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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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ein Mann das in ihn gesetzte Vertrauen gegenüber der unterden Schutz seiner Ehre gestellten Damen; dann trifft ihnsicher allgemeine Verachtung und wird er aus dem Banneehrenhafter Gesellschaft ausgeschlossen; eine Straft/ die härterist/ als jede/ welche das Gesetz über ihn verhängen könnte.

So wie ich das britische Frauenzimmer kennen gelernthabe/ besitzt dasselbe außer einem feinen Gefühl für daSSchickliche und geübten Sinn für die praktischen Verhält-nisse des Lebens einen tief liegenden romantischen Zug desKarakters/ der zwar bisweilen zu Uebereilungen und Fehl-tritten verleitet/ viel häufiger aber zur Quelle der edel-müthigsten Handlungen und der hingebendsten Aufopferungenwird. Nirgends entfaltet sich vielleicht die innere Naturdes Weibes mehr und tritt deutlicher zu Tage/ als in seinemVerhältniß zum Manne und namentlich in demjenigen/ daswir Ehe und Liebe nennen. Was sagt z. B. nicht alleinschon der Gegenstand aus/ an dessen Schicksal eine Fraudas Ihrige knüpft! Vielleicht läßt sich in den meisten Fäl-len mit Bestimmtheit angeben: ob Hochachtung und Neigungden Hauptantheil an dem gethanen Schritte hatten/ oder obRücksichten auf materielle Vortheile/ auf Geld und äußereglänzenden Verhältnisse die Wahl bestimmten. Es kann natür-lich hier nicht von Personen die Rede sein/ die Maschinensind und welche man daran gewöhnt hat/ daß für sie inHauptangelegenheiten des Lebens Andere fühlen/ denken/urtheilen und handeln. Solche Wesen sind eigentlich fürnichts/ was sie auch thun mögen/ als verantwortlich anzu-sehen und aus ihrer Handlungsweise läßt sich höchstens aufden Grad ihrer Abhängigkeit und Unmündigkeit schließen.Ich rede von Frauenzimmern/ denen die Sitte dcS Landes