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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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weiöheil. Kehren wir wieder zu englischen Verhältnissenzurück.

Daß daö britische Volk trotz seiner Freihcits- und Unab-hängigkeitsliebe durch und durch aristokratisch gesinnt sei,ist eine schon eben so oft ausgesprochene als wahre Bchaup.tung und wenn dieser nationclle Zug irgendwo sich deutlichauöspricht, so geschieht eS in den Eigenthumsverhältnissen.Demokratische und gleichheitöliebende Länder legen einengroßen Werth darauf, daß der Besitz immer gehörig sichvertheile und deren Erbschaftsgesetze gestatten daher denEltern nicht, daö Eine ihrer Kinder auf Kosten der übrigenzu bevorzugen und Majorate zu stiften. Ich kenne ein Ge-meinwesen, in dem eS;. B. sogar dem kinderlosen Mroßsohnnicht erlaubt ist, über selbst erworbenes Vermögen testamen-tarisch zu verfügen, so lange seine Ureltern noch leben. InEngland hat Jeder das Recht: über freies Eigenthum, seies ererbt, sei eS erworben, habe der Besitzer Kinder oderhabe er keine, unbeschränkt zu bestimmen. Da nun einesBriten Lieblingsbestreben nach Gründung einer Familie geht,so wird derselbe, im Falle er auf irgend eine Weise in denBesitz eines bedeutender» Vermögens gekommen ist, seinenältesten Sohn begünstigen und dem Hauptstocke seines Eigen-thumes die Bestimmung geben, daß derselbe immer nur vomErstgebornen seiner männlichen Nachkommen oder, falls diesefehlen sollten, von dem nächsten männlichen Verwandtenererbt werden kann. Der Vater des berühmten Staats-mannes Peel, welcher bekanntlich ein Baumwollenspinnerwar und durch sein Geschäft ein riesenhaftes Vermögen sicherwarb, wie auch der neulich verstorbene erste WundarztEnglands, Sir Astley Cooper, können als sprechende Belege