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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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zu eincm Religionöwechsel zu vermögen und den LehrenRoms in Kreisen Eingang zu verschaffen, wo noch vor kurzerZeit »»o pvpei-^« das Losungswort war. Es mag seyn,daß in diesen Angaben einige Uebertreibung liegt; aus derLuft gegriffen sind sie aber keineswegs und müssen der-artige Erscheinungen doppelt merkwürdig erscheinen in einemLande, das wie kein anderes protestantisches durch seineentschiedene Abneigung gegen das Papstthum sich ausge-zeichnet hat.

Von einem einsichtsvollen und hochgebildeten Mitgliededer englischen Kirche wurde mir als eine der Hauptursachender Zunahme der Diffentcr im Allgemeinen, und des Um-sichgreifens des Katholizismus im Besondern der Mangel anKirchen bezeichnet. Nach meines Freundes Angabe reichendie bischöflichen Kirchen kaum hin, um zwei Dritthcilc derBekenner der Staatsreligion zu fassen und rührt dieserMangel davon her, daß seit den letzten dreißig und vierzigJahren die Vermehrung der Kirchen auch Nicht entferntgleichen Schritt mit der Zunahme der Bevölkerung Eng-lands gehalten hat. Diesen Uebelstand sucht man jetzt vonbischöflicher Seite durch den Aufbau zahlreicher neuer Kir-chen zu beseitigen und es werden jährlich bedeutende Sum-men für diesen Zweck sowohl von der Kirche als von Privatenverwendet. Es ist indessen kaum zu hoffen, daß diese Mittelihren Zweck erreichen werden; da sich nicht in Abrede stellenläßt, daß tiefer liegende Ursachen und Gründe von andererals nur materieller Art die Schuld an den immer weiterumsichgreifenden Gelüsten nach Abtrennung von der Landes-kirche tragen. Wir wollen und können hier in keine nähereUntersuchung des interessanten Gegenstandes eintreten; aber