Buch 
Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
Entstehung
Seite
173
JPEG-Download
 

,7:r

mit der verdachtlosesten Zuversicht auf die vollkommensteEhrenhaftigkeit der Eingeführten, versieht sich von ihrerSeite der Beobachtung des rücksichtsvollsten Betragens underwartet, daß sie auch nicht um eine Haaresbreite die Gren-zen der Schicklichkeit und des Zartsinnes überschreiten.

Unter so bewandtcn Umständen und bei solchen Voraus-setzungen kann der Umgang der Geschlechter unmöglich einanderer als ein freier sein und fallen hundert der ängstlichenRücksichten und Vorsichtsmaßregeln weg, die man in andernLändern gegenüber den jungen Leuten im Interesse desguten Rufes der Mädchen zu nehmen und zu treffen für un-umgänglich nothwendig erachtet. Ein junger Mann kannalso z. B. mit einem Frauenzimmer recht wohl eine lebhafteUnterhaltung führen, ihm bei Gelegenheit den Arm bietenund Aufmerksamkeiten erweisen; ja er darf sogar getrostmit demselben einen Gang durch den Park, einen Spazicr-gang ins Freie machen, es auch etwa zu Pferd begleiten,ohne daß beide Theile zu fürchten hätten, den nächsten Mor-gen schon unter die Zungen geschwätziger Weiber zu fallenund von der Ortsklatscherei als Verlobte bezeichnet zu wer,den. Wird aber von einer solchen Freiheit niemals Mißbrauchgemacht? Derjenige muß in der That schon ein vollendeterBösewicht sein, der das größte und schönste Vertrauen, dasMenschen in einander setzen können, zu verletzen vermag;der edle Arglosigkeit durch niedrigen Verrath, unbedingteZuversicht durch schmähliche Ehrlosigkeit erwiedern sollte.Jenseits des KanalS müßten freilich höhere Wesen alsMenschen wohnen, wenn sich nie Solche unter ihnen sän-den, welche die Vorschriften der Sittlichkeit und Ehre miß-achten. Tritt aber je ein Fall dieser Art ei» und mißbraucht