Eberraute
410
Ecuador
noch fester und zäher als das der wilden Eberescheund wird daher zu Tischler-, Stellmacher- und Ma-schinenarbeiten geschätzt.
Eberraute, Eberreis, Stabkraut, Stab-beifuß, Gartheil, Ilerba Abrotani, sind dieBlätter und Stengelspitzen der im Orient und imsüdlichen Europa einheiniischen, bei uns in Gärtengebauten Artemisia Abrotanum, einer 2—3 Fußhohen, als Halbstrauch wachsenden Art Beifuß mitgraulichen Blülhenköpfen und schwachfilzigen, sästsadensörmigen, doppelt fiederspaltigen, weißlichenBlättern, welche dicht und ohne Ordnung um denStengel stehen. Die Hülle ist weich behaart, derFruchtboden glatt, die Blume gelb. Die Pflanze hateinen angenehmen, stark gewürzhaften, citronenar-tigen Geruch und schwach bitteren Geschmack und wirdzuweilen als Magenmittel und gegen Würmer, Epi-lepsie rc. gebraucht, auch mit Branntwein aufgesetzt.Sie enthält dickes, grünes, ätherisches Oel, ÖleumAbrotani, das früher ebenfalls in der Medizin ge-braucht wurde, Bitterstofi und Gerbsäure.
Cberwurzel , Itadix Carlinae, Cardopa-tiae oder Chamaeleontis albae, Von der immittlen Europa auf sonnigen Hügeln wachsenden Car-lina acaulis. Sie ist lang , bis fingersdick, walzen-förmig, hökricht, unten ästig, außen graubraun undrunzelig, innen weißgelblich. Sie hat einen unange-nehnien, starken, aromatischen, harzigen Geruch undeinen süßlich beißenden Geschmack, enthält Schleimharzund ätherisches Oel und wird hauptsächlich in derThierbeilknnde unter das Drusenpulver angewendet.
Eberzähne, s. Dentes Apri.
Ebullioskop ist ein Instrument, mit welchem derAlkoholgehalt derjenigen Flüssigkeiten gemessen wird,die noch verschiedene andere Bestandtheile in Lösungentbalten.
Ebur, s. Elfenbein.
Ecaille, s. Schildpatt.
Ecarlatin heißt eine vorzügliche Gattung fran-zösischer Cider, der besonders in der Gegend vonContances im Departement Manche bereitet undüber Rouen ansgesührt wird.
Echarpes ist die französische und auch in Deutsch-land häufig gebrauchte Benennung für kleine Shawlsoder Schärpen für Damen, die man jetzt in Frank-reich und in Deutschland in großer Mannichfaltig-keit, in Seide, Halbseide, Wolle, Baumwolle, sowohleinfarbig als bedruckt und mit eingewirkten Musternund Kanten verfertigt. In England werden besondersseine wollene unter dem Namen Scarfs verfertigt.
Echelles nennt man in Frankreich die Seeplätzein der Levante und auch in Oesterreich werden siezuweilen Schellen genannt.
Eckerdvppen, s. Ackerdop pen.
Ecklein, Getreidemaß in Württemberg, s. d.
Eckposen, s. Federn.
Ecu nannte man besonders in der älteren Zeitin Frankreich das Wappenschild und danach allegrößeren Gold- und Silbermünzen, weil ihnen dasLandcswappcn ausgeprägt war. Bis zum Jahre 1655,von wo an die Goldmünze Louis d’or oder Louisgenannt wurde, wurden viele goldene Leus oder Ecusd’or unter verschiedenen Benennungen und zu ver-schiedenem Werthe geprägt, z. B. Leu ä la couronne,E. bäume, E. de soleil, E- au porc £pic, a la sala-mandre, a la croisette etc. Die ersten ließ Philipp VI.um 1336 aus seinem Golde schlagen. Ebenso gab esmehrere Arten silberner Ecus, Ecus d’argent oderEcus blanes genannt, unter denen man besonders
die Stücke zu 6 Livres verstand, die in DeutschlandLaubthaler (f. b.) genannt werden und die unterder Benennung Leu neu i; E. k la pal me, E. ä troiseouronnes, E. de Navarre etc. vorkamen. DasMvresstück (den halben Laubthaler) nannte manPetit ecu, Demi ecu, auch Ecu de cbange, verstandaber, besonders im 18. Jahrhundert, unter Ecu ohneweiteren Beisatz meist den petit ecu oder 3 Livres,und dies ist auch noch jetzt häufig der Fall. Diejetzigen französischen bFrankenstücke werden ebenfallszuweilen Ecu de cinq francs ober Ecu de cent sousgenannt.
Ecuador, Republik in Südamerika, welcheden südwestlichen Theil des ehemaligen FreistaatsColumbien bildet, im Norden von Nengranada, imOsten von Brasilien, im Süden von Nordperu undim Westen von diesem und dem stillen Meere um-geben, einschließlich der Galapagos- oder Schilv-kröten-Jnseln, 13,558 Q Meilen mit ca. 1 MillionEinw. Der westlicheTheil wird von den Cordillerendurchzogen, mit den höchsten Spitzen: Chimborasso,Cayambe und Antisano und den fast eben so hohenfurchtbaren Vulkanen Cotopaxi, Tungnragua, San-gay und Pichincha. Im Osten dehnen sich weite, zuMTheil bewaldete Ebenen tLlauos- aus, welche vondem Maranhon mit einerMenge Nebenflüssen: demJnpura, Jca oder Pntumayo, Atagnari, Napo,Huallaja, Ucayale und anderen durchströmt werden.Das heiße Klima des unter der Linie tiegenden Lan-des ist besonders während der Regenzeit und in denfeuchten Ebenen, welche den Flüssen einen kaummerklichen Fall geben, sehr ungesund; dagegen ver-dorrt in der trocknen Jahreszeit alles und die vorhermit dem üppigsten Grün bedeckten Landflächen wer-den zu todten Wüsten, wo alle Begetation aufgehörthat und selbst Schlangen und Krokodile erstarrt imtrocknen Schlamme liegen. Gesünder und angenehmerist der Aufenthalt in den höheren Gegenden, welcheeine kühlere Temperatur haben und wo auch diequälenden Moskitos nicht so zahlreich find. Da-gegen leiden diese wieder von fürchterlichen Erdbeben,welche die entsetzlichsten Berheernngen anrichten, so-wie von heftigen Gewittern, Stürmen und Regen-güssen, welche gewöhnlich die Erdbeben begleiten.Die Natur bringt in Fülle die edelsten Produkte derheißen Zone hervor, besonders Baumwolle, Tabak,Zucker, Kaffee, Cacao, Vanille, Indigo, Chinarindeund viele andere Arzenei-, Balsam- und Gummi-pflanzen; ferner Getreide, Mais, Reis, Arakatscha.Maniok, Wein, Pisang, Ananas, Südfrüchte rc.Die großen Wälder liefern zahlreiche Arten der vor-trefflichsten Bau-, Tischler- und Farbehölzer. DerGetreidebau beginnt auf einer Höhe von 3000 Fuß,wo die Palmen, das Zuckerrohr und die Indigo-pflanzen nicht mehr gedeihen, und geht bis zu 11,000Fuß Höhe. In den Gebirgen wää)st auch die Coca-pflauze, deren getrocknete Blätter von den Indianern,wie der Betel von den Asiaten, gekaut werten undihnen znm unentbehrlichen Bedürfniß geworden sind-Auch das Thierreich ist reich vertreten, besondersdurch die ungeheure Menge verwilderter Rinder undPferde, welche die Llanos bevölkern, und Häute, ge-salzenes und gedörrtes Fleisch, Talg, Hörner rc. t urAusfuhr liefern. Außerdem gibt es wilde Schweine,Hirsche, Rehe, Faulthiere, Füchse, Tapire, Tajassus,Affen, Gürtelthiere, Pumas, Jaguars, Kaimans,deren Eier gegessen werden, Riesenschlangen undzahlreiche Arten von Vögeln, doch keine SingvögelAber eine Unzahl höchst lästiger Insekten, große