich als völlig getrennt von den übrigen kauf-männischen Geschäften betrachtet wird, halten wir esdoch nicht sür überflüssig, hier eine gedrängte Dar-stellung desselben zu geben, theils um der Vollständig-keit, theils um des allgemeinen Interesses willen,welches dieses bedeutende und in vielfacher Beziehungwichtige Geschäft darbietet. — Der deutsche Buch-handel concentrirte sich seit der Mitte des l6. Jahr-hunderts in Franksurt a. M., wohin die Buchhändler(Damals Bnchsnhrer genannt) aus anderen deutschenStädten, sowie einig- aus der Schweiz, aus Frank-

reich und aus Belgien, zur Messe kamen, nm ihreVerlagsartikel an den Mann zu bringen und sichmit anderen zu versehen. Ebendaselbst erschien auchder erste Meßkatalog, indem seit dem Jahre 1554 derBuchhändler Georg Miller jede Messe ein Ver-zeichnis; der neu erschienenen Bücher in Quart ohneSeitenzahlen drucken ließ. Zu Ansang des 17.Jahrhunderts aber zog sich der Buchhandel wegen! der in Franksurt bestehenden drückenden Censur von! dieser Stadt zurück und wendete sich immer mehrnach Leipzig, das seitdem der Mittelpunkt des ganzendeutschen und eines großen Theils des außerdentschen