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Erster Band.
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Esstgäther

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Essigsäure

Essig mit einigen Stücken weißen Zucker im Wasser-bade abdampfen läßt, wo bei Zusatz von Schwefel-säure dieser sich schwärzt, sonst weiß bleibt. Um je-doch die wirkliche Stärke eines Essigs, d- h. seinenGehalt an Essigsäure, zu prüfen, dient die Sät-tigungsprvbe. Bon gutem Essig soll 1 Unze30—32 Gran trockenes kohlensaures Kali sättigen,in welchem Fall derselbe fast 5°/,, reine Essigsäureenthält. — Durch Zusatz frisch ausgepreßter Pflan-zensäfte und wohlriechender aromatischer Stoffe, oderindem nian guten Essig auf die Pflanzen, Gewürzeund dgl. gießt und eine Zeitlang in der Wärme dige-riren laßt, erhält man aromatische oder Par-fum-Essige, welche als Riech- u. Räuchcrmittel,einige auch an Speisen, oder zu äußeren Umschlägenund dgl. gebraucht werden. Dahin gehört z. B. dersogenannte Pest- oder Bicrränberessig, derKampher-, Rosen-, Estragun-, Maiblu-men-, Himbeer-, Erdbeeressig u. a., die wirin den betrefsenden besonderen Artikeln aufführen.Wenn man Essig mit Kohle destillirt, werden dienicht flüchtigen, fremdartigen Stoffe davon geschie-den u. man erhält destillirten Essig, Aootnoadestillatum, welcher tvasserhell aber etwasschwächer als der rohe ist und sich beim Aufbewahrennicht verändert. Der durch die Schnellessigfabri-kation gewonnene Essig ist jedoch fast eben so reinals der destillirte. — Concentrirter Essig oderEssigsäure, Acetum oder Acidum aceti eumeoncentratuin, wird durch Destillation von Blei-zucker oder essigsaurem Natron und anderen essig-sauren Salzen und englischer Schweselsäure mitWasser gewonnen. Es ist eine wasserhelle Flüssig-keit von sehr starkem, aber angenehm saurem underquickendem Essiggeruch, welche in 100 Theilen25 Theile Essigsäure enthält und wovon 1 Unzemit 3 Quentchen trockenem, reinem kohlensauremKali neutralisirt wird. Die Essigsäure wird inder Medizin innerlich und äußerlich, auch alsRiechmittel, zur Darstellung essigsaurer Salze undzu verschiedenen technischen Zwecken gebraucht.Man erhält sie auch, wenn man guten Essig gefrie-ren läßt und das Eis von der gelblichen Flüssigkeitwegnimmt.

Essigäther oder Essignaphta, Aokllsr ace-ticus obet Kaphtha Ace ti, wird durch Destil-lation eines essigsauren Salzes mit Weingeist undSchwefelsäure, z. B. 16 Theile entwässerter Blei-zucker , H/2 Th. Weingeist und 6 Th. concentrirteSchwefelsäure, gewonnen. Es ist eine farblose Flüs-sigkeit von sehr angenehntem, apfelartigem Geruchund lieblich ätherischem, kühlendem Geschmack,0,oi — 0,932 specifischem Gewicht, die bei 60" sie-det, sehr flüchtig ist und sich leicht entzündet,und mit gelber Flamme unter Verbreitung einessauren Geruchs verbrennt. In Alkohol ist erin jedem Verhältniß löslich, aber in destillirtemWasser darf _ er sich in weniger als seinem sieben-fachen Gewicht nicht auslösen. Er wird inchemischen Fabriken verfertigt und in der Medizin,zuweilen auch in den Likörfabriken, hauptsächlich aberzur Nachahmung des Rums und Cognacs, wie zurReinigung des Branntweins und Alkohols, von demGeruch und Geschmack des Fuselöls, gebraucht. Dieim Handel vorkommende Essignaphta ist gewöhn-lich mit Weingeist verdünnter Essigäther. Eine Mi-schung von 1 Theile Essigäther u. 3 Theilen starkemWeingeist wird unter dem Namen Essigäther-weingeist, Spiritus acetico-aethereus, eine farb-

lose, angenehm riechende und schmeckende Flüssigkeit,in den Apotheken geführt.

Essigbaum, s. Sumach.

Essigbeerstrauch, s. Berberitze.

Essiggeist, brenzlicher, oderAceton, Ace-ton oder Spiritus pyroaeetious, wird in che-mischen Fabriken durch trockene Destillation einesessigsauren Salzes, z. B. Bleizucker, u. Rectificationdes Destillats bereitet. Es ist eine sarblose oderschwach gelbliche, dünne Flüssigkeit von etwas brenz-lichem, dem Essigäther ähnlichen Geruch und bren-nendem, hinten nach kühlendem Geschmack, die leichtentzündlich ist, von 0,, ?2 fyec. Gewicht. Sie gehtnoch viele andere Verbindungen ein und man ge-braucht sie in der Medizin, besonders gegen Lungen-krankheiten. Aus dem Aceton entstehen in Verbin-dung von Alkalien große Reihen von Salzen undDoppelsalzen, welche für die Chemie wichtig sind, sodie Chlor- und Bromessigsäuren. Neben dem Acetonbildet sich das M e t a c e t 0 n, eine farblose, angenehmriechende Flüssigkeit. Die Aceton säure ist eineVerbindung von Aceton und Ameisensäure, sehrsauer schmeckende Säulenkrystalle.

Essignaphta, s. Essigäther.

Essigsäure, auch Radicalessig genannt,Aoi-dumaceticu.m,AlcoholAeeti ober Acetumraäioaio, ist in reinem Zustande, mit etwas Was-ser verbunden (eine wasserfreie Essigsäure von l,mspec. Gew., eine vollkommen farblose, das Licht starkbrechende Flüssigkeit, hat G erhard 1852 dargestellt),eine farblose ätzendsaure, auf der Haut Blasen zie-hende Flüssigkeit von flüchtigem, erquickendem, sehrangenehmem, starken Geruch und unerträglich bren-nend saurem Geschmack, von 1,^« spec. Gewicht, diebei einer Temperatur unter 13" R. in schönen feder-sörmigen Krystallen anschießt und bei geringererWärme zu einer dichten, breitblätterigen, krystalli-nischen Masse erstarrt, bis zum Siedepunkte erhitztaber mit blauer Flamme, fast wie Alkohol, brennt.Sie wird durch Destillation von 3 Theilen sehr aus-getrockneten essigsauren Kalis oder essigsauren Blei-oxyds mit 4 Theilen concentrirter Schwefelsäure ge-wonnen. Sie bildet sich auch noch durch vielfacheZersetzungen anderer Körper, durch trockene Destil-lation von Kohlenhydraten, durch Zerlegung andererSäuren rc. Auch mit Wasser geht sie verschiedeneVerbindungen ein. Durch das spec. Gewicht kannjedoch der Wassergehalt der Essigsäure nicht wie beimAlkohol bestimmt werden. Aus der Lust nimmt siegern Feuchtigkeit auf, sie muß daher gut verschlossengehalten werden. Durch unmittelbare Verbindungder Essigsäure mit Basen entstehen die essigsaurenSalze, z. B. essigsaures Natron, essigsaures Eisen-oxyd u. Kupseroxyd, essigsaure Thonerde u. Bitter-erde rc., wodurch die Essigsäure die größeste Wichtig-keit für die Chemie und Technik erhält. Eine Ver-bindung von 3 Atomen Aether mit lAtom Essigsäureist das Acetal. Es ist farblos, dünnflüssig, riechtsehr angenehm, dem Salpeteräther ähnlich, ist leichtentzündlich, brennt mit leuchtender Flamme. Seinspec. Gewicht ist 0,» 2 >. Eine sehr concentrirte Essig-säure, welche aus essigsaurem Kali oder Natron durchDestillation mit Schweselsäure dargestellt wird uswwelche Krystalle bildet, ist unter dem Namen Eis-essig im Handel. . Sie ist sehr sauer und wird in derMedizin, auch wie der concentrirte Essig, besondersbei der Photographie viel verwendet. — Aus Essig-säure und wasserfreier Schwefelsäure wird noch dieEssigschweselsäure oder Schwefelessigsäure gebildet.