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von sehr kurzer Dauer und schnell finde ich das zum gesel-ligen Verkehr so nothwendige Gleichgewicht meiner Gemüths-kreiste wieder. Auch Lady .... war die unwillkührlichrUrsache einer solchen Erschütterung/ über welches Bekenntnißsie gewiß lächeln würde/ wenn diese Linien vor ihre schönenAugen kämen. Ich zweifle jedoch stark daran/ daß diereizvolle Schöne von der augenblicklichen Gemüthsaufregungihres Nachbars irgend etwas gemerkt hat; denn als derselbeneben ihr sich niedersetzte/ war er bereits wieder Herr undMeister seiner Gefühle geworden und sie gesprächig findend/säumte er auch nicht/ sofort in eine Unterhaltung mit derLiebenswürdigen einzutreten. Lady .... gehörte nicht zuder Zahl jener dem gebildeten Stande zugerechneten Frauen,zimmer/ auö denen selbst der gewandteste und geistreichsteGesellschafter nichts anderes herauszubringen vermag/ alshöchstens einfache Bejahungen oder Verneinungen der an siegerichteten Fragen und die mit dem unglücklichen Wahnebehaftet sind: <S gehöre zum weiblichen Anstand/ besondersgegen minder bekannte Männer in der Gesellschaft möglichstspröde/ wortkarg / steif und kalt sich zu benehmen. Ich nenneeinen solchen Wahn unglücklich/ weil er denjenigen/ welcheunter seiner Herrschaft stehen/ hundertfach schadet und weiler namentlich oft wirklich liebenswürdige und geistreicheFrauen und Mädchen für einen allgemeiner« socialen Verkehruntauglich/ ja zum wahren Ballast einer Gesellschaft macht.Freilich flüchtet sich auch nicht selten ein leeres Gemüth,bittere Armuth des Geistes und bewußte Unfähigkeit, irgendetwas von Bedeutung und Werth zu sagen oder etwas zugeselliger Belebung beizutragen, hinter die MaSke eines ge-meffenen Benehmens und großer Schweigsamkeit. Und wer