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Erster Band.
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Deutschland

einer aus Seide, Wolle oder Baumwolle verfertig-len Waare.

Destilliren heißt im Allgemeinen irgend eineSubstanz in einem verschlossenen Gefäße durch Ver-dunsten verflüchtigen und die entstandenen Dämpfedurch Abkühlung wieder in einen tropfbaren flüssi-gen Zustand versetzen. Werden trockene Körper aufdieseWeise verflüchtigt, so ist dies trockene Destil-lation, durch welche die ihr unterworfenen Körpermeist zersetzt und verschiedene neue Produkte darausgewonnen werden; diese werden gewöhnlich durchdas vorgesetzte Wort ,,Brenz" oder ,,Pyro" bezeich-net, z. 58. Brenzgallnssänre oder- Pyrogallussäure.Es soll dadurch angezeigt werden, daß dieser Stoffdurch trockene Destillation aus der Gallussäure ge-wonnen ist; sind es dagegen flüssige oder doch mitFlüssigkeit versetzte Substanzen, so ist es eine nasseoder feuchte Destillation. Wenn man Wasser-oder Weingeist, die mit wohlriechenden Pflanzen-theilen: Blättern, Blüten, Früchten, Samen, Rin-den oder Wurzeln versetzt sind, destillirt oder abzieht,so erhält man destillirte oder abgezogeneWasser, Aquae destillatae aromaticae,welche den eigenthümlichen gewürzhaften Geruch derPflanzentheile haben, indem das in den letzterenenthaltene ätherische Oel bei der Destillation mitübergeht. Wenn die der Destillation nnterworseneFlüssigkeit nur ein Ingredienz enthält, so erhältman einfache, enthält sie mehrere Ingredienzen,zusammengesetzte abgezogene Wasser. Eigent-lich heißt ein a b g e z og e n e s Wasser nur ein sol-ches, welches durch Destillation von Wasser mitPflanzentheilen gewonnen ist; man versteht jedochgewöhnlich ein geistiges Produkt oder einen Brannt-wein darunter, den man durch Destillation vonWeingeist mit aromatischen Pflanzentheilen erhält,und uneigentlich auch einen seinen Branntwein oderLikör, der aber jetzt meist auf eine viel leichtere undwohlfeilere Weise durch Vermischung der ätherischenPflanzenöle mit Weingeist und Wasser bereitet wird.(S. auch Eau.) — Destillirtes Wasser ist ge-wöhnliches Quell- oder Flnßwasser, welches durchDestillation von den in ihm enthaltenen fremdarti-gen Theilen, namentlich Kalk- und anderen Salzen,Erden, Kohlensäure und dergl. gereinigt ist, unddas in der Chemie und Pharmacie zu allen denZwecken gebraucht wird, zu denen Wasser als reinesAuslösungsmittel erforderlich ist. Es muß völliggernch- und geschmacklos und gegen alle Reagentien(Stosse, welche bei ihrer Vermischung mit anderenSubstanzen durch Trübung, Farbenverwandlung,Riederschläge rc. in letzteren die Gegenwart oderAbwesenheit anderer Stoffe andeuten) indifferentb.eiben. Reines, mit der nöthigen Vorsicht aufge-fangenes Regenwasser, sowie das von geschmolzenemreinem Schnee ist dem destillirten Wasser gleichzusetzen.Destillirte Oele, s. Oele.

Destinatar, Destinatär wird der Empfängereiner Waare genannt.

Detailconto, Kleinverkaufconto, Laden-conto heißt man das für das Detailgeschäft in demFalle etablirte Conto im Hauptbuche, wenn einsolches neben dem Engrosgeschäst besteht. In seinSoll werden die Beträge der in der Regel vom En-roslager entnommenen Waaren, auch alle Ausga-en (Salair, Loealmiethe, Heizungskosten re.) gestellt,die für das Detailgeschäft gemacht werden, dagegenwird in sein Haben das baare Geld gebracht, das esvon Zeit zu Zeit zur Hauptkasse abliefert.

Detailhandel, Detaillist, s. Handel; onäotail verkaufen, heißt im Einzelnen, im Klei-nen verkaufen; detailliern, etwas nach seineneinzelnen Umständen auseinandersetzen, auch eineWaare im Einzelnen verkaufen.

Detention, s. Embargo.

Determaholz heißt ein besonders zum Schiffbaugeeignetes Holz von dem gleichnamigen Baume ausGniana.

Detmold, s. Lippe-Detmold.

Iletto oder dito (abgek. d°.) heißt das Gesagte.Man gebraucht es in der kaufmännischen Schreibart,um das unmittelbar vorher Gesagte nicht zu wieder-holen, und besonders, wenn man zwei oder mehrgleiche Worte, Waarenbenenuungen und dgl. inmehreren Zeilen unter einander schreibt; es bedeutetdann immer dasjenige Wort, welches unmittelbardarüber steht.

Deut, s. Duyt.

Deutsche Lavendelblumen, s. Lavendel-blüten.

Deutscher Bezoar, s. Gemsenkugeln.

Deutscher Kaffee, s. Eich orten.

Deutschland (von den Römern Germania ge-nannt) oder das deutsche Bundesgebiet scheidet sich inein nördliches (Nieder-) und in ein südliches(Ober-)Deutschland, wird von drei Binnenmeeren:der Nordsee, Ostsee und dem adriatischen Meere be-spült, und umfaßt 11,460 HjMeilen, woraus imJahre 1862 ca. 45,401,000 Menschelf lebten, wor-unter ca. 572 Mill. Slaven sind. Im Ganzen istdas Klima gemäßigt und gesund, im Norden feuch-ter und rauher, nicht allein wegen der höheren geo-graphischen Breite, sondern auch, weil es den kaltenNord-, Ost- und Westwinden mehr preisgegeben ist,als das mittlere und südliche Deutschland. Hier sindnur die hohen Gebirgsgegenden großer Feuchtigkeitund einem langen und strengen Winter ausgesetzt;die nach Süden geöffneten Akpenthäler Tyrols undJllhriens dagegen haben sich theilweise schon einesitalienischen Himmelsstrichs zu erfreuen. — DasMineralreich und die in der Erde verborgenenSchätze, der Steinkohle, Braunkohle und des Salzessind ein mannigfaltiger Gegenstand der Arbeit.Weltbekannt sind die uralten Bergwerke Deutsch-lands. Im Harze befanden sich die ältesten, vor-mals reichsten Silbergruben; jetzt gemährt das säch-sische Erzgebirge die reichste Ausbeute an Silber.Sehr zahlreich und zum Theil sehr ergibig sind diein Deutschland befindlichen Kupsergrnben, auch hates nächst England, die meisten Zinngruben inEuropa (namentlich in Böhmen und Sachsen); Zink,wovon Schlesien ca. 500,000 Centner liefert, ist einstarker Ausfuhrartikel außer dem inländischen Ver-brauch ; Eisen, das im Landbau, Eisenbahnwesen re.viel verbraucht wird, ist hier fast allgemein,und von Blei gewinnt man jährlich an 2u0,000Centner. — Im Jahre 1860 producirten677 Steinkohlengruben 246,956,560 ZollcentnerKohlen im Werth von 26,379,199 Thlrn. und be-schäftigten 83,154 Arbeiter; Braunkohlengrubenwaren 912 mit 18,935 Arbeitern vorhanden, welche87,653,287 Ctr. Braunkohlen im Geldwerth von4,408,090 Thlrn. lieferten. Gold- und Silbererzewurden in 248 Werken init 10,940 Albeitern ge-wonnen und ergaben 694,494 Ctr. im Geldwerthevon 1,180,056 Thlrn.; auf Eisenerze arbeiteten 2843Werke mit 18,481 Arbeitern, die 28,015,637 Ctr.im Werth von 2,608,795 Thlrn. producirten; a»