Fliedcrschwamm
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Flinkern
Rob Sambuci, mirb von vielen Leuten nicht alleinals schweißtreibendes Hausmittel gebraucht, sondernauch um des Wohlgeschmacks willen als Leckerei ge-nossen und daher in manchen Gegenden in großerMenge, meist von den Landleuten angefertigt undan die Apotheker und Krämer verkauft. Man mußbeim Einkauf desselben darauf sehen, daß es wederangebrannt noch in den Anfang der Gahrung über-gegangen, auch daß es nicht verfälscht ist; das Letzteregeschieht besonders, indem man Hanbutten, Eber-eschenbeeren, Aepsel, Birnen oder Pflaumen damitkocht, odex indem man es mit Mohrrüben- oderRunkelrübenfaft und dgl. vermischt. Man erkenntdies theils durch den Geschmack, theils durch die hell-braune , röthliche Farbe, und wenn es, in Wasseraufgelöst, bräunlich und trübe wird. Auch darf esnicht in unverzinnten kupfernen Gefäßen gesottenund darin stehen gelassen worden sein, in welchemFall es aufgelöstes Kupfer enthält, was man ent-deckt, wenn man eine blanke Messerklinge hineinstecktund diese nach einiger Zeit einen kupferrothen Ueber-zug erhält. Gutes Fliedermns muß eine dicke Honig-konsistenz haben, sich nicht in Fäden ziehen, eineneigenthümlich milden, ziemlich süßen, nur ein wenigsäuerlichen Geschmack, aber keinen brennenden oderkratzenden Nachgeschmack haben und im Munde wederschleimig noch schlüpfrig sein; die Farbe muß imGanzen schwärzlich, aber wenn man es dünn aufweißes Papier streicht, dunkelblau oder dunkelbraunsein. Die Fliederbeeren enthalten auch einen sehrdauerhaften blauen Farbestoff, der durch die Alkalienviolett und durch die Säuren hochroth gefärbt wird,und werden in einigen Gegenden zum Schwarz-färben des Leders benutzt. Dick dem Safte färbt manin Frankreich häufig den Wein, der dadurch ohneNachtheil für die Gesundheit eine schöne blanrotheFarbe erhält (f. Vin de Firnes). Das harte undsehr zähe Holz, welches polirt eine gelbe Farbe an-nimmt, wird zu Schuhzwcckcn, zu Angelruthen, zuMaschinentheilen, besonders zu solchen, in welchendie Spitzen stählerner Spindeln laufen, sowie zu ver-schiedenen anderen Drechslerarbeiten, und das derAeste nach ausgestoßencm Marke zu allerhand kleinenRöhren und dgl. verarbeitet. Aus dem Marke machtman Stehaufchen für Kinder. Die frischen zer-quetschten Blätter werden äußerlich gegen leichte Ber-brennungcn, Insektenstiche und dgl. angewendet; dieinnere dünne grüne Rinde erregt Erbrechen undwässeriges Purgiren und wurde sonst zuweilen gegenWassersucht verordnet, ebenso die Wurzel, weicheebenfalls Brechen erregt und auf den Urin wirkt.In den Blüthen findet sich ein scharf und bitterschmeckendes ätherisches Oel, von durchdringendemGeruch, aus dem der Fliederkampher krystallisirt,außerdem Harz, Eiweiß, Kleber, Gerb- und Ex-tractivstofs, nebst vielen Salzen; in dem Samen eingelbliches, dickes und fettes Oel, das ein kräftigesPurgirmittel ist.
Flicderschwamm, Hollunderschwamm oderJndasohr, Peziza auricula, in den Apo-theken l'ungus Laiubuci oder Auriculae J u-dae genannt, ein im Frühjahr aus alten Baum-stämmen , besonders Hollunderstämmen wachsender,anssitzcnder, ohrsörmiger Pilz, roth- oder schwarz-braun von Farbe, in der Jugend gallert-, späterlederartig, gernch- und geschmacklos. Er wird alsschleimiges Mittel bei bösen Hälsen, und da er Flüssig-keiten , in die er gelegt wird, lange an sich behält,zum Auslegen von Augenwässern benutzt. Von an-
deren Pilzen ist er leicht durch seine filzige Unterflächezu unterscheiden, welche diesen fehlt, auch erweichensie sich im Wasser nicht.
Fliegenbanm, s. Rüster.
Fliegengist, s. Fliegen stein.
Fliegenholz, s. Quassia holz.
Fliegenpapier, ist entweder mit einer Auflösungvon Arsenik und Zucker, oder von Quassiaextractund Zucker getränktes und wieder getrocknetes Pa-Pier, das man angefeuchtet hinstellt, um die Stuben-fliegen damit zu todten. Es wird hin und wiedervon Kaufleuten geführt; die Anwendung der-erstenArt ist aber nicht ohne Gefahr, weshalb man jetztmeist die letztere führt.
Fliegenpilz oder Fliegenschwamm, Aga-ricus muscarius ober Amanita muscaria,ein in ganz Europa und dem nördlichen Asienwachsender 5 bis 6 Zoll hoher Pilz mit flachem, schönpurpurrothem, zuweilen ins Gelbe spielendem, »ntweißen Warzen besetztem Hute von 6 —12 ZollDurchmesser. Er ist giftig, tödtet Fliegen, wenn sievon darüber gegossener Milch fressen, sowie auchWanzen. Von den ungebildeten Völkern in Sibirienwird er in kleinen Gaben absichtlich als berauschendesMittel in die Getränke gethan, und die Arme»trinken den Urin der damit berauschten Reichen,welcher diese Kraft bis auf den vierten Mann behält.Getrocknet und gepulvert wird er zuweilen als Arz-nei gegen Epilepsie und als Streupulver gegen bös-artige Geschwüre verordnet.
Fliegenstein, Fliegen gift, grauer Arsenik,Scherbenkobalt, Arsoniouin natiyum po-rosum oberCobaltum crystallisatum ooni-
mune, metallischer Arsenik, der sich theils in derNatur findet, theils künstlich durch Sublimation desArscuikkieses bereitet wird. Der erstere kommt innicrensörmigen, knolligen, sich schalig absonderndenMassen, zuweilen auch in nadelförnngen Krystallenan verschiedenen Orten in Sachsen, Böhmen, aMHarz, Schwarzwalde, in Sibirien, Ungarn rc. vor;er ist äußerlich grauschwarz, auf dem srischen Bruchezinnweiß von Farbe, mit sehr feinkörnigem Bruche,zuweilen mit Erden verunreinigt. Der künstliche be-steht aus blätterig krystallinischen Massen von derGestalt kurzer, dicker Cylinder oder dergleichenBruchstücken. Er ist gernch- und geschmacklos, ver-wandelt sich bei 150° R. in Dämpfe von Knoblauch-geruch, ohne vorher zu schmelzen und ist, ebenso wieder natürliche, spröde aber nicht sehr hart. Man be-nutzt ihn zum Tödten der Fliegen und setzt ihn deinBleie zu, aus welchem Schrot verfertigt wird, um eihärter zu machen; auch ist er ein Bestandtheil man-cher weißen Metallkompositionen.
Fliesen oder Klinker nennt man kleine thönerne,weiß oder farbig glasirte, auch zuweilen bemalteThonplatten von 5—6 Zoll im Quadrat, mit denenman den Fußboden unter dem Stnbenofen, die Wandhinter demselben, die Treppenwände, die Heerde,Kochmaschinen rc. belegt. Die werden von denTöpsern und die feineren von den Steingutfabrikcnverfertigt; früher kamen viele aus Holland, wo wüberhaupt sehr Mode sind. Schwedische Fliesennennt man einige Zoll dicke viereckige Platten voneiner Art grauem oder braunem Sandstein, odereinem groben Marmor, der in Gothland gebrochenwird. Alan belegt damit den Fußboden in Haus-fluren rc. — S. auch Bernstein.
Flimmeropal, s. Opal.
Flinkern, s. Flittern.