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die ganze Welt ein lächerliches Wesen, ein Unding selbst;ein Graf ohne Besitz, ein Baron ohne Gut, ein Freiherrohne Schloß, sie sind dieß nicht minder.
Und in der That, welche Stellung nimmt ein land- undvermögensloser Baron und Graf in der Gesellschaft ein?Nicht selten eine eben so lächerliche atö betrübte; und nurzu häufig eine solche, die man ein glänzendes Elend nennenmuß. Auf der einen Seite Standesansprüche, Standes-fordcrungen; auf der andern, Mangel an allen Mitteln, die-selben auch nur auf die nothdürftigste Weise zu befriedigen.Magere Offiziers-, untergeordnete Beamten-, drückende Hof-stellen, in welch üblem Einklänge stehen sie mit gräflicherund freiherrlicher Würde! Und wie kann man sich wundern,wenn Leute in derartiger Lage nicht das gewünschte Ansehenin der Gesellschaft genießen; wenn ein wohlhabender undunabhängiger Bürgerstand bmelhafte Vornehmheit wenigbeachtet und über Ansprüche spottet, die nur aus eingebil-deten Vorzügen entspringen.
Will nun der deutsche Adel sein allerdings stark gesun-kenes Ansehen in den Augen seiner bürgerlichen Landsleute,wie in denen des AuSlandeS wieder etwas heben, so möchteihm wohl kein besserer Rath zu geben sein, alS daß er seinebritischen Standesgenossen nachahme und seine nachgebornenKinder auch bürgerlich werden lasse.
Ein anderer Grund, weßhalb der britische Adel noch sotief in seinem Lande und Volke wurzelt, ist die Stellung,welche er schon seit geraumer Zeit gegenüber der Krone undder Nation einnimmt. Scheint jene in ihren Privilegienbedroht, so hält er seinen starken Schild den Pfeilen derDemokratie entgegen; zeigt aber der Thron Gelüste, die ihm