Cochenille
330
Corosniissc
getödtete hat ein rothbraunes Ansehen und wird daherfuchsig <engl. kox^) genannt. Nach Europa kommtdie Cochenille in leinenen Säcken, die mit Mattenund diese mit Ochsenhaut überzogen sind. Von dermexikanischen wiegt eine solche Serone ohngesähr 200Pfd., von der Honduras ca. 150 Psd. In Englandwird die Waare ausgeschüttet, gesiebt und in genautarirte Säcke gepackt; der abgesiebte Cochenille-staub, der theils aus Bruchstücken, theils auch ausSand und Pflanzentheilen besteht, wird ebenfallsverkauft und kostet ohngesähr 1 / s so viel als die ganzenKörner. Die Javacochenille kommt in blcchernenKisten von 70—80 holländ. Pfd. über Amsterdamund Rotterdam. — In neueren Zeiten hat man inCanada in einer anderen Art Cocons, welche aufder schwarzen Lprossenfichte und auf anderen Fichten-arten gesunden wird und welche in dem gemäßigtenKlima fortkommt, eine neue Quelle einer sehr schönen,rothen Farbe aufgefunden, welche der ächten Coche-nille an Güte völlig gleichkommt und ebenso zurSeiden- und Wollensärberei gebraucht werden kann,wie jene. Es wird dies um so wichtiger, da dieCochenille noch immer einen sehr hohen Preis hat.Die Cochenille ist vielen Verfälschungen unterworfenund erfordert daher beim Einkauf große Aufmerksam-keit. Häufig läßt man sie in feuchten Kellern an-ziehen , wodurch ihr Gewicht um 8—10% vermehrtwird; die fuchsigen und dunklen Sorten werden, nach-dem man sie aus diese Art angefeuchtet hat, mit feingemahlenem Talk oder Kreide geschüttelt, um ihnenein silbergraues Ansehen zu geben, und oft sogarwird sie mit Körnern von der Form der Cochenillevermischt, welche aus gefärbtem Thon bestehen undin England Sylvestersubstanz genannt werden.Diese Substanz ist daran kenntlich, daß sie sich leichtzwischen den Fingern zerdrücken läßt, was bei derCochenille nicht der Fall ist. Auch bestreuet man siemit Bleipräparaten, um sie schwerer zu machen.Gute Cochenille muß aus mittelgroßen, trockenenund schweren Körnern bestehen, welche im Innernpurpurroth von Farbe sind, einen bitterlichen Ge-schmack haben und beim Kauen den Speichel karmin-roth färhen. Von der ächten gehen ohngesähr 43,000,von der kleinen leichteren Sylvester gegen 70,000Körner auf das Pfd. Wenn sie gut getrocknet istund an einem ganz trockenen Orte aufbewahrt wird,hält sie sich mehrere Jahre, ohne an Werth zu ver-lieren. In ihr ist vie Karminsäure enthalten, einePurpurbraune Masse, die bei feiner Zertheilung rotherscheint und in Alkohol u. Wasser löslich ist; außer-dem Coccusroth, wachsartiges Fett, Thierleim,Schleim und verschiedene Salze. — Man benutzt dieCochenille in der Färberei zur Erzeugung von Schar-lach, Pnrpurroth, Carmoisin, Violett \ Braun, inneuester Zeit auch in der Medizin hauptsächlich gegenWassersucht rc., ferner zur Bereitung des rothen Kar-mins und Karminlacks und mehrerer anderer Maler-farben, zum Färben von Conditoreiwaaren undLikören und auch zuweilen unter Zahnpulver. —Der Werth der Cochenille beruht auf ihrem Karmin-gehalt. Um diesen zu ermitteln, dient der von Pe-droin erfundene Karminmesser, welcher aus einerraduirten Glasröhre und zwei Probeflüssigkeitenesteht, nämlich einer wässerichten Lösung von Alaunmit Ammoniak und einer wässerichten Auslösung vonSoda, die mit Chlorgas gesättigt ist. Durch dieseFlüssigkeiten wird eine bestimmte Menge in Wasserausgezogener Cochenille entfärbt und der Grad, beidem diese Enljärbung vor sich geht, läßt nun ganz
genau den Procentgehalt des Karmins in der Coche-nille bestimmen.
Cochenille, deutsche, polnische oder un-ächte, auch Johannisblut genannt, sind die ge-trockneten Weibchen einer Schildlaus, Coccus poli-nicus, die im südlichen Rußland, Polen, Galizien rc.an den Wurzeln des Johannisbluts oder desperennirenden Knäuelkrautes, Sclerantusperennis, und auch noch mehrerer anderer Pflanzengesunden wird. Sie wurde früher ebenfalls zumFärben benutzt, enthält aber bei weitem wenigerFarbstoff, als die ächte Cochenille. Im 9.—14. Jahr-hundert mußten die Bauern in mehreren GegendenDeutschlands jährlich eine gewisse Menge davon andie Klöster abliefern, wo sie zum Färben gebrauchtwurden. Jetzt benutzt man sie selten oder gar nichtmehr. — Im südlichen Frankreich zieht man seitKurzem ein Insekt, Coccus Fabse, das auf der Sau-bohne und der Esparsette lebt und eine schöne rotheFarbe geben soll, weshalb man hoffte, daß die Zuchtderselben eine bedeutende Erwerbsquelle werdenwürde. Die damit angestellten Untersuchungen habenjedoch ergeben, daß es viel weniger Farbstoff enthältals die ächte Cochenille, und auch sonst in mancherBeziehung von dieser abweicht, daher es den Gebrauchderselben wohl schwerlich ersetzen wird. — UnächteCochenille wird auch der Kermes (s. d.) genannt.
Cochinchina, s. An uam.
Coconshäute, die nach dem Abhaspeln der Sei-dencocons zurückbleibenden inneren dünnen Hüllen,werden theils zu Watt- und Florettseide, theils zurVerfertigung künstlicher Blumen benutzt.
Cocosbaum, s. Cocvspalme. .
Cocosholz oder Cocosnußholz, s. Grena-dillholz.
Cocosnüsse, die 6—10 Zoll langen und 4—8Zoll im Durchmesser starken, stumpf dreikantigen,oben etwas zugespitzten Früchte der in den Tropeu-ländern wachsenden CocoSpalme <s. d.), welche inihrem Baterlande als ein wichtiges Nahrungsmittelund auch sonst vielfach benutzt werden. Jede Nußist mit einer 2 bis 3 Zoll dicken, äußerlich glatten,inwendig faserigen, braunen Hülle umgeben; unterdieser befindet sich die 3—4 Linien dicke steinhartehölzerne Schale, welche an der Basis 3 Löcher hatund den ovalen, mandelartigen, eßbaren Kern um-schließt. Bei den halbreifen Nüssen besteht dieser nuraus einem säuerlich-süßen, wohlschmeckenden Milch-safte, der sich jedoch nach und nach verhärtet und end-lich fast hornartig wird, in dessen Mitte aber fastimmer eine kleine, mit Saft angefüllte Höhlung bleibt.Dieser Saft, die C o c o s m i l ch, dient im Baterlandedes Baumes als ein sehr angenehmes, stärkendesGetränk und der verhärtete Kern wird theils roh,theils auf verschiedene Art zubereitet genossen. Wennman ihn mit Wasser zerreibt, so erhält man ebenfallseine Art wohlschmeckender Milch, welche Saatargenannt wird. Durch Auspressen gewinnt man dasCocosnußöl is. b.) daraus, und der Rückstandwird als Biehmast benutzt. Auch wird der Saft derNüsse nebst dem aus dem Blütenkolbcn zur Bereitungdes Äraks verwendet. Die äußere braune faserigeSchale der Nuß ist, ehe diese reif wird, eßbar undgleicht im Geschmack den Artischocken; im Zustandeder Reife benutzt man sie zum Putzen und Poliren,die Fasern aber werden zu einer Art Garn gespon-nen, das man in Ostindien Coir nennt und ausdem man vortreffliches elastisches u. sehr dauerhaftesTauwerk verfertigt, das in ganz Ostindien ein be-