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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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229
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für die Richtigkeit des Gesagten dienen. Die uralte Sitteund die allen Klaffen gemeinschaftliche Liebe zur Familien-auszeichnung lassen derartige Bevorzugungen jenseits desWassers ganz anders beurtheilen, als wir es thun. Daßdie Erhaltung der Familie als solcher wichtiger und wün-schenswerthcr sei, als diejenige der einzelnen Glieder der-selben; daß die letzteren daher ihr persönliches Interessedem Hähern Zwecke ihres Hauses zu opfern haben, geradeso wie der Privatnutzen dem Vortheil des Ganzen unter-geordnet werden muß; dieß gilt in diesem Lande als selbst-verftandene Sache und deßhalb sieht man in dem Erftgeburts-rechte der Familien wenig mehr Nnbilligkeit, als in derBestimmung, welche den ältesten Sohn des Königs dieWürde des Vaters erben läßt.

Ich weiß es wohl, daß gegen die fragliche Bevorzugunggar viel sich sagen läßt; aber selbst auf die Gefahr hin , füreinen Vorrechtlcr erklärt zu werden, gestehe ich offen ein,daß ich dieselbe eher billige, als tadle; sie eher für natur-gemäß, als für daS Gegentheil halte. Wer will cS leugnen,daß die Natur, in der sich doch die vollendetste Weisheitaussprichr, bei ihren herrlichsten und bewundernswürdigstenEinrichtungen nach aristokratischen Grundsätzen verfährt?Will sie etwas Großes und Bedeutendes hervorbringen, soordnet dieselbe ihrem Zwecke Millionen von Jndividual-exiftenzen unter, opfert Tausende von Wesen dahin. Umnur von, Menschen zu reden, was hat sie für denselben ge-than, damit er bestehe, genieße und groß sei? Sie unter-warf ihm die ganze irdische Welt, erhob ihn zum Herrnund Gebieter aller ihrer Reiche und machte ihm Lebendiges»nd Todtes zins- und dienstbar.