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Körper und diejenigen ihres VieheS/ wie wenig Sinn fürOrdnung und Reinlichkeit zeigen sie in Bezug auf ihre Ge-räthschaften.' Für höchst wichtig und äußerst verdienstlichhalte ich daher die Bestrebungen Derer/ welche unter ihrenMitmenschen durch eigenes Beispiel Schönheitssinn/ Ord-nungsliebe und das Bedürfniß nach Reinlichkeit zu erweckenund zu verbreiten suchen; denn auf eine innigere Weift/ alsman sich dieß gewöhnlich denkt/ stehen dieselben im Bundemit dem äußern Glück und mit dem sittlichen Wohlsein einesVolkes.
Ein süddeutscher Regent/ der diesem Punkte seine Auf-merksamkeit zugewendet und es sich zur besondern Aufgabeseiner fürstlichen Thätigkeit gemacht hat/ in den Bewohnernseines Landes Reinlichkeitsliebe und Geschmack an netten«/geordnetem Wesen zur Rationalkugend zu erheben/ verdientgewiß alles Lob. Da aber ein einzelner Mensch/ selbst wenner König ist/ wenig vermag/ um tief eingewurzelte übleGewohnheiten zu beseitigen und die Erreichung eines solchenZweckes allein nur durch langes und unverdrossenes Zusam-menwirke» vieler Einzelnen erreicht werden kann; so ist sehrzu wünsche»/ daß die schönen Absichten des wohlwollendenund gutgesinnten Fürsten nicht nur von seinen Oberamtleutcnund Schultheißen und durch polizeiliche Anordnungen aus-geführt/ sondern durch das freiwillig gegebene Beispiel vonEinzelnen gefördert werden möchten. Wenn in jedem Dorfeauch nur eine Familie wäre/ die durch die That zeigte/daß Reinlichkeit/ Ordnung und Nettigkeit am Körper undim Häuft/ im Garten und Feld nicht das ausschließlicheVorrecht des Reichthumes/ nicht das Privilegium höher««Ranges und vornehmer Erziehung ist/ sondern selbst in den