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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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225
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Interesse eines großen Staates liegt, daß es in ihm bevor,zugte, hochstehende, einflußreiche Familien gebe und derenfortwährend neue entstehen, so wird dieß nur möglich ge-macht durch gewisse Geburlsvorrechre und die Unbeweglich,keit des Eigenthumes. Der Adel muß zur Unterlage Reich-thum haben, muß auf Landbesitz ruhen, will er für dieDauer eine ausgezeichnete Stellung in der Gesellschaft be-haupten und einen Einfluß auf seine Umgebung ausüben.Dieß hat man in England so gut eingesehen, daß dort derTitel auf das Innigste an den Besitz geknüpft ist und beideunzertrennlich von einander gemacht sind. Der Erstgeborneerbt Adel und Gut, die jüngern Kinder gehören dem bür-gerlichen Stande an und dieser Beschränkung hat das bri-tische Patriziat vorzugsweise das hohe Ansehen und diebedeutende Macht zu verdanken, welche es bis auf denheutigen Tag genießt und wahrscheinlich noch auf langeZeiten genießen wird.

Der deutsche Adel läßt in neuerer Zeit oft bittere Kla-gen über die Abnahme seines Ansehens, das Schwindenseines Wohlstandes und die Verminderung seines Einflussesvernehmen. Wenn derartige Beschwerden gegründet sind,so trägt unseres Bcdünkens dieser Stand hieran selbst diegrößte Schuld.

Vorab ist derselbe zu zahlreich. Wenn ein deutscherGraf oder Baron ein Halbdutzend Knaben hat; ein Fall,der eben nicht selten eintritt, so tragen sie alle den Titeldes Vaters; und werden diese edlen Sprößlinge abermalsmit Söhnen gesegnet, so nennt sich jeder von diesen auchwieder Graf oder Baron, sollte auch keiner derselben nureinen Morgen AckerS besitzen. Ein König ohne Land ist für

Reise ». Emil.

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