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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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nicht unerwähnt dürfen wir lassen die katholisirenden Ten.denzen/ welche sich seit einigen Jahren sogar am Sitzeenglischer Rcchtgläubigkeit geltend machen/ zum großen Ver-drusse und peinlicher Verlegenheit der Kirchenhäupter. DieOpforder Doktoren/ welche wieder eine Art von Messe inden englischen Gottesdienst eingeführt/ die Autorität derKirchenväter hergestellt/ überhaupt den Kultus wie die Lehreder Anglikaner denjenigen von Rom mehr angepaßt wissenwollen/ werden zu ihren schiSmatischen Bestrebungen wohlkaum durch den bestehenden Kirchenmangel veranlaßt wordensein. Waö die Zukunft in ihrem dunkeln Schooß verborgenhält/ vermögen wir freilich nicht zu sagen; aber als höchstwahrscheinlich erscheint eS mir/ daß in einer nicht gar fernenZeit die englische Kirche in einen warmen Kampf verwickeltund sich gegen Feinde/ auö ihrer eigenen Mitte erstanden/tapfer zu wehren haben wird.

Da in diesem Streite ein Deutscher als muthiger Käm-pfer im Lager der Bischöflichen eine Rolle spielen dürfte/so sei mir erlaubt/ über den fraglichen Mann hier einigeAngaben beizubringen.

Im Jahre 1827 lernte ich im Hause des originellen Gr.in London einen Würtembergrr kennen/ der eben aus derSchweiz herüber gekommen war. Mpstisch-philosophischcnGrundsätzen huldigend/ dabei aber nichts weniger als strengkirchlich gesinnt/ glaubte sich der Mann berufen/ daS eng-lische Erziehungswesen/ das er als völlig im Argen liegendansah/ nach seinem Sinne umzugestalten. Obgleich bei seinerAnkunft in England der Landessprache noch nicht kundig/hatte er doch schon nach kaum vierteljährigem Aufenthaltein der britischen Hauptstadt eine solche Meisterschaft in der-