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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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wieder, als dieselbe in GesichtSzügen sich ausdrücken konnteund in Stein sich darstellen ließ. Man glaubt jeden Augen-blick, müßten die gutmüthig schlauen Lippen zum Spre-chen sich öffnen und die ausdrucksvollen Gesichtszüge in daslebhafteste Spiel gerathen. Sir Robert erzählte mir dieUmstände, unter welchen sein Freund Scott ohne dessenVorwissen dem ersten der jetzigen Bildhauer Großbritanniensgesessen habe. Während eines Besuches, den der schottischeBaronet in England machte, wurde derselbe zu Chantry inLondon eingeladen, bei dem er einen kleinen Kreis vonFreunden traf. Ohne irgend eine Absicht durchblicken zulassen, wurde von den Anwesenden daö Gespräch auf Gegen-stände gelenkt, von denen man wußte, daß sie vor allen an-dern geeignet waren, das Interesse des Barden auf dasLebhafteste in Anspruch zn nehmen und die zartesten undeigenthümlichsten Saiten seines Gemüthes in Schwingungzu versetzen. Scott ging in die ihm so fein gelegte Falle;des Dichters Mund wurde immer beredter, sein Auge beleb-tcr, die übrige Gesellschaft schweigsamer; ließen sich nurselten noch einzelne, die Steigerung des bereits angefachtenpoetischen Feuers bezweckende Worte vernehmen; aber auchdiese verhallten endlich ganz und über Walter Scott kameine jener Begeisterungen, deren allein künstlerische Gemütherfähig sind und in denen die ganze schöpferische Kraft ihresGenies zur Thätigkeit kommt und die feinsten Eigenthüm-lichkeiten ihrer geistigen Ratur sich entfalten. Chantry, vordem unmittelbaren Blicke seines erlauchten Gastes hinreichendgeschützt, säumte nicht, diese günstigen Momente für seinenkünstlerischen Zweck zu benützen und die Züge WalterScott's in dem Augenblicke fest zu fassen, wo sie die edel-