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Erster Band.
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Flachs

Flachs

An Rußland ist Riga der Hauptplatz für dieNachsausfuhr und der Rigaer Flachs daher imHandel der gebräuchlichste. Er wird meist aus Lit-thauen, Westrußland und den Gegenden von Se-^!ch, Druja, Rackitsch, Diarienburg rc. dabin ge-bracht. Es gibt in Riga eigene Aufseher oderBraker, die allen in den Handel gebrachten Flachs,ber gewöhnlich durchgängig für Marieuburger, alseiner der besten Sorten ausgegeben wird, prüfenund nur denjenigen dafür passiren lassen, der esnach seiner Qualität wirklich verdient. Den ge-ringeren bezeichnen sie dadurch, daß sie von deno Bändern, mit denen die 20—25 Pfd. schwerenPastete gebunden sind, eins und bei noch geringeremZwei durchschneiden; der erstere wird dann zer-ILnittener Marienbnrger und der letztereRisten- Dreiband genannt. Die Enden der zer-schnittenen Bänder werden mit dem nächsten Bandedurch Bindfaden verbunden. Der Rigaer Flachs istÜbrigens von sehr verschiedener Qualität; die wich-Ugsten im Handel vorkommenden Sorten sind sol-gende: i) Drujaner Rackitzer, der beste, schönweiß von Farbe, rein und mild, fein und lang vonFaden; ist in Bunde gepackt welche 6 Docken enthal-tn, die am Kopfe mit 3 Flachsseilen und außerdemu?ch mit dünnen Schnuren umwickelt sind; derschweif ist offen. 2) Litthauer Rackitzerwnnnt ihm in der Qualität am nächsten, wird ihmaber von den Engländern oft noch vorgezogen ; er istlem, lang und weich, aber etwas bräunlich von FarbeU»d zuweilen verbrannt, wenn man ihn zu dick über-einander gelegt hat, da er inst nassen Händen gebun-den wird; man erkennt dies an der gelben und röth-tlchen Farbe. Die Bunde sind wie beim Drujaner,die Dosten aber nicht mit so feinen Schnüren gebun-den. 3) Badstübenflachs heißt derjenige, welcherwegen geringerer Qualität nicht zum Rackitzer paßt;der g e s ch n i t t e n e hat einen Einschnitt im sogenann-wn Spiegel, dem breiten Bande zunächst unter denKopsen der Docken. 4) Bad st üben-Pater-noster und litthauischer Paternoster sind»och etwas geringer als der vorige; sie sind mit einembesonders geflochtenen Bande gebunden. 5) Ma-,.nb»rger kommt dem Drujaner an Güte fastS, wenn er nämlich ungeschnitten, d. h. bei dert^dake für untadelhaft besunden ist; er hat einenlll feinen und seidenartigen Faden.

ilr a - Uer geschnitten, eine aus dem Marien-.i^ger svrtirte geringe Gattung, der selten so gut ist.-der geschnittene Badstuben, obgleich er ebensom li5en und ebenfalls im Spiegel geschnitten ist.f.z„ eflochtener Drujaner ist schon gehechelt,n^wnd schön, aber sehr knrz; die Docken sind ge-<m«srn' 8) Heiligen- oder Hilligenflachsat-i-Pwskow, kommt dem Diarienbnrger an Güte>st a' -0) Pük und mittet Kaufmannsgutmi^wvhnlich aus den seinen Sorten ausgeschvssenDv Singer als Paternoster. 10) Liefländischdie g .»»d und kurländisch Dreiband sindMebr und unreinsten Sorten, bei denen

— »>> die Hälfte durch das Hecheln verloren geht.

verkauft den Flachs in Riga nach demUnd ü^^und oder Berkowez von 400 russ. Pfundengebt Ballen von 1 Schiffpsd. Der meiste

tz/s-^'wch England, außerdem nach Dänemark,Und Frankreich, Spanien, Hamburg, Lübeck rc.Qlls- ^"Kbe gilt auch von dem aus den übrigenWea-, — Der Petersburger Flachs istm» seiner Länge, Festigkeit und Geschmeidigkeit

Univ.,Lexikon.

ebenfalls sehr geschätzt; er ist von Natur etwasbräunlich, wird aber schon bei dem ersten Beuchen(Klopfen) weiß. Als der beste gilt daselbst der now-gvrvder, dann folgt der pskvwsche, der wäsemlischeund der karelische. Im auswärtigen Handel bezeich-net man die Qualitäten als 12köpfigen, O köpfigen ;und üköpfigen; der letztere ist der geringste undstärkste und wird auch nur selten verschickt. Manverkauft ihn ebenfalls nach dem Berkowez von 10Pud oder 400 Pfd. — Der Peruaner ist ebenfallssehr gut aber nicht rein gehechelt und enthält vielWerg. Die beste Sorte heißt g e s ch n e i d, die mitt-lere Risten-Dreiband und die geringste Drei-band. Von Narwa kommt sehr gute, rein ge-hechelte Waare, aber nur selten in den Handel.Archangelscherist graulich von Farbe, lang undweich, aber nicht ganz rein, so daß er in der Qualitätdem Petersburger Oköpfigen gleichgeschätzt wird.Der aus Libau kommende kurländische Flachs istmeist etwas geringer und unreiner als der aus Riga;man hat daselbst Vier band, als den besten,Dreiband, Zweiband, und Einband. VonMemel kommt Drujaner, Knbitzer undPompejaner Rackitzer, Vierband, Pater-noster und D reib and, als der geringste; die dreiletztern Sorten werden in Mattenballen von10—20 Stein oder in Rollen von 3—4 Stein, dieRackitzer Sorten in Packen von 5—10 Stein ver-sandt. Finnländischer Flachs, der über Ta-wastehuus und Helsingfors in kleinen Partien in denHandel komnit, ist grünlich-gelb von Farbe, etwaskürzer, aber seiner, geschmeidiger und haltbarer alsviele andere Sorten. — Die beste und feinste vonallen Flachssortcn ist der irländische, er kommtaber nicht in den Handel, da er zum Bedarf des Landesbei weitem nicht ausreicht. In Belgien und be-sonders in Flandern wird ebenfalls Flachs vonausgezeichneter Qualität erbaut, der dem besten ir-ländischen gleichgestellt werden kann und mit vor-züglicher Sorgfalt zubereitet wird; er wird aberebenfalls nicht ausgeführt. In den Nieder-landen und zwar besonders in Norh- und Süd-holland und in Seeland wird Flachs von sehr feinem,langem, glänzendem Faden erzeugt, der dem flan-drischen gleichgeschätzt und wie dieser zu den feinstenGeweben verarbeitet wird. Er wird besonders vonRotterdam, Dortrecht, Alkmaar und Schagen nachEngland, Irland, Spanien und Portugal ausgeführt.Man bezeichnet die Feinheit nach der Anzahl derStränge die auf 1 Pfd. gehen; von der stärkstenSorte gehen 24—32, dann 40, 48, 64, 80 und 96Stränge auf das Pfund, und man unterscheidet wie-der braunen, weißen und blauen gehechelten. InFrankreich wird besonders in den Departementsdes Nordens, der Aisne und der Somme, undnamentlich in der Gegend von Valencienne, Lille,St.Quentin, Peronne, Noyon rc. ganz feiner Flachsgebaut, welcher dem flandrischen gleichkommt und zudem feinsten Batist und Spitzen verarbeitet wird.In der neueren Zeit hat jedoch der Anbau desselben,wie der Absatz des Batists (s. d.) bedeutend ab-genommen. Man verfährt bei der Kultur und derZubereitung mit außerordentlicher Sorgfalt; diePflanzen werden auf dem Felde mit Reisern unter-stützt, damit sie sich bei nasser Witterung nicht um-legen können, und zugleich um die Länge und Fein-heit des Fadens zu fördern. Außerdem wird fast inganz Frankreich Flachs erzeugt, wodurch jedoch derBedars des Landes noch nicht gedeckt wird. Am