Champagnerweine
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Champagnerweine
sirende Champagner, man jenen unbedingt den Vor-zug geben und sie die ächten, die letzteren aber diemischten nennen würde, weil zu dem deutschen Fahrnkate dieser Art meist besserer und gehaltvollerer Weingenommen wird, als zu dem französischen Der Vor-zug, den man dem letzteren giebt, liegtdaher eigentlichmeist im Vorurtheil, obgleich es säst täglich vorkommt,daß angebliche Kenner deutschen Schaumwein, der ih-nen für ächten Champagnervorgesetztwird.fürsolchenerklären, oder auch ihn dem französischen, den sie da-neben kosten, vorziehen. — Bon dem deutschen nach-geahmten Champagner werden wir in dem ArtikelSchaumwein sprechen. Die französischen zerfallenzunächst in zwei Gattungen, nämlich in Fluß-weine, die an der Marne, und in Bergweine,die in den höheren Gegenden um Rheims wachsen.Die ersteren, welche meist von weißer Farbe sind,haben Borzüge vor den letzteren, unter denen sichviele rothe befinden. Außer den weißen und rothengiebt es auch noch hellrothe, Oeildekerdrix genannt;die rothen sind jedoch häufig nur mit Fliederbeerengefärbt und ursprünglich ebenfalls weiß gewesen.Das Schäumen des Weines wird dadurch hervorge-bracht, daß man ihn vor beendigter Gahrung aufFlaschen zieht. Man gießt, um moussirenden Cham-pagner zu bereiten, gewöhnlich Most von verschiede-nen Gewächsen in großen Fässern oder Kufen,foudres genannt, zusammen, und von der geschicktenAuswahl und Zusammensetzung der Sorten, wasman .eoupage nennt, hängt besonders die Güte desWeines ab. Ehe derselbe völlig ausgegobren hat,ohnaefähr im December, wird er mit Hausenblasegeklärt und die Fässer fest zugespundet; dann giebtman ihn im Frühjahr auf die Flaschen. In diesensetzt sich noch viel Hefe ab, welche daraus entferntwerden muß, und diese Arbeit, welche man das Ab-schwemmen oder Entgurgeln (ledögorgernent)nennt, hat besondere Schwierigkeiten, denn es mußgeschehen, ohne daß die im Weine enthaltene kohlen-saurr Lust beim Oesfnen der Flaschen entweicht. Manbringt nämlich den Bodensatz, der sich gebildet hat,durch Schwenken und Neigen nach und nach in denHals und läßt ihn hierauf , indem man den Korkauszieht, in ein Gefäß abfließen; dann werden dieFlaschen vermittelst eines besonderen Trichters ohnedaß die äußere Luft hinzutritt, wieder gefüllt. Beidieser Gelegenheit wird dem Weine zugleich der so-genannte Likör, der hauptsächlich aus aufgelöstemCandiszucker besteht, zugesetzt. Die Flaschen werdendann vermittelst einer eigenen Maschine mit langen,sehr feinen Korken fest gepfropft und diese noch mitBindfaden und Drahtüberbunden. Auf der unterenFläche der Korke ist gewöhnlich der Name oder dasZeichen des Fabrikanten (eine Krone, ein Stern rc.)ausgebrannt. Dem zur Versendung übers Meer,nach England, Amerika rc. bestimmten Cbampagncrwird auch oft »mit dem Likör noch etwas Spirituszugesetzt. Die verkorkten Flaschen werden in weitenFelsenkellern horizontal auf hölzerne Gerüste gelegt;die kohlensaure Luft, die sich fortwährend aus deinWeine zu entwickeln strebt, zersprengt aber auf deinLager ziemlich viel Flaschen, obgleich diese von demstärksten Glase sind, und dadurch entsteht bei dersorgfältigsten Behandlung ein Verlust von 20, zu-weilen aber auch von 30—40 Procent, der, verbun-den mit der vielen Arbeit, welche der Wein verur-sacht, den Grund des im Verhältniß zu seiner wirkli-chen Güte sehrhohen Preises des moussirenden Cham-pagners ist. Um den Wein aus den zersprengten Fla-
schen aufzufangen, sind unter den erwähnten GerüstenRinnen angebracht, die ihn in Gesäße leiten. Die Fla-schen wurden sonst, nachdem sie zugebunden waren,verpicht, jetzt aber überziehtman den Propf und denoberen Theil des Halses bei der Versendung miteiner Kappe von Stanniol, die mit Hausenblase an-geklebt wird, was zwar sauberer ist, aber das Ent-weichen von Luft nicht so gut abhalten soll, als dasVerpichen. Außerdem wird den Flaschen auch nocheine, meist sehr zierlich gedruckte und vergoldete Eti-kette aufgeklebt. Wenn man dann den Bindfadenund den Draht, mit welchen der Kork festgebundenist, zerschneidet, wird dieser von der eingesperrten Lustmit einem Knall herausgetrieben und zugleich ent-wickelt sich das noch im Weine gebundene Gas, in-dem eine Menge kleiner Blasen entstehen, welchebeim Einschenken den Schaum bilden. Die starklchäumenden Weine nennt nian grand mousseux,doch sind sie nicht immer die beliebtesten, da ein Theilihrer Kraft mit dem Schaume verfliegt, und Vieleziehen daher die weniger schäumenden, demi mous-seux ober orémants (weil sie eilten leichten, weißen,dem Rahme — crème — ähnlichen Schaum bilden)genannt, vor. Außerdem hat man auch nicht mous-sirenden, non mousseux, den man wie gewöhnlichenWein hat völlig ausgähren lassen und zu dem diebesten und edelsten Sorten genommen werden, wes-halb er gewöhnlich wenigstens eben so theuer ist alsder moussirende. Die Bereitung des schwach mous-firenden Champagners hängt meist von der Jahres-temperatur und von mehreren anderen Umständenab und wird besonders durch warme Witterung,welche viel Zuckerstoff in der Traube erzeugt, begün-stigt; dagegen schäumt in kälteren Jahren der Weingewöhnlich viel stärker, wodurch auch größerer Ver-lust durch das Zerspringen der Flaschen entsteht. —Man versendet den Champagner in viereckigen, miteinem Deckel verschlossenen Körben, welche meist 50Flaschen, zuweilen jedoch auch mehr enthalten. Ausdem Lager erfordert er noch immer eine sorgfältigeBehandlung. Kann man ihn nicht sogleich an Ortund Stelle bringen, so lasse man ihn im Korbe stehen,denn er muß immer in horizontaler Lage bleiben unddarf weder auf den Fuß noch auf die Spitze gestelltwerden. Besser ist es jedoch, man nimmt ihn sogleichaus den Körben. Zur Aufbewahrung gehört einkühler, etwas luftiger Keller, indem man die Flaschenauf Breterregale legt und ganz ruhig liegen läßt,kenn die Veränderung der Lage vermehrt die Neigungdes Weines, Niederschlag zu bilden. Dies geschiehtbesonders in der Zeit, wenn der Weinstock treibt,wenn er blüht und wenn die Trauben reifen, undmeist in den ersten Jahren. Eigentlich muß derWein von dem Niederschlage abgesondert werden, be-sonders wenn dieser eine weiße oder gelbe Farbe hat,was den Beginn einer Krankheit verräth; dagegen istei» trockener, krystallinischer, schuppenähnlicher Nie-derschlag, der aus krystallisirtem Weinstein besteht,ein Zeichen voller Reise und vorzüglicher Güte desWeines und macht keine Absonderung nöthig. Wennder Champagner so behandelt wird und von einemguten Jahrgange und gutem Gckvächse ist, kann ersich bis 25 und selbst bis 50 Jahre halten. Das Ab-sondern von dem Niederschlage, was eine schwierigeArbeit ist, wenn der Wein die moussirende Kraft be-balten soll, geschieht jedoch in der Regel von denWeinhändlern nicht, und deshalb wird der Cham-pagner häufig nach 4—6 Jahren ölig und zähe, wasman Langwerden oder Fadenzieheu nennt,