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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
Entstehung
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58
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einer solchen Gründlichkeit und Umständlichkeit untersucht/daß Viertelstunden vergingen/ ehe nur ein einziger Reisenderabgesertigt war. Anderthalb Stunden hatte ich da gesessenund noch war mein Name nicht gerufen worden und nochwartete der größere Theil der Reisenden auf Abfertigung.Eine solche desparate Langsamkeit der Zollvisitation war mirnoch nie vorgekommen und trotz dem/ daß ich über ein gutesQuantum von Geduld verfügen kann/ ging mir dieselbeunter den erwähnten Umständen doch aus. Ich verließ end.lieh ohne meinen Koffer daö Zollhaus/ innerlich fluchend überdie Langsamkeit der Londoner Zöllner/ und quartirte michvorläufig in der nahe gelegenen und vielen Festländern wohl-bekannten 8dip-'t'LV6rn in Wiitei-Irmv ein. Erst den nächstenMorgen um 10 Uhr konnte ich in den Besitz meiner Hab.seligkeiten gelangen.

Was würde ein Engländer gesagt/ wie würde er gedon-nert und geblitzt/ wie über die schlechten Einrichtungen deöFestlandes geschimpft haben/ wenn irgendwo auf demselbenihm Aehnlicheö begegnet und er gezwungen worden wäre/die erste Nacht nach einer stürmischen Seefahrt im feuchtenvon Meerwasser und Theergeruch durchdrungenen Hemde zuschlafen und die gleichbeschaffenen Reiseklcider zu tragen!Und er hätte ganz Recht gehabt/ wenn er die bitterstenKlagen geführt/ wenn er eine solche Behandlung öffentlichin den stärksten Ausdrücken gerügt haben würde. Schon zuwiederholten Malen landete'ich in englischen Häfen; abernirgends traf ich eine solche schlechte Einrichtung/ nirgendseine solche Rücksichtslosigkeit gegen die Reisenden/ als diewar/ welche ich im ersten Zollhaus der Welt erfuhr. Michwundert nur, daß dieser Mangel nicht durch die Presse zur