Flachs
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Flachs
Oekonomen, welche den Flachs erbauen, ausgeseihet.Sie drehen den gehechelten Flachs, den sie nicht selbstverspinnen wollen, gewöhnlich zu Bündeln, Kau-ten oder Docken genannt, zusammen, und ver-kaufen ihn an die Händler oder Spinner. Die beimBrechen und Schwingen abfallenden Holztheile, dieman Schaben nennt, werden von Gärtnern zuTreibebeeten, von Maurern zum Vernnschen mitdem Lehm, mit welchem sie die Ofenfugen ver-streichen , benutzt, und man verwendet sie auch zu-weilen zur Verfertigung von ordinairem Packpapier;auch hat man sie als Pferdesutter empfohlen. Diein den Hecheln zurückbleibenden kurzen und ver-worrenen Fasern, an denen auch noch kleine Schäbe-theilchen hängen, heißen Werg (s. d.) oder Heedeund werden zu verschiedenen ordinairen Gewebenverarbeitet, wozu sie auch vorher noch durch wieder-holtes Hecheln gereinigt und vorbereitet werden.Ein Hauptzweck des Hechelus ist auch, daß die Flachs-fasern dadurch gerade und parallel gelegt werden.Man bedient sich dazu gewöhnlich mehrerer Hechelnvon zunehmender Feinheit, d. h. deren Zähne immerdünner oder enger sind, und je weiter das Hechelnfortgesetzt wird, desto feiner und reiner wird derFlachs; den völlig gereinigten nennt man daher auchzuweilen Reinfiachs und unterscheidet davon, jenach der Feinheit und Schönheit mehrere Sorten.Man kann annehmen, daß 100 Pfd. gerösteter undgedarrter Lein »ach dem Brechen noch 45—48 Pfd.,nach dem Schwingen oder Ribben aber nur noch15—25 Pfd. wiegen, ungerechnet 8—10 Pfd.Schwingwerg. Durch das Hecheln geht, wenn derFlachs eine sehr sorgfältige Vorbereitung erhaltenhat, nur etwa 1°/,, an Schaben und Staub verlorenund man erbält 50—80% Flachs davon, das übrigeist Werg. Man kann daher annehmen, daß 100 Pfd.gedarrte Leinstcngel im Durchschnitt etwa 10 Pfd.reinen Flachs geben. — Das Spinnen des Flachsesgeschieht entweder mit der Hand oder auf Flachs-fpimimafchinen, wovon wir in dem Artikel Leinen-garn sprechen werden. — In neuerer Zeit hat manan mehreren Orten auch größere Anstalten znrzweckmäßige» und rationelleren Flachsbereitung biszum Verspinnen angelegt, uameutlich in Freibergund Schlettau in Sachsen, in Gotha, Böhmen rc. —In Deutschland wird in mehreren Gegenden vielund zum Theil sehr guter Flachs erzeugt, demohn-geachtet werden aber, je nach dem Ertrage der Ernte,noch größere oder geringere Quantitäten, besondersaus Rußland und den deutschen Ostseeprovinzendavon eingeführt. In Deutschland gilt der lüne-burger Flachs aus dem Hannöverschcn nndBraun-schweigischen für den besten; er ist sehr rein und hatfeine, glänzende nnd geschmeidige Fasern. Der meistewird im Lande selbst verarbeitet, doch wird er auchin die angrenzenden Länder ausgesührt. Der west-phälischc kommt ihm meist in der Qualität gleich.Böhmischer und mährischer ist nächst demLünebnrger eine der besten deutschen Flachssortenund überhaupt wird in Böhmen viel für die Ver-besserung und Hebung der Flachskultur gethan. Erist sehr rein nnd hat eine lange, glänzende nnd mildeFaser. Man verarbeitet ebenfalls den größten Theildesselben im Lande; das klebrige wird nach Schlesien,Sachsen, Baiern rc. ausgeführt. In den Uebrigendeutsch-österreichischen Provinzen wird fastüberall Flachs gebaut, am meisten in Untcrösterreichin der Gegend von Zwettl, Weitra rc , der beste aberin Oberdöbliug bei Wien, wo ihn die ehemalige
Wiener Spitzenmanufaktur ganz nach belgischer Artfür die Verfertigung seiner Spitzen erbauen ließ.Von geringerer Qualität sind die Sorten ausSteier-mark, Kärnthen, Tirol rc. Unter den außerdeutschenProvinzen Oesterreichs erzeugt besonders dieLom-h a rd ei sehr guten Flachs, namentlich in der Gegendvon Crema, wo der beste wächst, Cremona, Lodi,Bagnolo, Orziuovi rc. Der venetianische aus derGegend von Verona steht ihm nach und noch geringerist der aus Jstrien, dem Küstenlande und Dalma-tien. In Ungarn wird besonders in den nörd-lichen und einigen westliche» Comitaten guter Flachserbaut, am meisten im Zipser, dem eigentlichenFlachslande Ungarns, und im Liptauer Comitate.Der in Galizien erbaute-ist meist sehr gut undwird zum Theil selbst nach Mähren und Schlesienausgeführt; dagegen ist der aus Siebenbürgen .undder Militärgrenze von geringer Qualität. InPreußen wird außer den schon genannten Pro-vinzen besonders in der Provinz Preußen und hiernamentlich in der Umgegend von Königsberg vielFlachs erbaut und von diesem Hasen aus unter demallgemeinen Namen Königsberger ausgeführt,worunter sich aber auch viel aus Polen und den an-grenzenden Theilen Rußlands befindet. Man unter-scheidet hier besonders folgende Sorten: 1) FeinerRackitzer oder Königsberger Rackitzer ausPolen und Rußland , zwar gewöhnlich von gemisch-ter Farbe, weiß mit etwas grau, aber lang, rein undvon gutem Haar. Der graue und aschfarbige ist ge-wöhnlich besser als der weiße. 2) KaydansRackitzer ist etwas geringer und weniger rein.ä) Drujaner Rackitzer ist gelblich, nicht so langund weiß als der Königsberger und von gröberemHaar; er zerfällt wieder in mehrere Untersorten.
4) Podolischer Rackitzer ist lang, stark nnd rei-ner, aber noch etwas geringer als der Drujaner.
5) Ketten flachs ist stark, rein und gehechelt, sodaß er sogleich versponnen werden kann; er wird inweißen, blauen , grauen und silberfarbenen sortirt.6> Oberlä irdischer ist eine schöne feine Sorte
I von haltbarem Faden, welcher noch den Vorzug hat,
> daß die Bunde nur in der SDiitte zusammengebundenI sind, so daß man die Qualität durch und durch er-. kennen kann und Verfälschungen noch weniger mög-! lich sind, als bei den anderen Sorten. 7) Pater-noster enthält das was nicht zum Rackitzer paßt;I die Bunde sind noch mit einem besonders gedrehtenBande gebunden und gewöhnlich in Matten gepackt.8) Liebstadter ist wie der Oherländer oben undj unten offen und nur in der Mitte mit Bast gebunden,aber geringer und unreiner als dieser. 9) Bauer-band ist in Packeten von 8 Liespsd. Gewicht, sowieihn die Landlente zu Markte bringen, nicht rein ge-hechelt. 10) Flachsdos wird verworrener Flachsgenannt, von dem gewöhnlich 9 Docken zusammen-gebunden sind. — Von Danzig kommen 6 Sorten'in den Handel: Rigaer und podolischerRackitzer, oberländischer Paternoster,Zweiband und Dreiband, welche im Allgemei-nen dem Königsberger gleichstehen; die beiden letzter»sind grob nnd unrein. — In Preußen besteht seit1850 eine Gesellschaft zur Beförderung des Flachs-und Hanfbaues, die in Berlin ihren Hauptsitz undin den Provinzen Zweigvereine hat. Ihr Zweck istdie Hebung der Flachs- und Hanferzeugnng, sowohlin Bezug auf die Kultur, als auf die Röstnng undZubereitung, wozu sie die rieucstcn Erfahrungen des, In- nnd Auslandes sammelt und verössentlicht.