Buchhandel
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Buchhandel
ins Geld zu setzen ist, wenn man es mit einigemVerlust oder etwas unter dem Marktpreise verlausenwill, haben Bücher, sür welche sich keine Abnehmerfinden, keinen anderen als den Makulalnrwerth undalle darauf verwendeten Kosten sind daher verloren.— Zur bequemeren Vermittelung des Verkehrs zwi-schen den Buchhändlern hat sich das nicht allein sürden deutschen, sondern auch für einen großen Theildes außerdeutschen Buchhandels höchst wichtigeCommission s g e s ch ä f t gebildet, durch welches dergrößte Theil der Kosten, welche die einzelne Zusen-dung der Bücher an die Sortimentshändler, sowiedie Zurücksendung derselben an die Verleger ver-ursachen würde, erspart wird. Zugleich wird dieseArbeit dadurch bedeutend erleichtert und die Einrich-tung dient auch dazu, alle geschriebenen und gedruck-ten Mittheilungen, welche die Buchhändler einanderzu machen haben, wie Ankündigungen, Circulaire,Rechnungsabschlüsse und dergl. und selbst den größ-ten Theil ihrer Correspondenz, die meist offen geführtwird, kostenfrei zu befördern. Fast jeder BuchhändlerDeutschlands, und auch mehrere in den angrenzen-den Ländern, hat nämlich einen Leipziger Buchhändlerals Commissionair, der für eine gewisse fest-gesetzte jährliche Commissionsgebühr die Commissio-nen sür ihn besorgt An diesen sendet der Cvmmit-ten, er sei Verleger oder Sortimentshändler, meistan einem oder mehreren bestimmten Wochentagen,theils durch die Post, theils durch Fuhrgelegenheitoder Eisenbahn, Alles was er an andere Buchhändlerzu schicken hat, in einem Packete oder Ballen; derCommissionair packt diesen aus und vertheilt denInhalt an die Commissionaire der betreffenden Buch-handlungen. Ebenso schickt jeder Commissionair sei-nem Committenten wöchentlich ein oder mehrereMale Alles was bei ihm sür denselben eingegangenist, in einem Packete oder Ballen ebenfalls pr. Postoder pr. Fuhre rc. zu. Die meisten auswärtigen Ver-leger halten bei ihrem Leipziger Commissionair einLager von ihren Verlagsartikeln, von welchem dieserAlles was die Sortimentshandlungen, mit denender Verleger in Rechnung steht, davon verlangen,ausliesert und dem Commissionair des betreffendenSortimeutshändlers zur Weiterbeförderung an sei-nen Committenten übergibt. Das Bestellen derBücher geschieht auf eigenen kleinen Zetteln, den so-genannten Verlangzetteln, welche der Sorti-mentshändler von Zeit zu Zeit seinem Commissionaireinschickt, der sie wie alle anderen eingegangenen Pa-piere (Circulaire, Anzeigen, Rechnungsabschlüsse rc.)einer in Leipzig eigens dazu errichteten Bestellanstaltübergibt, durch die sie täglich mehrere Male an dieLeipziger Commissionaire, Verleger und Sortiments-händler vertheilt werden. Ein großer Theil derLeipziger Buchhändler beschäftigt sich ausschließlichmit dem Commissionsgeschäft und mehrere derselbenhaben hundert und mehr Committenten, womit sieein zahlreiches Arbeitspersonal beschäftigen. MehrereBuchhändler haben zwar auch in Frankfurt a. M.,Stuttgart, Augsburg, Nürnberg oder Berlin, dieösterreichischen in Wien, Commissionaire, deren Ge-schäfte jedoch im Verhältniß zu Leipzig nur unbedeu-tend sind. Die Verleger, welche kein Lager in Leipzighalten, expediren die mit den eingegangenen Zettelnverlangten Bücher von ihrem Wohnorte aus undsenden sie an ihren Commissionair, der sie ebenfallsan die Commissionaire der Adressaten vertheilt. DieBücher sür die verschiedenen Besteller werden nurin Makulatur gepackt und die Rechnung oder Fac-
tur so daraus gebunden, daß der Name des Em-psängers und des Absenders sichtbar bleibt und daßsie also zugleich als Adresse dient. Auf dieselbe Weisegehen auch die Bücher, welche die Sortimeutshändlerim Laufe des Jahres nicht abgesetzt haben, vor derdarauf folgenden Ostermesse an die Verleger zurück;sie werden dann Remittenden (richtiger Re-mis sa) oder scherzhaft Krebse genannt. DiesesZurücksenden oder Remittiren geschieht in derZeit zwischen Neujahr und der Ostermesse, denn zudieser müssen eigentlich alle Remittenden in Leipzigeingetroffen sein. An Sortimentshandlungen, denender Verleger keinen Kredit geben will, liefert er seineVerlagsartikel nur gegen baare Zahlung aus unddiese Bücher können natürlich nicht remittirt werden.Diese Zahlungen, sowie alle während des Jahressür den Committenten eingehenden Gelder nimmtder Commissionair ebenfalls in Empfang, leistet auchalle Zahlungen für denselben, wozu ihn der Commit-tent nöthigenfalls mit Casse versehen muh, und sogehen auch die meisten Geldgeschäfte der auswärtigenBuchhandlungen durch die Hände der Commissio-naire. In der Ostermesse lassen die meisten Sorti-mentshändler ihre Zahlungen durch dieselben leisten,wenn sie nicht selbst deshalb nach Leipzig kommen;die Verleger sind meist Persönlich anwesend, um siein Empfang zu nehmen. Die Buchhändler undCommissionaire kommen zu dem Ende während dersogenannten Buchhändlermesse, welche gewöhnlichvon Mitte der Meßwoche bis gegen Pfingstendauert, auf der Leipziger Buchhändlerbörse zusam-men, um mit einander abzurechnen, bei welchemGeschäft sehr bedeutende Summen in Cirkulationgesetzt werden. Durch das Commissionsgeschäftist Leipzig der wirkliche Centralpunkt des deut-schen Buchhandels geworden, und die Versucheeiniger rivalisirenden Städte, namentlich Berlins,ihm dasselbe zu entreißen, sind bisher völlig geschei-tert , und werden auch kaum jemals gelingen. Vondiesem Cvmmissionsgeschäft ist jedoch .dasjenige zuunterscheiden, wenn ein Buchhändler die bereits fertiggedruckte Auflage eines Buches von dem Versasser,der es auf seine eigenen Kosten hat drucken lassen,in Commission nimmt. Ein solches Buch heißtdann ein Commissionsartikel und der Buch-händler vertreibt oder debitirt dasselbe wie einen an-deren Verlagsartikel, bezahlt aber dem Verfasser nurdie wirklich abgesetzten Exemplare, nach Abzug einergewissen Provision, die gewöhnlich 50 Procent vomLadenpreise beträgt, wofür er die Versendungskosten,den üblichen Rabatt an die Sortimentshändler unddie Gefahr des Creditgebens zu tragen hat. — AlsNebenzweige des Buchhandels sind noch der M u s i -kalien-, der Kunst - und der Antiquar Handelzu erwähnen. Von den beiden ersteren gilt ziemlichAlles was wir vom Buchhandel gesagt haben; dieMusikalienverleger geben jedoch ihre Artikel gewöhn-lich nur auf feste Rechnung, bewilligen aber demSortimentshändler zur Entschädigung für das unver-kauft Bleibende einen höheren Rabatt als er imeigentlichen Buchhandel üblich ist. Der Antiquar-handel befaßt sich nur mit älteren, schon gebrauchtenund meist gebundenen Büchern, und wenn er mitVortheil betrieben werden soll, gehört dazu ganz be-sonders eine gründliche und umfassende Bücherkennl-niß, die sich namentlich auch auf ältere, selten gewor-dene Werke erstrecken muß, welche der wichtigsteGegenstand des größeren und wahren Antiquar-geschäfts sind. Der Antiquarhandel, besonders wenn