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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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93
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gewöhnlichen Beweggründe, welche die Menschen znm Stu-dium antreiben, sind Ruhmliebe und das Verlangen nachAuszeichnung und Macht. Wir sind nicht berechtigt, dieseMotive zu tadeln, aber bei der Beurtheilung des Charaktersvon Cavendish darf nicht verschwiegen werden, daß die Liebezur Wahrheit und Wissenschaft der große Hebel war, welcherihn zur Thätigkeit anspornte. Ohne Ehrgeiz und anspruchS-los konnte man ihn häufig nur mit Mühe überreden, seinewichtigen Entdeckungen zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.Gegen Weltkundigkeit hatte er eine entschiedene Abneigungund fürchtete so zu sagen die Stimme der Fama. Die Er-gebnisse seiner Forschungen legte er auf die einfachste Weiseund in möglichst wenigen Worten dar, ohne allen Prunkund Umschweif; und machte er irgend etwas bekannt, soschien cS, als ob er eine Pflicht, nicht gegen sich selbst,sondern gegen das Publikum erfüllte. Seit dem Tode New-tons, schließt Davy sein Urtheil, hat England keinen sogroßen wissenschaftlichen Verlust erlitten, als den von Caven--dish; sein Name wird ein Gegenstand größerer Verehrungsein in künftigen Zeitaltern alS im gegenwärtigen und ob-gleich unbekannt in den geschäftigen Kreisen deS Lebens oderin den öffentlichen Besprechungen des Tages, so wird erdoch fortglänzen in den Geschichtsbüchern der Wissenschaft,die eben so unvergänglich sind, als die Natur, der sie ange-hören; Cavendish'S Name wird eine unsterbliche Ehre fürseine Familie, sein Zeitalter und sein Vaterland seyn." -Einem so beschaffenen Manne suchte man also den Makelder Unchrlichkeit anzuhängen und ihn in den Augen derWelt in einem nicht viel bessern Lichte als in dem einesBetrügers oder wissenschaftlichen Freibeuters dreißig Jahre